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Krienser Sport-Förderer Fredi Stalder: «Ich habe gelernt, Nein zu sagen»

Der Krienser Fredi Stalder wurde von der IG Sport für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Er hat über 50 Sportanlässe organisiert, Fussball- und Handballteams trainiert, etliche Vereine geleitet – bis ihn die Gesundheit zu einer Pause zwang.
Larissa Haas
Hat sich stets ehrenamtlich für den Sport engagiert: Fredi Stalder aus Kriens, hier im Stadion Kleinfeld. (Bild: Pius Amrein, Kriens 18. März 2019)

Hat sich stets ehrenamtlich für den Sport engagiert: Fredi Stalder aus Kriens, hier im Stadion Kleinfeld. (Bild: Pius Amrein, Kriens 18. März 2019)

«Fredi, du bringst das niemals fertig!» Wie oft hat das Alfred «Fredi» Stalder schon gehört; und wie oft hat er allen das Gegenteil bewiesen: Als OK-Präsident von über 50 Sportanlässen, als Hauptleiter von Trainingslagern, Betreuer von Leichtathletik-Junioren-Europameisterschaften, Leichtathletik-Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen in Seoul 1988. Das Finale der schweizerischen Nachwuchswettkämpfe brachte er zwei Mal nach Kriens, genauso wie der Innerschweizerische Cross-Wettkampf – obwohl viele sagten, «Fredi, du schaffst das nicht.»

Fredi Stalder aber blieb hartnäckig. Denn immer dann, wenn er an einem seiner Sportanlässe die klatschenden Zuschauer sah, dachte er, dass es gut ist, was er macht. Dass sich der Aufwand auszahlt – im metaphorischen Sinne zumindest. Denn das Besondere an Stalders Tätigkeit ist nicht einzig ihre Beständigkeit – seit über 40 Jahren hat er ununterbrochen ein sportliches Amt inne – sondern die Tatsache, dass er das, was er macht, freiwillig macht:

«Mein Lohn ist die Freude von allen rundherum.»

Fredi Stalder redet gern über den Sport. Am liebsten über die Leichtathletik. Besonders die Wettkämpfe und Meetings faszinieren ihn: «Die Stimmung in den Zuschauerrängen ist grandios.» 1969 war er zum ersten Mal bei der Weltklasse Zürich mit dabei – seither hat er keine Austragung im Letzigrund-Stadion verpasst. Bei der Leichtathletik gehe es immer «schneller, höher, weiter», sagt der 62-jährige, der eigentlich, wenn es nach seinem Vater Bernhard Stalder – Gründungsmitglied des SC Kriens – gegangen wäre, hätte Fussballer werden sollen. Sein Onkel wiederum, der damalige Präsident des schweizerischen Skispringerverbands Hans Fuchs, lockte ihn mit neuen Skiern in den Schnee. Stalder sagt:

«Aber ich hatte kein Ball-Talent und auf der Mini-Schanze im Eigenthal reichte es gerade Mal für 20 Meter.»

Nach einem kurzen Schlenker im Kunstturnen fand er seine Leidenschaft schliesslich im Hürdenlauf. Er wurde so schnell, sprang so hoch und so weit, dass er es in das Junioren-Nationalkader schaffte, die 400-Meter-Distanz war seine Spezialität.

Heute erinnert sich Fredi Stalder noch genau an diesen einen Hürdensprung, der seine Karriere als Profisportler schliesslich zerschmetterte – und seine Laufbahn als Sportfunktionär besiegelte. Es war im Jahr 1977. Er hatte sich gerade von einem schweren Starkstromunfall erholt, nun war es das letzte Training vor dem Start der Rekrutenschule. Auf der 250. Hürde stürzte der damals 20-jährige Fredi: dreifacher Fussgelenk-Bruch. «Da wusste ich, meine Sportkarriere ist vorbei.» «Aus purem Trotz» kehrte er dem Sport zunächst den Rücken, um dann aber die Weichen seiner sportlichen Karriere neu zu stellen: Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der Vereinigung Krienser Sportorganisationen (VKS) – der Verein kümmert sich um die Anliegen aller Sportvereine der Gemeinde – zugleich wurde er Leiter der Jugend- sowie der Leichtathletikriege von Kriens.

Auf einmal war er also mittendrin; statt auf der Rennbahn, halt am Spielfeldrand: Er wurde Konditionstrainer des FC Luzerns II, dann Konditionstrainer des HC Kriens, Coach des SC Kriens, später Leiter der Fitnessriege und Materialverwalter im Turnverein. Inzwischen ist er im kantonalen und schweizerischen Leichtathletikverband sowie im Turnverein Kriens Ehrenmitglied, in der Turnkommission des Turnverbandes von Luzern, Ob- und Nidwalden gehört er zur Ehrengarde.

Sein «Sportzimmer» ist der Dreh- und Angelpunkt

Heute, 42 Jahre nach seinem wegweisenden Sportunfall, liegen dutzende Papierstapel, schön geordnet, auf dem Boden seines Büros: Entwürfe für Urkunden, Sportchroniken, Briefe an die Gemeinde. Stalder sagt, sein «Sportzimmer» sei Dreh- und Angelpunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. «Man muss schon angefressen sein, wenn man so etwas macht wie ich», kommentiert Stalder und fügt an: «Aber ich mache das halt einfach gern.»

Sportanlässe schweissen die Leute zusammen, sie eröffnen neue Möglichkeiten und spornen Sportler an, zu trainieren, davon ist Stalder überzeugt. Gerade diese Faszination hat ihm den Status eines «sportlichen Organisationstalents» eingeheimst. Jeder weiss, «wenn Fredi dabei ist, dann läuft’s», wenn Fredi etwas macht, dann «nicht halbpatzig, sondern richtig». Das Motto «schneller, höher, weiter» gilt für ihn nicht nur in der Leichtathletik, es ist bei seiner Tätigkeit als Sportfunktionär schon längst zentral geworden. Fredi Stalder liebt Spannung. Den Nervenkitzel. All jene Momente, wenn es «hart auf hart» kommt – nicht nur im Sport. In den letzten Jahrzehnten arbeitete er fast ununterbrochen, sagte zu allen Angeboten «Ja, das mache ich», solange, bis es im letzten Jahr schliesslich da war, das Burnout.

Fredi Stalder musste kürzer treten. Nach einer neunwöchigen Auszeit fand er sich schliesslich Anfang 2019 wieder in sein früheres Leben ein – mit einer neuen Formel für Glück: schneller, höher, weiter – nun aber vorsichtiger und bedachter:

«Ich habe gelernt, Nein zu sagen und mache ausschliesslich das, was mir am meisten Spass macht.»

Gerade deshalb habe ihn die Nomination der IG Sport zum «Ehrenamtlichen des Jahres 2018» so überrascht: «Ich habe im letzten Jahr längst nicht so viel gemacht, wie in den 40 Jahren zuvor!» Doch sind es gerade seine Ausdauer – im sportlichen wie auch charakterlichen Sinne – und sein beständiges Engagement, die ihn schliesslich zu einem hochverdienten Preisträger machen.

Das Rezept für ein zufriedenes Leben hat Fredi Stalder inzwischen gefunden, etwas hat er aber bis heute nicht verstanden: «Wir Ehrenamtliche leben für das, was wir machen, zeigen Leidenschaft. Aber andere, die dafür bezahlt werden, bringen nicht einen Bruchteil dieses Engagements auf.» Klingt unlogisch, ist es auch: «Ein ganz komisches Phänomen!»

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