KRIENS: Zentrum droht jahrelange Verzögerung

Die Denkmalpflege des Kantons prüft, ob das alte Tramhaus im Zentrum erhalten bleiben muss. Trifft dies ein, ist der Baustart im Februar 2016 nicht mehr realistisch.

Dominik Weingartner
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Das 1912 erbaute Tramhaus (Bildmitte, grüne Fensterläden) an der Luzernerstrasse. (Bild Pius Amrein)

Das 1912 erbaute Tramhaus (Bildmitte, grüne Fensterläden) an der Luzernerstrasse. (Bild Pius Amrein)

Dominik Weingartner

Zehn lange Jahre hat Kriens sein neues Zentrum geplant. Die Überbauung soll der Gemeinde im Ortskern ein neues Gesicht verleihen (siehe Box). Im kommenden Februar will man eigentlich mit dem Abriss des alten Gebäudes mit Scala und Pilatussaal beginnen.

Doch ob dieser Termin noch realistisch ist, wird jetzt ernsthaft in Frage gestellt. Denn im Projektperimeter, direkt an der Luzernerstrasse, befindet sich ein Haus mit historischem Wert, das früher auch als Tramhaltestelle diente. Wie unsere Zeitung schon im Jahr 2007 berichtete, soll dieses im Zuge des Neubaus des Zentrums abgerissen werden. Und bereits im Richtplan von 2004 war ersichtlich, dass das Tramhaus abgerissen werden soll.

Im April gemeldet

Trotz der Tatsache, dass der Abriss des 1912 erbauten Hauses schon seit über zehn Jahren bekannt ist, hat sich im letzten April die kantonale Denkmalpflege bei der Gemeinde Kriens gemeldet und sie gebeten, vom Abriss des Hauses doch noch abzusehen und es in die Umgebungsgestaltung zu integrieren. Im Juli hat die Denkmalpflege dann angekündigt, eine Unterschutzstellung des historischen Gebäudes zu prüfen. Der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) ist darüber gar nicht erfreut: «Eine Unterschutzstellung des Tramhauses hätte erhebliche Konsequenzen für die Terminplanung.» Dies, weil die Werkleitungen für das neue Gemeindehaus an der Luzernerstrasse in diesem Fall komplett neu geplant werden müssten. Dem neuen Zentrum Pilatus, das Anfang Oktober bewilligt wurde, steht das Haus zwar nicht im Weg. Die Umgebungsgestaltung jedoch ist noch nicht bewilligt – auch aufgrund der Pläne der Denkmalpflege. Denn dort, wo das Haus steht, ist ein grosszügiger offener Platz geplant. Das Haus würde unmittelbar neben dem Zentrum Pilatus stehen. «Es wäre städtebaulich schon sehr fragwürdig, ein so altes Haus neben dem neuen Gebäude und auf dem offenen Platz stehen zu lassen», sagt Matthias Senn. Neben der Umgebungsgestaltung müssten auch die Werkleitungen komplett neu geplant werden – was natürlich viel Zeit beanspruchen würde. Wie viel Zeit, kann Senn nicht abschätzen.

Millionenteure Verschiebung?

Kommt hinzu, dass im Rahmen der Umgestaltung des Zentrums auch der Verlauf der Luzernerstrasse verändert wird. Bleibt das Haus an seinem jetzigen Standort, ist das aufgrund der engen Platzverhältnisse unmöglich. Müsste das Haus verschoben werden, würde das Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen. Eine Unterschutzstellung hätte für die Gemeinde weitere finanzielle Konsequenzen: «Das Haus müsste vor den Auswirkungen der Baugrube geschützt werden», so Matthias Senn. Und es müsste für «eine zeitgerechte Nutzung» umgebaut werden. So verfügt das Haus heute beispielsweise über keine Heizung.

Bei der kantonalen Denkmalpflege bestätigt man auf Anfrage, dass die Schutzwürdigkeit des Hauses zurzeit überprüft werde. Dies im Rahmen des Bauinventars, das die Behörde zurzeit für die Gemeinde Kriens neu erstellt. Darin werden sämtliche Gebäude auf ihren denkmalschützerischen Gehalt überprüft, also auch die ehemalige Tramhaltestelle. Und da deren geplanter Abriss unmittelbar bevorsteht, soll noch in diesem Jahr entschieden werden, ob das Gebäude «erhaltenswert» oder sogar «schützenswert» ist. In beiden Fällen lautet die Vorgabe, den Bau grundsätzlich zu erhalten. Schützenswerte Bauten sind vor einem Abriss praktisch geschützt, und jegliche Renovation und Veränderung muss von der Denkmalpflege eng begleitet werden. Ist ein Bau «erhaltenswert», sollen Veränderungen «mit der nötigen Sorgfalt» vorgenommen werden.

Denkmalpflege sass in Jury

Pikant ist, dass anlässlich des Architekturwettbewerbs für die Überbauung ein Vertreter der Denkmalpflege in der Jury sass. Diese hatte den Abriss des Tramhauses damals gutgeheissen. Im Gegenzug wurde beschlossen, ein historisches Gebäude im Projektperimeter, nämlich den alten Güterschuppen, stehen zu lassen. Umso mehr erstaunt das plötzliche Umdenken der Denkmalschützer Jahre später. Die Denkmalpflege, seit 2010 unter der Leitung von Cony Grünenfelder, will zu den Gründen für diesen Sinneswandel mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Auskunft geben. Matthias Senn kann nur mutmassen: «Vielleicht liegt es daran, dass heute dort andere Personen die Entscheidungen treffen.»

Gegen eine allfällige Unterschutzstellung des Hauses könnte die Gemeinde Kriens Einspruch erheben – was die Realisierung des Zentrums ebenfalls unbestimmte Zeit verschieben würde. Solche Verfahren, womöglich noch über mehrere Instanzen, können sich hinziehen. Matthias Senn bestätigt, dass ein solches Verfahren nicht im Interesse der Gemeinde ist. Es bleibt die Frage offen, welche Vorgehensweise – Rechtsmittel ausschöpfen oder Umsetzen des Zentrums nach einer allfälligen Unterschutzstellung des Hauses – kostengünstiger und vor allem schneller ist.

Schon jetzt scheint klar zu sein: Der Baustart im Februar 2016 ist nur dann realistisch, wenn die Denkmalpflege auf eine Unterschutzstellung des Hauses verzichtet.

Das neue Zentrum

Am 9. Februar 2014 sagten die Krienser mit 57 Prozent Ja zur neuen Zentrumsüberbauung. Sie besteht aus vier Teilprojekten: Der neue Werkhof mit Feuerwehrdepot im Eichenspes (bereits im Bau), das Jugend- und Kulturzentrum Schappe Süd (geplanter Baustart Mai 2016), die Wohn- und Geschäftsüberbauung Teiggi-Lindenpark (geplanter Baustart noch offen) und das Dienstleistungszentrum Pilatus, in dem auch die Gemeindeverwaltung angesiedelt wird (geplanter Baustart Februar 2016). Insgesamt werden 130 Millionen Franken investiert.
www.zukunft-kriens.ch