Krienser Stadtrat lehnt Initiative für einen neuen Ökihof beim Pilatusmarkt ab

Für das Projekt müsste ein Waldstück gerodet werden. Das sei nicht bewilligungsfähig, argumentiert der Krienser Stadtrat. Die Initianten sind enttäuscht.

Stefan Dähler
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Im Grütwäldli hinter dem Pilatusmarkt hätte der Ökihof entstehen sollen. Unten ist die Lüftung der Autobahn zu sehen.

Im Grütwäldli hinter dem Pilatusmarkt hätte der Ökihof entstehen sollen. Unten ist die Lüftung der Autobahn zu sehen.

Bild: Roger Grütter (Kriens, 18. Februar 2020)

Das Problem ist bekannt: Der Ökihof für Horw und Kriens an der Horwer Technikumstrasse ist überlastet. Mit einer Initiative hat die Krienser FDP daher einen alternativen Standort ins Spiel gebracht: ein Grundstück der Korporation Horw gleich neben dem Pilatusmarkt und in unmittelbarer Nähe des bisherigen Ökihofs:

Doch der Krienser Stadtrat empfiehlt die Initiative zur Ablehnung, wie er nun mitteilt. Das Problem ist, dass auf dem vorgeschlagenen Grundstück sich heute das Grütwäldli befindet. Die FDP schlägt zwar vor, dass im Gegenzug andernorts die doppelte Anzahl Bäume gepflanzt werden soll. Doch der Kanton würde die Waldrodung beim Pilatusmarkt erst gar nicht bewilligen, begründet der Krienser Stadtrat seine Haltung. Dies hätten Abklärungen mit der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) ergeben. Demnach seien Rodungen nur zulässig, wenn es «absolut keine Alternative gebe», teilt der Stadtrat mit.

24 Standorte abgeklärt

Zwar hat eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des Gemeindeverbands für Entsorgung Real 24 Standorte für einen neuen Ökihof im Raum Luzern Süd abgeklärt, jedoch, ohne eine Lösung zu finden. Gescheitert sei man «an der fehlenden Bereitschaft der Grundeigentümer» oder weil sich die drei beteiligten Kommunen Luzern, Horw und Kriens nicht auf eine Variante einigen konnten, heisst es in der Mitteilung der Stadt Kriens. «Das heisst aber nicht, dass es keine Alternative gäbe», sagt der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP). «Die Lawa kam zum Schluss, dass es genug mögliche Standorte in der Bauzone gäbe.» Dass die Suche bisher nicht erfolgreich war, sei für den Kanton nicht relevant.

Dieser beurteilt das Grütwäldli als wichtiges Landschafts- und Vernetzungselement im Siedlungsraum. So schreibt die Lawa in ihrer Stellungnahme an die Stadt Kriens Folgendes, wie dem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat zu entnehmen ist: «Die ökologischen Interessen» sprechen «für eine ungeschmälerte Erhaltung des Grütwäldli» und «die Standortgebundenheit für die Realisierung des Ökihofs im Grütwäldli» ist «nicht hinreichend nachgewiesen».

Der Kanton bestätigt auf Anfrage, «dass die gesetzlichen Vorgaben eine Rodung voraussichtlich nicht zulassen», wie Judith Setz, Kommunikationsverantwortliche beim Bau- und Umweltdepartement schreibt. «Allerdings kann erst in einem Ortsplanungsverfahren abschliessend beurteilt werden, ob eine solche Rodung für den vorgesehenen Ökihof unzulässig ist.» Für den Stadtrat jedoch macht solch ein Verfahren «aus heutiger Sicht» keinen Sinn, da die Wahrscheinlichkeit für eine Bewilligung der Rodung wie erwähnt klein ist.

FDP will an Initiative festhalten

Bei den Initianten ist die Enttäuschung gross, wie FDP-Präsident Robert Marty sagt. «Die Begründung kann ich zwar ein stückweit nachvollziehen, doch ich vermisse beim Stadtrat die Bereitschaft und den Kampfgeist, eine Lösung für das Problem zu finden.» So hätte dieser etwa einen Alternativvorschlag erarbeiten können. Die FDP werde aller Voraussicht nach an der Initiative festhalten. Der Einwohnerrat entscheidet am 19. März über diese.

Real hätte Standort begrüsst

Aus Sicht von Real wäre das Grütwäldli ein guter Standort gewesen, wie Martin Zumstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagt. «Betrieblich und verkehrstechnisch hat dieser bei der Evaluation sehr gut abgeschlossen und auch die Grundeigentümer wären einverstanden.» Die anderen verbliebenen Optionen seien der Hinterschlund im Zusammenhang mit dem von der Stadt Luzern geplanten Carparking oder der Ausbau des bestehenden Standorts – wobei der Hinterschlund nach dem Nein des Krienser Einwohnerrats zum Carparking auch nicht mehr realistisch sein dürfte. Immerhin habe die als Sofortmassnahme eingeführte Gebühr für Ökihof-Nutzer am Samstag für eine Entlastung gesorgt, so Zumstein.

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