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KRIENS/HORW: Ökihof-Streit geht in eine neue Runde

Eine ge­meinsame Arbeitsgruppe soll nach neuen Standorten für den Ökihof suchen. Die Gemeinden werten dies als Einigungserfolg. Tatsächlich ist man sich so uneinig wie je.
Christian Glaus und Dominik Weingartner
Über die Zukunft des Ökihofs Kriens-Horw gibt es verschiedene Ansichten. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Über die Zukunft des Ökihofs Kriens-Horw gibt es verschiedene Ansichten. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Christian Glaus und Dominik Weingartner

Beim Ökihof Kriens-Horw haben die beiden Gemeinden das Heu schon länger nicht auf derselben Bühne. Einig ist man sich zwar, dass die häufigen Staus vor dem Ökihof in Horw nicht ideal sind, die Platzverhältnisse zu eng und das Gebäude baufällig ist.

Wie man diese Probleme lösen soll, darüber gehen die Meinungen aber weit auseinander. Kriens und der Entsorgungsverband Real pochten stets auf eine schnelle Lösung mit einem Neubau am bisherigen Standort, mit geänderter Verkehrsführung. Die Standortgemeinde Horw hingegen ist damit nicht einverstanden und möchte den Ökihof am liebsten an einem anderen Ort neu bauen.

15 000 Franken für Arbeitsgruppe

Am letzten Mittwoch haben sich die Gemeinderäte von Kriens und Horw zur Aussprache getroffen. Der Krienser Gemeinderat ist mit einer klaren Forderung in diese Verhandlungen gestiegen: Binnen zweier Monate soll Horw konkrete Vorschläge zu Alternativstandorten bringen. Herausgekommen ist ein Kompromiss, mit dem vordergründig beide Gemeinden gut leben können: Es wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der Kriens, Horw und die Stadt Luzern vertreten sind. Die Arbeitsgruppe wird ein externes Büro mit der Standortevaluation beauftragen. Kostenpunkt: 10 000 bis 15 000 Franken, wie der zuständige Krienser Gemeinderat Cyrill Wiget (Grüne) schätzt. Diese Kosten sollen zwischen den drei Gemeinden aufgeteilt werden. Die Stadt ist deshalb an den Planungen beteiligt, weil sie selber keinen Ökihof auf Stadtgebiet hat.

In sechs Monaten muss Lösung her

Laut Wiget soll das externe Büro mehrere Grundstücke aufzeigen, die für einen Ökihof genutzt werden können. Die Arbeitsgruppe wird dann entscheiden, welches Grundstück sich am besten eignet. Wichtigstes Kriterium ist die schnelle Verfügbarkeit. Zudem muss es gut erschlossen sein und die raumplanerischen und betrieblichen Anforderungen von Real erfüllen. Die Arbeitsgruppe hat dafür sechs Monate Zeit. Auf diese Frist haben sich Kriens und Horw geeinigt.

Wie ist Abmachung zu verstehen?

Sollte dies nicht gelingen, will man das von Real vorgelegte und von Kriens unterstützte Neubauprojekt am bisherigen Standort vorantreiben. So zumindest hat Cyrill Wiget die Abmachung zwischen Horw und Kriens verstanden. Von Horwer Seite klingt es jedoch ganz anders. «Der Gemeinderat Horw hat vor dem Treffen mit dem Krienser Gemeinderat entschieden, dass es unverantwortlich wäre, eine Bewilligung für einen Neubau am heutigen Standort zu erteilen», sagt der Horwer Gemeinderat Robert Odermatt (SVP) unmissverständlich. Denn auch mit der neuen Zufahrt über die Technikumstrasse seien Staus und Verkehrszusammenbrüche programmiert – insbesondere im Bereich Technikumstrasse und Kreisel Steini­bach. «Das können wir der Horwer Bevölkerung nicht zumuten, und das haben wir dem Gemeinderat Kriens auch kommuniziert.» Weiter sagt Robert Odermatt: «Kriens und Horw sind sich einig, dass der heutige Standort nicht optimal ist.» Eine Aussage, die so von Cyrill Wiget nicht bestätigt wird. «In einem halben Jahr muss eine Lösung vorliegen», sagt Wiget lediglich. Er betont auch, dass man von Krienser Seite her offen sei für neue Standorte. Aber: «Wenn in einem halben Jahr keine neue Lösung vorliegt, haben wir das Vorprojekt für einen Neubau am bisherigen Standort als Rückfallposition», so Wiget. Von einer kompletten Abkehr der Krienser von der Neubaulösung am aktuellen Standort kann also keine Rede sein.

Horw: Frist ist nicht zwingend

Auch den vereinbarten zeitlichen Rahmen schwächt der Horwer Gemeinderat in seiner Stellungnahme ab. Die Resultate der Arbeitsgruppe sollen «nach Möglichkeit» innerhalb von sechs Monaten vorliegen, sagt er. Heisst das, dass diese Frist auch verlängert werden kann? «Den künftigen Fahrplan wird die Arbeitsgruppe festlegen», so Odermatt. Horw sei zudem bereit, in der Arbeitsgruppe die Federführung zu übernehmen. Weiter sei es unwahrscheinlich, dass innert sechs Monaten kein neuer Standort gefunden werden kann. «Wir sind zuversichtlich, dass wir etwas finden werden», sagt Odermatt. Das Problem sei bisher gewesen, dass nicht professionell gesucht und vier von Horw gemachte Vorschläge abgelehnt oder nicht näher geprüft worden seien.

Suche blieb ergebnislos

Tatsächlich hat auch der Abfallverband Real nach neuen Standorten gesucht – allerdings bisher erfolglos. «Mit der heutigen Situation sind wir nicht zufrieden. Deshalb haben wir immer wieder neue Standorte gesucht und mangels Alternativen ein Neubauprojekt am aktuellen Standort ausgearbeitet», sagt Real-Geschäftsführer Martin Zumstein. Das Problem am heutigen Standort sei, dass Horw als Grundstückeigentümerin keine Zufahrtsrechte für die Privatstrasse habe, über welche die Zufahrt zum Ökihof erfolgt. Die Anwohner wollen es nicht mehr länger hinnehmen, dass sie von den Ökihof-Besuchern bei der Zufahrt zu ihren Häusern behindert werden. Deshalb müsse die Zufahrt zum Ökihof Horw künftig über die Technikum­strasse erfolgen, erklärt Martin Zumstein.

Real ist am Verhandeln

Der Entsorgungsverband Real befindet sich zurzeit in Verhandlungen mit einem Grundstückbesitzer im Gebiet Schlund – dort gibt es einen möglichen Ersatzstandort. Es würden von beiden Seiten ernsthafte Verhandlungen geführt, so Zumstein. Von einer Lösung sei man jedoch noch weit entfernt. Es seien noch etliche Abklärungen nötig. Für die Horwer Haltung hat Zumstein wenig Verständnis: «Ein Ökihof ist ein sehr begehrter Service Public. Da müsste es auch im Interesse der Gemeinde sein, in der Nähe eine gute Lösung für die Einwohner anzubieten.»

Gutachten und Gegengutachten

dlw. Im Sommer 2014 hat der Abfallverband Real einen technischen Bericht und ein neues Verkehrskonzept für den Ökihof Kriens-Horw vorgestellt. Der vom Ingenieurbüro Emch + Berger WSB AG erstellte Bericht kam zum Schluss, dass nur mit einem Neubauprojekt die Verkehrsprobleme rund um die Entsorgungsstelle in Horw gelöst werden können.

Die Standortgemeinde Horw hat daraufhin einen Gegenbericht in Auftrag gegeben, erstellt vom Horwer Ingenieursbüro Margadant AG. Beide Berichte liegen unserer Zeitung vor.

Anderer Zufahrtsweg

Die wichtigste Änderung beim Neubaukonzept von Real betrifft die Verkehrsführung. Die Zufahrt zum Ökihof soll neu über die Technikumstrasse erfolgen, die Wegfahrt über den Steinibachweg, über den heute die Zufahrt verläuft. So soll sichergestellt werden, dass der Steinibachweg, eine Privatstrasse, entlastet wird und die Anwohner dort ungehindert zu ihren Häusern gelangen können, was heute nicht immer gewährleistet ist.

«Konzept befriedigt nicht»

Das Gegengutachten aus Horw kommt zum Schluss, dass das Verkehrskonzept an elf Punkten verbessert werden müsste, damit eine Baubewilligung für einen Neubau in Aussicht gestellt werden könne. So müsse beispielsweise zu Spitzenzeiten ein unterstützender Verkehrsdienst eingesetzt werden, der die Zufahrt zum Ökihof koordiniert, was bereits heute der Fall ist. Mit der Anpassung an den im Bericht genannten elf Punkten könnte das Neubaukonzept teilweise umgesetzt werden. «Aber selbst dann befriedigt das Konzept nicht», kommt der Bericht zum Schluss.

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