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Krienser Ehrenmord: Staatsanwältin fordert lebenslange Haft

Vor dem Luzerner Kantonsgericht: Ein kurdischer Syrer tötete 2014 seine Frau auf brutale Weise – im Beisein seiner Kinder. Die Vorstellungen von Verteidiger und Staatsanwaltschaft klaffen weit auseinander.
Sandra Monika Ziegler

Der heute 43-jährige Syrer bleibt dabei: Seine 17 Jahre jüngere Frau habe wegen der Trennung von ihm mit dem Tod rechnen müssen. Er habe sie töten müssen, weil zwei seiner Onkel ihn dazu gedrängt hätten. Dies, um die durch die Trennung verletzte Familienehre wieder herzustellen – ein Ehrenmord.

Dies sagte er bereits vor Kriminalgericht 2017 und wiederholte es auch an der Verhandlung vor dem Kantonsgericht vom Dienstag. Auf Fragen des Richters konnte der Mann trotz mehrmaligem Nachfragen keine klaren Antworten geben. An den eigentlichen Tathergang erinnert er sich nicht.

Für die Staatsanwältin sind die vorgebrachten Gedächtnislücken Schutzbehauptungen. Sie betont erneut, dass es sich beim vorliegenden Tötungsdelikt um einen «höchst verwerflichen Mord» handelt. Der Mann habe seine Frau «kaltblütig liquidiert». Der Täter habe zu keiner Zeit weder Rücksicht auf die anwesenden kleinen Kinder noch auf seine Frau genommen. Er sei zu einer lebenslangen Haft zu verurteilen. Damit stützt die Staatsanwaltschaft das erstinstanzliche Urteil des Luzerner Kriminalgerichtes vom August 2017.

Kulturellen Hintergrund berücksichtigen?

Der Verteidiger kritisierte, wie bereits vor dem Kriminalgericht, dass für seinen Mandanten kein ethnologisch-psychologisches Gutachten, sondern ein klassisches erstellt worden sei. Das ethnologisch-psychologische Gutachten sei aber nötig, um die Tathintergründe ausleuchten zu können. Der Verteidiger spricht denn auch nicht von Mord, sondern von Totschlag und will die Haftstrafe von 20 Jahren auf sieben Jahre verkürzen.

Für den Verteidiger ist die Tat im Affekt erfolgt, denn sie sei nicht konkret geplant gewesen, sondern spontan aus einer enormen Belastungssituation erfolgt. Auch führte der Verteidiger den Kulturkonflikt zwischen Syrien und Europa ins Feld, dem sein Mandant ausgesetzt sei. Er sei enorm unter Druck gestanden und überfordert gewesen. Durch die Trennung von seiner Frau habe er bei den Seinen an Respekt und Ehre verloren. Denn in seinem Herkunftsland stehe die «Akzeptanz des Kollektivs über allem».

Unangefochten von Seiten des Beklagten blieben die Kosten des erstinstanzlichen Urteils. So werden die Genugtuungssumme von je 50 000 Franken für seine beiden Kinder sowie 5000 Franken für den Bruder des Opfers nicht in Abrede gestellt. Für die Staatsanwaltschaft gilt der Kulturkonflikt nicht als Argument. Es gehe hier nicht um Kultur, sondern um eine Tat und den Täter. Zudem sei der kurdische Syrer, der seit 2004 in Griechenland lebte und auch dort arbeitete, sehr wohl mit den europäischen Ansichten bekannt gewesen.

Die Familie distanziert sich von der Tat

Auch dass der Ehrenmord von seiner Familie angezettelt worden sei, lässt die Luzerner Staatsanwaltschaft nicht gelten. Bei Befragungen hätten die in der Schweiz lebenden Verwandten die Tat nicht gutgeheissen und sich davon distanziert. Für sie sei Ehrenmord kein Thema. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haft und lehnt ein ethnologisch-psychiatrisches Gutachten ab. Das Kantonsgericht wird nun über diese Anträge befinden.

Das Drama geschah im Januar 2014

Damals lebte seine Fraumit ihrem Bruder in Kriens. Der Mann lebte zusammen mit den beiden Kindern in einer anderen Gemeinde. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf, als er mit seinen Kindern seine Frau besuchte. Nachdem der Bruder kurz die Wohnung verlassen hatte, drängte der Mann seine damals 21-jährige Frau ins Kinderzimmer. Die Kinder folgten ihnen.

Gemeinsam wiesen sie die Kinder an, im Wohnzimmer auf sie zu warten. Der Mann zog die Tür hinter sich zu und attackierte seine Frau. Er führte ihr mit einem Messer mit 20-Zentimeter-Klinge mehrere tödliche Halsschnitte zu. Nach der Tat liess er die Frau im Zimmer liegen und ging ins Bad, um sich Gesicht und Hände zu waschen.

Danach setzte er sich zu seinen beiden kleinen Kinder aufs Sofa und zündete sich eine Zigarette an. Als der Bruder der Frau in die Wohnung zurück kam, wies ihn der Täter an, die Polizei zu rufen. Er liess sich widerstandslos verhaften.

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