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Krienser Studentin kleidet die Schwarze Madonna von Einsiedeln ein

Mit dem Studium an der Hochschule Luzern hat sich Vreni Zwimpfer einen alten Traum erfüllt. Ihr Abschlussprojekt widmet sie einem aussergewöhnlichen Model – und holte dafür ihr Hochzeitskleid aus dem Schrank.
Manuel Burkard
Vreni Zwimpfer mit ihrem Kleid für die Schwarze Madonna im Kloster Einsiedeln. (Bild: Corinne Glanzmann (6. Juli 2018))

Vreni Zwimpfer mit ihrem Kleid für die Schwarze Madonna im Kloster Einsiedeln. (Bild: Corinne Glanzmann (6. Juli 2018))

Inspiration kommt bisweilen aus aussergewöhnlichen Quellen. Vreni Zwimpfer fand sie in einem mittelalterlichen Garten, der nur auf Leinwand existiert: dem «hortus conclusus», zu Deutsch «geschlossener Garten». Auf diesem alten Bildthema, das Maria und das Jesuskind umringt von Pflanzen zeigt, baute sie ihre Bachelorarbeit auf, mit der sie kürzlich den Studiengang Textildesign an der HSLU – Design & Kunst abschloss.

Dass Vreni Zwimpfer überhaupt noch einen Hochschulabschluss anstrebte, ist an sich schon bemerkenswert. Mit ihren 49 Jahren hat sie das typische Studieralter eigentlich hinter sich. Zwanzig Jahre lang hatte die Krienserin an der Primar- und Sekundarschule unterrichtet. «Der Besuch der Kunstgewerbeschule war schon nach dem Lehrerseminar mein Traum», sagt Zwimpfer. Dann kamen ihre beiden Kinder zur Welt und die Mutter passte ihre Pläne entsprechend an. Als die Kinder das Erwachsenenalter erreichten, sah Vreni Zwimpfer die Zeit gekommen, den grossen Schritt zu wagen und von der Lehrenden wieder zur Lernenden zu werden.

Sie knüpfte an christliche Traditionen an

Drei Jahre lang befasste sie sich als Vollzeitstudentin intensiv mit der Herstellung (Weben und Stricken) und der Bearbeitung (Drucken und Sticken) von Textilien. Eine strenge Zeit, doch Zwimpfer bereute ihren Entscheid nie: «Ich würde es wieder machen.» Als Höhepunkt erlebte sie die Abschlussarbeit, die das ganze letzte Semester in Anspruch nahm: «Ich konnte alles, was ich gelernte habe, in einem eigenen Projekt anwenden.» Doch das Gewand, das sie entwarf und erschuf, wird nie einen Menschen kleiden. Vreni Zwimpfer nähte und stickte für die Jungfrau Maria. Genauer: für die Schwarze Madonna von Einsiedeln.

Die Idee dazu entstand aus ihrem Interesse für Geschichte und Kultur. Die Schwarze Madonna von Einsiedeln ist weitherum bekannt und ihre Kleider haben Tradition. Das älteste der rund dreissig Gewänder stammt aus dem Jahr 1685, Schenkungen von Verehrern erweitern die Garderobe laufend. Vorgegeben sind lediglich die Bestandteile und der Schnitt: ein Mantel für Maria und ein Kleid für Jesus, dazu ein Schleier, der über das Haupt der heiligen Jungfrau drapiert wird. «Alle anderen Vorgaben machte ich mir selber.» Klar war: Keine wilden Experimente, das Kleid sollte der christlichen Tradition folgen. «Schliesslich ist es mein Wunsch, dass die Madonna das Kleid auch tatsächlich mal tragen wird.» So bediente sich Vreni Zwimpfer für ihre Entwürfe der christlichen Ikonografie, dem eingangs erwähnten «hortus conclusus». Sie analysierte zahlreiche Gemälde alter Meister und identifizierte zehn Symbole, die sie in ihrem Entwurf umsetzen wollte: acht Pflanzen, Vögel und das Einhorn. «Die Auswahl war der schwierigste Teil der Arbeit», meinte sie rückblickend.

An das Kloster Einsiedeln übergeben

Anschliessend skizzierte sie Entwürfe der verschiedenen Motive, bevor sie diese schliesslich auf Stoff umsetzte. Das Futter gestaltete sie im Siebdruckverfahren, der sichtbare Teil des Gewandes ist gestickt. Als Grundstoff diente ihr weisse Seide – von ihrem eigenen Hochzeitskleid. Auch damit knüpfte sie an eine Tradition an. Es war früher üblich, dass man sein Hochzeitskleid der Kirche spendete. «Sie verwendeten den wertvollen Stoff dann weiter, zum Beispiel für Madonnenkleider.»

Wann die Madonna zum ersten Mal im neuen Kleid zu sehen sein wird, weiss auch Vreni Zwimpfer nicht. Die Jungfrau wird laufend neu eingekleidet, Vorgaben ergeben sich aus dem liturgischen Kalender. Das von Vreni Zwimpfer geschaffene Kleid ist weiss und kommt damit nur an christlichen Hochfesten in Frage. Mit der Übergabe des Kleides an das Kloster Einsiedeln ging das Bachelorprojekt und damit auch das Studium von Vreni Zwimpfer zu Ende. Wie weiter? «Das ist noch unklar. Am meisten interessiert mich der Bereich Entwurf und Sticken.» So werden ihre Kreationen in Zukunft wohl auch echte Menschen zieren.

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