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Krienser Maturandin erhält den Luzerner Religionspreis

Melanie Büchler (18) beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit dem indischen Kastensystem. Dafür wurde sie nun ausgezeichnet.
Livio Viggiano
Melanie Büchler aus Kriens im Gespräch mit einer Einheimischen während ihres Aufenthalts in Indien. (Bild: PD/Tommi Mendel)

Melanie Büchler aus Kriens im Gespräch mit einer Einheimischen während ihres Aufenthalts in Indien. (Bild: PD/Tommi Mendel)

Indien ist ein Land, das polarisiert: Überbevölkerung, Armut, riesige Städte mit Smog, grosse Umweltverschmutzungen – aber auch eine vielfältige Kultur, farbige Tempel und schmackhafte Currys. Das wohl umstrittenste Stichwort zu Indien ist jedoch das indische Kastensystem. Dieses funktioniert wie ein Klassensystem, das die Menschen, je nach Abstammung, in eine höhere oder tiefere soziale Klasse einstuft.

Im indischen System gibt es vier Stufen, die sich in einer hierarchischen Ordnung befinden. Die jeweilige Kastenzugehörigkeit ist ein Faktor, der den sozialen Status eines indischen Menschen mitbestimmt.

Sie wollte Vorurteile überwinden

Oft verurteilen Europäer die Einteilung nach Kastenzugehörigkeit als grausam und ungerecht, ohne je mit Betroffenen darüber gesprochen zu haben. «Es ist immer viel einfacher, eine uns fremde Kultur zu verurteilen, anstatt sich ernsthaft mit dieser zu beschäftigen. Aber oft sind unsere Vorurteile völlig fehl am Platz», sagt Melanie Büchler. Die Krienserin wollte die Vorurteile gegenüber dem Kastenwesen überwinden.

Preis für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik

(pd/zim) Mit dem Luzerner Religionspreis, der 2006 erstmals ausgeschrieben wurde, würdigt die Theologische Fakultät der Universität Luzern das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf das Themenspektrum Religion, indem sie herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik auszeichnet. Der Preis, der mit 500 Franken dotiert ist und von der Universitätsstiftung entrichtet wird, wird jedes Jahr ausgeschrieben. Zugelassen sind Arbeiten aus allen Fächern und aus der gesamten deutschsprachigen Schweiz. Den aktuellen Abgabetermin entnehmen Sie bitte dem Merkblatt. Eine Fachjury, bestehend aus Dozierenden der Theologischen Fakultät und des Religionswissenschaftlichen Seminars der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, beurteilt die eingereichten Arbeiten.

Für ihre Maturaarbeit an der Kantonsschule Alpenquai Luzern mit dem Titel «Das Kastenwesen im modernen Indien» machte sie sich ein Bild vor Ort und führte Gespräche mit Einheimischen über den Lebensalltag im Kastenwesen. Die 18-Jährige wurde für diese Arbeit mit dem Luzerner Religionspreis 2019 der Theologischen Fakultät der Universät Luzern ausgezeichnet. Sie habe sich dem Thema in religionswissenschaftlicher analytischer Weise genähert und sich dabei auf den gegenwärtigen Einfluss des Kastenwesens auf zentrale Aspekte der Lebenswelt fokussiert, schreibt die Jury in der Würdigung der Arbeit.

Augenschein vor Ort

Ein Austauschprojekt mit einer indischen Schulklasse bot Büchler die Möglichkeit, nach Indien zu fahren. Durch die Gespräche, die sich um die Themen Heirat, Tradition, Bildung, Arbeit und Freundschaft drehten, konnte sie aus erster Quelle dokumentieren, wie der Alltag im indischen Kastenwesen tatsächlich aussieht.

Die Forschung vor Ort brachte Erstaunliches zu Tage: «Man konnte die Tendenz erkennen, dass es eher die älteren, traditionsbewussten Menschen waren, die grossen Wert auf das Kastenwesen legten. Die jüngeren Generationen sahen es oft etwas lockerer», sagt Büchler. Das Kastensystem ist zwar allgegenwärtig, es sei jedoch nicht der einzige Faktor, der den sozialen Status einer Person ausmache. Materieller Wohlstand und berufliche Position seien in vielen Fällen bedeutender als die eigene Herkunft nach Kastensystem, so Büchler. Um die Chancengleichheit zu verbessern gibt es in Indien sogar eine Kastenquote, die den tieferen Kastenangehörigen Studienplätze und berufliche Positionen sichern will.

Die Frage, ob sie sich passend zum Thema ihrer Maturaarbeit ein Ethnologie-Studium vorstellen könne, verneint Melanie Büchler. Vielmehr sieht sie sich in den Naturwissenschaften, sie will an der ETH Lausanne studieren. Vorerst steht jedoch ein Zwischenjahr an, während dem sie reisen und arbeiten will. Und der nächste Road Trip mit ihren indischen Freunden ist auch bereits in Planung.

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