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KRIENS: Wirbel um Krienser Tourismus

Wofür sollen die Tourismusabgaben verwendet werden? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Jetzt will der Gemeinderat das Steuer übernehmen.
Robert Knobel
Die neue Pilatus-Gondel. (Bild: Urs Wyss / Pilatus-Bahn)

Die neue Pilatus-Gondel. (Bild: Urs Wyss / Pilatus-Bahn)

Wussten Sie, dass Kriens die viertgrösste Luzerner Tourismusdestination ist – nach der Stadt Luzern, Weggis und Vitznau. 51 000 Übernachtungen zählte die Agglomerationsgemeinde im letzten Jahr. Dabei handelte es sich grösstenteils um Luzern-Besucher, die einfach etwas ausserhalb des Zentrums eine Unterkunft fanden. Das will der Krienser Gemeinderat ändern. Kriens soll vermehrt als eigenständige Destination wahrgenommen werden und nicht nur als günstiger Übernachtungsort für Luzern-Touristen. Gründe, nach Kriens zu reisen, gibt es durchaus: Neben der Krienseregg locken der Sonnenberg, neuerdings auch das Parkbad und der Erlebnisspielplatz Langmatt.

Unmut über Tourismusverein

Um mehr Touristen nach Kriens zu locken, soll dem Tourismus künftig mehr Geld zur Verfügung stehen. Der Gemeinderat will die Beherbergungsabgabe von bisher 10 Rappen pro Nacht auf 30 Rappen verdreifachen. Entsprechend sollen die jährlichen Einnahmen von heute 5000 auf 15 000 Franken steigen. Zusammen mit den Kurtaxen, die unverändert bleiben, hätte die Gemeinde neu rund 56 000 Franken pro Jahr zur Verfügung. Die entsprechende Tarifanpassung kommt am 21. Januar in den Krienser Einwohnerrat, zusammen mit einem neu geschaffenen Tourismusreglement. Denn der Gemeinderat will nicht einfach nur mehr Geld einnehmen. Er will auch die Tourismusorganisation neu strukturieren. Das bedeutet insbesondere: Künftig will der Gemeinderat selber die Verantwortung über die Verwendung der Tourismustaxen übernehmen. Bisher wurden die Gelder vom Verein Kriens Tourismus verwaltet. Doch mit dieser Situation war der Gemeinderat seit längerem unglücklich. In den Augen des Gemeinderates war der Verein bisher zu passiv und kümmerte sich nur ungenügend um die touristische Vermarktung von Kriens. Deshalb will der Gemeinderat nun das Heft selber in die Hand nehmen.

Geld gibts nur noch auf Gesuch

Was das konkret bedeutet, sagt Gemeindepräsident Cyrill Wiget: «Ziel ist, dass in Sachen Tourismus in Kriens mehr läuft.» Es brauche deshalb einen «Wettbewerb der Ideen», sagt Wiget und fügt hinzu: «Es gibt zahlreiche Organisationen und Private, die innovative Ideen haben. Doch bisher war es für sie schwierig, dafür Mittel aus den Geldern von Kurtaxen und Beherbergungsabgaben zu bekommen.» Das wolle der Gemeinderat ändern: Wer ein touristisches Projekt umsetzen will, soll sich künftig per Gesuch an den Gemeinderat wenden. Dieser entscheidet dann, ob der Gesuchsteller Geld erhält. Damit büsst allerdings der Verein Kriens Tourismus stark an Bedeutung ein. Der exklusive Status, den der Verein dank der Verwaltung der Tourismusgelder bisher hatte, entfällt. Künftig ist der Verein nur noch eine Tourismusorganisation unter anderen. Wenn er ein Projekt umsetzen will, muss er wie alle anderen ein Gesuch beim Gemeinderat einreichen. «Für Kriens Tourismus sollen die gleichen Regeln gelten wie für die übrigen Organisationen», sagt Cyrill Wiget.

Erster Versuch ist gescheitert

Die geplante Neuordnung ist auch ein Resultat einer gescheiterten Tourismuspolitik der Gemeinde. Denn ein erster Versuch, das Monopol von Kriens Tourismus zu brechen, scheiterte. So plante der Gemeinderat ursprünglich, einen Teil der Tourismusabgaben direkt dem Verein «Lust auf Kriens» zur Verfügung zu stellen. Dagegen reichte Kriens Tourismus Beschwerde ein. Noch bevor darüber entschieden werden konnte, löste sich «Lust auf Kriens» im vergangenen November allerdings auf.

Ron Prêtre ist Direktor des Hotels Sonnenberg und seit 2014 Präsident von Kriens Tourismus. Er ist insofern froh über die geplanten Änderungen, als sich die Gemeinde künftig um das aufwendige Inkasso der Gebühren kümmern wird. Wenn die Gemeinde auch über die Verwendung der Gelder entscheidet, müsse man aber genau hinschauen. «Wir erwarten eine transparente Abrechnung und insbesondere ein Mitspracherecht bei der Vergabe der Gelder», sagt Prêtre. Denn entscheidend sei, dass das Geld auch tatsächlich für den Tourismus verwendet wird, «und nicht um die Gemeinderechnung zu entlasten». Die Organisation etwa von Weihnachtsmärkten oder anderen lokalen Veranstaltungen seien Aufgaben der Gemeinde, für die man nicht Tourismusgelder verwenden dürfe. Die Abgaben sollen gemäss Prêtre ausschliesslich fürs Tourismusmarketing verwendet werden, allenfalls auch für direkte Vergünstigungen für Gäste – etwa ÖV-Tickets. Als Vorbild nennt Prêtre die Stadt, die mit Luzern Tourismus eine klare Leistungsvereinbarung unterhält.

Kurtaxen für Sitzbänkli

Doch in Kriens scheinen unterschiedliche Auffassungen über die Verwendung der Tourismusabgaben zu herrschen. Der Gemeinderat will zwar erstmals klare Kriterien definieren – solche fehlten bisher. Die neu geschaffene Verordnung dazu, die ebenfalls im Januar in den Einwohnerrat kommt, sieht allerdings längst nicht nur Marketingaufgaben vor. So soll die Beherbergungsabgabe beispielsweise für regelmässige Anlässe verwendet werden, «welche die Gemeinde in einem positiven Gesamtbild erscheinen lassen», wie es heisst. Die Kurtaxen sollen vor allem für die Infrastruktur verwendet werden – so etwa Sitzbänke, Wanderwege oder Attraktionen in Freizeitanlagen. Auch Vergünstigungen für Touristen könnten aus dieser Kasse bezahlt werden. Denkbar ist etwa ein Gratisticket für den ÖV oder eine Gratisfahrt auf den Sonnenberg für Hotelgäste.

Robert Knobel

Zahlen zum Krienser Tourismus. (Bild: Gemeinde Kriens/ Luzern Tourismus)

Zahlen zum Krienser Tourismus. (Bild: Gemeinde Kriens/ Luzern Tourismus)

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