Krienser Einwohnerrat lehnt Bauprojekt auf dem Areal der ehemaligen jüdischen Schule ab

Das Areal der alten Talmud-Schule wird nicht in eine Wohnzone umgewandelt. Vielmehr hofft der Krienser Einwohnerrat darauf, dass die Stadt das Grundstück eines Tages selbst zu günstigen Konditionen erwerben kann. Der Stadtrat hält dies aber für illusorisch.

Stefan Dähler
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Die ehemalige Talmud-Schule im Obernau. (Bild: Dominik Wunderli, Kriens, 25. Juli 2018)

Die ehemalige Talmud-Schule im Obernau. (Bild: Dominik Wunderli, Kriens, 25. Juli 2018)

Die Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule in Kriens stehen seit Jahren leer. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Der Krienser Einwohnerrat hat am Donnerstag die Teilzonenplanrevision in erster Lesung behandelt. Im Rahmen dieser Revision hätte das Areal an der Sackweidstrasse umgezont werden sollen: von der Zone für öffentliche Zwecke in eine Wohnzone. Doch das Parlament lehnte das Ansinnen mit 16 zu 8 Stimmen bei einer Enthaltung deutlich ab.

Die Eigentümerin des Areals, die Genossenschaft Schweizerische Talmud-Hochschule Jeschiwah, wollte die Schule abreissen lassen und durch eine Wohnüberbauung ersetzen (wir berichteten). Daraus wird nun vorerst nichts.

Allianz zwischen SP, Grünen und SVP

Der Antrag, die Umzonung abzulehnen, stammte von der vorberatenden Kommission für Bau, Verkehr und Umwelt. Unterstützt wurde er von der SP, den Grünen und der SVP. Vertreter dieser Fraktionen nannten gleich mehrere Argumente gegen eine Neuüberbauung. So sei das Areal verkehrstechnisch nicht gut gelegen. «Es wird sonst schon viel gebaut, viele Wohnungen stehen leer, es besteht überhaupt keine Wohnungsnot», sagte Räto Camenisch (SVP). Weiter müsse man an die Zukunft denken. Es könne gut sein, dass die Stadt eines Tages selbst Bedarf für zusätzliches Land hat. Camenisch:

«Warten wir mit der Umzonung ab, werden die Eigentümer noch froh sein, wenn sie das Areal günstig verkaufen können.»

Cla Büchi (SP) argumentierte , dass sich die Stadt Kriens mit dem Kauf des Areals Optionen für die Zukunft offenhalten könnte. Man müsse ja nicht zwingend dort bauen, sondern könne auch einen Landabtausch anstreben. Etwa, um Schulraum im Gebiet Luzern Süd zu realisieren. Man könne das Land quasi als «Pfand» nutzen, sagte Peter Stofer (Grüne).

Die FDP und die Mehrheit der CVP waren anderer Meinung. «Die leer stehende Schule, die langsam dahin bröckelt, ist ein trauriger Anblick», sagte Andreas Vonesch (CVP). Es fiel auch der Ausdruck «Schandfleck». Ein hochstehender Neubau, zu diesem Zweck schrieb der Stadtrat einen Wettbewerb vor, würde das Quartier vervollständigen. Vonesch fügte an:

«Die Aussicht, das Grundstück selbst zu kaufen für einen allfälligen künftigen Gebrauch, grenzt schon fast an Spekulation.»

Thomas Lammer (FDP) fragte rhetorisch: «Glauben Sie wirklich, dass der Eigentümer das Land günstig verkauft? Nein, er wird gar nichts machen und die bestehenden Bauten werden nur noch älter und gruusiger.» So steige zudem das Risiko einer Hausbesetzung.

Stadt Kriens hat keine Verwendung für das Gebäude

Stadtrat Matthias Senn (FDP) fügte an, dass man die Räume der ehemaligen Schule besichtigt habe. «Diese sind für die Stadt nicht verwendbar.» Es gebe viele bauliche Altlasten und Risiken. Auch für das Areal als Ganzes habe die Stadt keine Verwendung. Ein Abtausch sei «illusorisch», dasselbe gelte für die Idee, das Land dereinst günstig zu erwerben. Zum Einwand, dass derzeit schon genug neue Wohnungen auf den Markt sind, sagte Senn, dass Planungsverfahren jeweils rund zehn Jahre dauern würden. Die Wohnungen an der Sackweidstrasse kämen also noch lange nicht auf den Markt. Hingegen könnte die Stadt von einer Umzonung profitieren und mit der Mehrwertabgabe eine Erweiterung der benachbarten Freizeitanlage Langmatt finanzieren. Doch damit vermochte er die Mehrheit des Einwohnerrats nicht zu überzeugen.

Gewässerschutz ist unbestritten

Die Teilzonenplanrevision muss vom Einwohnerrat noch in zweiter Lesung behandelt werden. Das wird voraussichtlich im November der Fall sein. Eine Schlussabstimmung fand daher am Donnerstag nicht statt. Die Revision enthält neben dem umstrittenen Überbauungsteil auch noch die Anpassung an das eidgenössische Gewässerschutzgesetz, was im Einwohnerrat auf keine Opposition stiess. Das Gesetz verlangt, dass bis Ende Jahr allen oberirdischen Gewässern ein Gewässerraum zugewiesen wird. Darin dürfen nur Anlagen erstellt werden, die im öffentlichen Interesse liegen. Weiter bestehen für Landwirte strengere Regeln. Es dürfen keine Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, erlaubt ist nur eine extensive Nutzung.