KRIENS: «Wir waren nie willkommen»

Der Gemeinderat hat dem Militärmuseum, das im Schulhaus Roggern einge- mietet ist, gekündigt. Der Geschäftsführer will das Museum aber nicht aufgeben.

Christian Glaus Mitarbeit: Guy Studer
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Eines der Ausstellungsstücke im Militärmuseum in Kriens: eine Infanteriekanone von 1935. (Bild: PD)

Eines der Ausstellungsstücke im Militärmuseum in Kriens: eine Infanteriekanone von 1935. (Bild: PD)

Christian Glaus

Es war eine Hiobsbotschaft für Charles Wüest. Der Geschäftsführer des Militärmuseums in Kriens, das in der Zivilschutzanlage des Schulhauses Roggern eingemietet ist, hat von der Gemeinde die Kündigung erhalten, wie Recherchen unserer Zeitung ergaben (Ausgabe vom 27. August). Seit Anfang Monat müsste er draussen sein. Die Kündigung wurde vier Wochen im Voraus per Ende Juli ausgesprochen.

Doch kampflos gibt ­Wüest nicht auf. Er hat Beschwerde gegen die Kündigung eingereicht, weshalb das Militärmuseum noch immer am gewohnten Standort zu finden ist. Nun müssen sich die Gerichte mit dem Fall beschäftigen.

Mieten seit Februar 2014 offen

Gemeinderätin Judith Luthiger-Senn, Bildungsvorsteherin und Finanzvorsteherin ad interim, bestätigt die Kündigung. «Wir haben sie wegen ausstehender Mietzahlungen ausgesprochen», sagt sie. «Wie hoch die Summe ist, darf aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht genannt werden.» Seit mehreren Jahren leiste der Museumsbetreiber keine Zahlungen. Im Februar 2014 habe der Gemeinderat einen Rettungsversuch unternommen und «die ausstehenden Zahlungen des Museumsbetreibers mit dessen Investitionen in die Museumsinfrastruktur getilgt». Dies hätte dem Museumsbetreiber einen Neuanfang ermöglicht. Danach habe das Militärmuseum aber weiterhin keine Miete bezahlt.

Weshalb wartete man mit der Kündigung so lange zu? Luthiger: «Wir hofften, dass der Museumsbetreiber seine Chance nutzt. Trotz mehrerer Lösungsversuche sind die Zahlungen nicht erfolgt.»

Wüest: «Alle Rechnungen bezahlt»

Als der Museumsbetreiber auch die letzte Frist ungenutzt habe verstreichen lassen, habe sich der Gemeinderat für die Kündigung des Mietverhältnisses entschieden. «Als Vermieterin wollen wir unsere Rechte einfordern», sagt Luthiger. Dieser Darstellung widerspricht Charles Wüest. «Es stimmt zwar, dass nicht alle Rechnungen pünktlich bezahlt wurden. Aber ich habe noch alle Rechnungen bezahlt.» Wüest sieht eher das angespannte Verhältnis zwischen ihm und dem Gemeinderat als Grund für die Kündigung. «Das ist ein 10-jähriger Streit. Die Gemeinde hat uns wo nur möglich schikaniert.»

Damit spricht er unter anderem einen Konflikt an, der 2009 öffentlich ausgetragen wurde. Das Militärmuseum forderte, dass es gleich behandelt werde wie das Museum im Bellpark und von der Gemeinde Kulturfördergelder erhalte. Der Gemeinderat wollte aber keinen finanziellen Zustupf leisten. Als Begründung hiess es, dem Militärmuseum fehle der Ortsbezug. Auf der anderen Seite muss das Museum eine Billettsteuer abliefern. Pro Eintritt, der 10 Franken kostet, macht dies 9 Rappen aus, wie Wüest damals vorrechnete.

Obwohl der Streit rund sechs Jahre zurückliegt, ist er für Charles Wüest noch nicht vergessen. «Wir waren hier noch nie willkommen», sagt er rückblickend auf die zehn Jahre, die das Militärmuseum im Zivilschutzkeller des Schulhauses Roggern ist (zuvor hatte es seinen Standort in der Stadt Luzern).

Das Museum hat eine bewegte Zeit hinter sich, kämpfte gegen den Ruin. Der 1,2 Millionen Franken teure Umbau des Zivilschutzkellers 2006 brachte das Museum an den Rand des Konkurses. Doch der Befreiungsschlag gelang: «Das Militärmuseum ist jetzt schuldenfrei», titelte unsere Zeitung am 10. Dezember 2010. Die 40 Gläubiger hatten freiwillig auf 90 Prozent der geschuldeten Rechnungen von fast 400 000 Franken verzichtet. Darunter auch die Gemeinde Kriens. Charles Wüest betont, er mache alles, um die Schulden tilgen zu können. Er sei zuversichtlich, dass dies gelinge.

Über eine Million Besucher

Der Streit mit der Gemeinde hat bei ihm Spuren hinterlassen. «Vor drei Monaten wollte ich alles hinschmeissen. Doch man hat mich überredet, weiterzumachen», sagt Wüest. Positiv stimmen würden ihn auch die Besucherzahlen. Gemäss Wüest verzeichnete das Militärmuseum bisher über eine Million Besucher. «Heute sind wir sogar international angesehen, haben Gäste aus England und den USA», sagt Wüest stolz. Das Militärmuseum will er nicht aufgeben. «Ich hoffe, mit der Gemeinde eine gute Lösung zu finden. Schliesslich geht es um ein Stück Schweizer Geschichte, das hier gezeigt wird.»

Mitarbeit: Guy Studer