Krienser Raritäten lagern im Bunker

In einer Zivilschutzanlage lagert die Gemeinde Kriens zahlreiche Zeugen der Ortsgeschichte. Die Objekte warten darauf, irgendwann wieder ans Tageslicht zu kommen. Doch dazu bräuchte es erst eine zündende Idee.

Stefan Dähler
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Oliver Kehrer, Abteilungsleiter Familien- und Kulturdienste und alt Gemeinderätin Verena Funk halten ein Stück eines Kachelofens in der Hand. Der Ofen wurde einst von der Gemeinde gekauft, um ihn zu retten. Doch nun liegt er seit Jahrzehnten im Bunker unterhalb des Roggern-Schulhauses. Ob ihn die Öffentlichkeit eines Tages wieder bestaunen kann, bleibt offen. (Bilder Jakob Ineichen (Kriens, 12.09.2018)).

Oliver Kehrer, Abteilungsleiter Familien- und Kulturdienste und alt Gemeinderätin Verena Funk halten ein Stück eines Kachelofens in der Hand. Der Ofen wurde einst von der Gemeinde gekauft, um ihn zu retten. Doch nun liegt er seit Jahrzehnten im Bunker unterhalb des Roggern-Schulhauses. Ob ihn die Öffentlichkeit eines Tages wieder bestaunen kann, bleibt offen. (Bilder Jakob Ineichen (Kriens, 12.09.2018)).

Einst haben hier Besucher Militäruniformen oder alte Gewehre betrachtet. Doch Anfang 2016 musste das Militärmuseum in der unterirdischen Zivilschutzanlage beim Krienser Roggernschulhaus schliessen (wir berichteten). Völlig leer sind die Räumlichkeiten aber nicht. Hier lagert die Gemeinde rund 25 historische Objekte, die andernorts nicht mehr von Nutzen waren: unter anderem eine Pelton-Turbine, eine alte Mostpresse, Kinosessel aus dem Scala oder ein in Einzelteile zerlegter und in Kartonschachteln verpackter Kachelofen. «Zuvor befanden sich diese Objekte im Keller des Gemeindeschuppens und des Hotels Pilatus», sagt Oliver Kehrer, Abteilungsleiter Familien- und Kulturdienste der Gemeinde Kriens. «Als die Gebäude für die Zentrumsüberbauung vor rund einem Jahr abgerissen wurden, haben wir die Gegenstände analysiert und für jene, die erhaltenswert sind, einen neuen Standort gesucht.»

Alte Strassenschilder.

Alte Strassenschilder.

Ofen aus dem Bauernhaus bleibt eingelagert

Bei der Analyse der Objekte erhielt die Gemeinde Unterstützung von der Kulturkommission, dem Museum im Bellpark und von alt Gemeinderätin Verena Funk (SP). Sie war während ihrer Zeit in der Exekutive am Aufbau des Gemeinde-Inventars für erhaltens- sowie schützenswerte Bauten beteiligt und leitete zudem die Projektgruppe Heimatschutz. Erinnerungen hat sie besonders an den Kachelofen, der ungefähr aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stamme. «Die Erstellung des Inventars gab viel zu tun.» Funk begutachtete zahlreiche Gebäude; teils auch mit Denkmalschützern, was bei den Eigentümern nicht immer auf besonders viel Freude stiess. Den Ofen entdeckte sie im Bauernhaus Obermettlen, der Bauer wollte diesen ausreissen und ersetzen. «Nach längeren Diskussionen entschied der Gemeinderat, den Abriss zu bewilligen, kaufte jedoch den Ofen und liess ihn abbauen, zerlegen sowie verstauen.» Seit Mitte der 1990er-Jahre wartet der kunstvoll verzierte Kachelofen nun auf seine neue Bestimmung. «Die Hoffnung ist, dass man ihn eines Tages wieder aufbauen kann», sagt Funk.

Reich verzierter Stuhl. Er stammt möglicherweise aus einem Gemeinderatszimmer oder aus dem Schloss Schauensee.

Reich verzierter Stuhl. Er stammt möglicherweise aus einem Gemeinderatszimmer oder aus dem Schloss Schauensee.

Zahlreiche weitere Objekte im Bunker stammen von der Firma Bell, die für die Gemeinde Kriens sehr bedeutend war – unter anderem die erwähnte Peltonturbine der ersten Generation. Auch zahlreiche Holz-Wasserrräder zeugen von den Anfangszeiten der Bell-Epoche in Kriens Mitte des 19. Jahrhunderts. Wiederum aus einem Bauernhaus – dem inzwischen abgerissenen Hof Mettlen, der neben der Krienser Badi stand – stammt eine grosse alte Mostpresse aus Holz. Weiter stehen in der Zivilschutzanlage zahlreiche alte, kunstvoll verzierte Stühle, «vermutlich standen die früher in einem Gemeinderatssaal oder im Schloss Schauensee», sagt Funk. Ebenfalls im Untergrund gelagert werden Stühle neueren Datums, und zwar aus dem Kino Scala, das ebenfalls im Rahmen des Zentrumsprojekts abgerissen worden ist. In einer Kiste befinden sich zahlreiche alte Strassenschilder.

Eine alte Turbine zeugt von der industriellen Vergangenheit Kriens`.

Eine alte Turbine zeugt von der industriellen Vergangenheit Kriens`. 

Industrie-Lehrpfad mit alten Objekten?

Was aus den alten Kulturgütern dereinst werden soll, ist offen. Sie sammeln derzeit zwar einiges an Staub an, die Lagerbedingungen seien aber gut, sagt Kehrer. «Die Objekte stehen auf Paletten und sind so vor Hochwasser geschützt, die Luftfeuchtigkeit in den Räumen ist ideal.» Daher bleiben die Zeitzeugen bis auf weiteres in der Zivilschutzanlage. «Allenfalls können wir sie für eine Veranstaltung, beispielsweise eine Ausstellung, wieder mal hervorholen», sagt Kehrer. «Die Idee ist, eines Tages mit den Kulturgütern einen Industrie-Lehrpfad aufzubauen.» Wo, in welcher Form und wann, sei noch völlig offen. «Noch ist es erst eine Vision.»

Eine alte Mostpresse vom einstigen Hof Mettlen.

Eine alte Mostpresse vom einstigen Hof Mettlen.