Krienser Karate-Pioniere: Sie trainierten sogar auf der Hochzeitsreise

Karate ist ihr Leben. Jetzt übergeben Ruth und Beat Näpflin ihre Karateschule Kriens in neue Hände – nach 38 Jahren.

Roger Rüegger
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Die Shihans Ruth und Beat Näpflin im Dojo der Karateschule Kriens.

Die Shihans Ruth und Beat Näpflin im Dojo der Karateschule Kriens.

Bild: Pius Amrein, 16. Januar 2020

Mit verschränkten Armen präsentieren sich Ruth (68) und Beat Näpflin (76) im Dojo in Obernau. Das Ehepaar gründete die «Karateschule Kriens Kyokushin» im Januar 1982. In 38 Jahren haben sie 700 Kindern und Erwachsenen den Weg des Karate zu verstehen gegeben.

Viele Kohays (Schüler) trainieren noch im Dojo an der Rengglochstrasse. Rund 40 legten in dieser Zeit die Schwarzgurt-Prüfung ab, und geben ihr Wissen weiter. Manche holten an nationalen und internationalen Wettkämpfen Titel. Sie tragen den Titel «Hoher Meister» Für sportliche Erfolge und das Erreichen höherer Gurtstufen sind Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und hartes Training unabdingbar.

Ruth und Beat Näpflin tragen den Titel «Shihan», was hoher Meister bedeutet. Sie haben dem Karate vieles untergeordnet. Als sie sich 1968 in Lausanne kennen lernten – sie absolvierte ein Welschlandjahr, er arbeitete als Carrosserieschlosser – war Karate kein Thema. Erst 1972 fing Beat bei einem Turnier Feuer. Ruth begann zwei Jahre später.

Die Karateschule ist das Lebenswerk

Der Grundstein für die Karateschule war gelegt. «Wir waren angefressen. Sogar auf der Hochzeitsreise in Tunesien trainierten wir täglich. Es imponierte dem Hotelpersonal, dass wir stundenlang Katas übten. Wir wurden zuvorkommend behandelt und bekamen das beste Essen. Damals waren Bruce Lee-Filme populär», so Beat, der 1976 die Schwarzgurt-Prüfung zum 1. Dan machte. Heute trägt er den 7. Dan. Ruth machte die Meisterprüfung 1983. Seit 2015 trägt sie den 6. Dan.

Die Karateschule ist das Lebenswerk der Shihans. Sie engagieren sich auch im Verband International Federation of Karate (IFK), dem 21 Schweizer Dojos angehören. Zudem sind sie Pioniere. Seit 2017 präsidiert Ruth Näpflin als erste Frau die IFK-Schweiz. Sie und eine Engländerin tragen als einzige Frauen in den 56 Ländern des IFK den 6. Dan.  Als Trainerin coachte sie 17 Jahre das Nationalteam im Kata. In dieser Disziplin werden Kampftechniken ohne Gegner ausgeführt. Shihan Beat war der erste Trainer der Junioren-Nationalmannschaft im Kumite (Kampf).

Die Krienser setzten Änderungen durch. Etwa dass bei Kata-Europameisterschaften neben Einzel-, neu auch Teamwettkämpfe ausgetragen werden. «An der WM in Moskau hatte der Schweizer Landesvertreter Shihan Eddy Gabathuler aus Chur den Verbandsfunktionären unser Anliegen vorgetragen. 1999 wurde die 1. Kata-EM mit Team-Beteiligung ausgetragen», sagt Shihan Ruth stolz.

Wer sich einsetzt, wird belohnt

Schon zu Anfangszeiten war die Karateschule gut besucht. Kinder, Eltern und Lehrpersonen begannen sich für den Sport zu interessieren.   Schüler zeigen andern, wie es geht Wer sich im Karate einsetzt, wird belohnt. Die Shihans übertragen Schülern Verantwortung, indem diese Trainings leiten dürfen. «Eine junge Person, die fortgeschritten ist, wird als Instruktor auch von älteren Karateschülern akzeptiert. Die Leitung der Trainings gibt Selbstsicherheit und Souveränität», so Ruth. Einige Karatekas spielen ihre Erfahrung, die sie als Trainingsleiter gewonnen haben, heute als Lehrer aus.

Viele Krienser Karatekas sind weiblich, rund 20 tragen einen Schwarzgurt. Dolores Emmenegger-Jaros (41) wurde vor 22 Jahren von Ruth Näpflin motiviert, in Kriens für die Schwarzgurtprüfung zu trainieren. Heute ist sie mit dem 5. Dan neben Ruth die einzige Shihan im IFK-Schweiz. «Ruth und Beat sind für mich nicht nur Trainer, sondern Familie. Sie ebneten mir den Weg mit Einzeltrainings und gaben mir Unterkunft.»

16 Karatekas erhielten Krienser Sportpreis

Die Erfolge der Krienser werden von der Öffentlichkeit wahrgenommen. «Beat und Ruth Näpflin haben riesigen Einsatz für Kinder und Jugendliche geleistet», betont Daniel Dziemba, Sportkoordinator der Stadt Kriens. Seit 1999 werden Sportler für herausragende Leistungen geehrt, allein 16 aus der Karateschule. Am 31. Januar ergänzen Chiara Marbacher (3. Kata-WM) und Sina Burri (Schweizermeisterin Kumite) die Dojo-Bilanz.  Die Näpflins setzen sich auch für die Gesellschaft ein. Dziemba: «Für ein kleines Entgelt wurden in der Oster- und der Herbstsportwoche Kurse angeboten. Auch sonst war Beat Näpflin aktiv. So übernahm er für den Weihnachtsmarkt im Bellpark das Dossier Sicherheit, um Vandalismus zu verhindern.»

Nun treten die beiden kürzer. Das Bild mit den verschränkten Armen hat Symbolcharakter. Die Leitung der Karateschule übergaben sie an fünf ehemalige Schüler, die heute alle hohe Dan-Träger sind: Melania Garcia, sie trägt als einzige Frau den 4. Dan, André Emmenegger, Michel Estermann (ebenfalls 4. Dan) sowie Sensei Fabio Campanaro und Sensei Simon Birrer (3. Dan). Shihan Ruth leitet weiterhin die Juniorentrainings am Mittwoch. Am 21. März findet der Pilatus-Cup statt.

Erfolge der neuen Leiter der Karateschule

Die fünf neuen Leiter der Karateschule tragen alle den Titel «Sensei». Ihre Bilanz an Wettkämpfen:

André Emmenegger: 26-facher SM in Kata und Kumite. Er holte dreimal Bronze an der Team-WM. Trainer der U21.

Melania Garcia: mehrfache Kata-SM, Vize-EM im Kata Team 1999, Dritte der WM 2003 im Kata Team.

Michel Estermann und Fabio Campanaro: beide mehrfache SM-Medaillengewinner in Kumite und Kata.

Simon Birrer: mehrfacher Medaillen, Dritter WM 2014 im Team Kata.