KRIENS/KERNS: Krienser schlagen sich in Griechenland durch

Drei Schüler aus der Zentralschweiz waren bei der Junioren-Karate-WM in Thessaloniki erfolgreich. Nur die Engländer waren besser.

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Die Kyokushin-Kämpferinnen der Karateschule Kriens: Virginia Ney (links) und Jolein Odermatt in der Turnhalle Obernau. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Kyokushin-Kämpferinnen der Karateschule Kriens: Virginia Ney (links) und Jolein Odermatt in der Turnhalle Obernau. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Eine Reise nach Griechenland ist oft mit kulinarischen Höhenflügen, Sonne und relaxen am Strand verbunden. «Unvergesslich, traumhaft, gerne wieder» heisst es auf Plattformen im Internet. Ähnlich bewerten Virginia Ney und Jolein Odermatt (beide 15) ihren Aufenthalt in Thessaloniki. Jedoch war für sie nicht relaxen am Strand angesagt. Die Luzernerinnen von der Karateschule Kriens reisten am vorletzten Wochenende nach Griechenland, um sich an der Junioren-Kyokushin-Weltmeisterschaft mit den Besten aus 19 Nationen zu messen.

Mit Erfolg: Virginia wurde mit dem Team Schweiz 1 Vizeweltmeisterin im Klicker (Kämpfen ohne Kontakt), Jolein holte den dritten Rang im Einzel-Klicker in der Kategorie Girl +160. «Wir wussten, dass es schwer wird, weil die Engländerinnen stark sind», sagt Virginia. Die Briten gewannen tatsächlich mehrere Titel.

Aus gegen die Weltmeisterin

Im Einzel scheiterte die Krienserin Virginia Ney gegen eine der starken Britinnen. «Ausgeschieden bin ich gegen die spätere Weltmeisterin. Aber es war knapp», sagte sie beim ersten Training nach der WM. Obwohl Virginia an ihren Sieg glaubte, ist sie mit dem zweiten Platz glücklich. Auch ihre Trainerin «Shihan» Ruth Näpflin ist zufrieden. «Die Engländer waren kaum zu schlagen an diesem Turnier», sagt die 65-jährige Trägerin des 5. Dan (Schwarzgurt).

Das erfuhr auch Jolein Odermatt aus Emmenbrücke. Sie überzeugte zwar auch mit der Mannschaft – mit dem Team 2 erreichte sie den 4. Rang. Aber auch sie musste sich den Gegnerinnen von der Insel beugen. «Die schlagen wir bei der nächsten Begegnung», sagt die Schülerin der Kantonsschule Reussbühl. An Selbstvertrauen mangelt es den Kämpferinnen nicht. Jolein, die aus einer Karate-Familie stammt, weiss, dass ohne starken Willen, Disziplin und intensives Training nichts zu erreichen ist. Sie ist Trägerin des Grüngurts (3. Kyu).

Grosses Ziel: Der Schwarzgurt

Virginia Ney ist noch weiter. Sie hat als Siebenjährige mit Kyokushin-Karate angefangen und trägt einen Braungurt (1. Kyu). Für dieses Jahr hat sie ein grosses Ziel: «Im Sommerlager in Willisau will ich die Prüfung zum 1. Dan, dem Schwarzgurt, ablegen.» Sollte sie bestehen, wäre sie die jüngste Kyokushinkai-Dan-Trägerin der Schweiz.

Kyokushinkai ist für die beiden Frauen nicht nur Sport. «Durch das Karate habe ich Selbstvertrauen und Sicherheit gewonnen. Das bringt mich auch im Alltag voran und motiviert mich», sagt die Sekschülerin Virginia, die bereits einen Lehrvertrag in der Tasche hat. Sie gibt ihre Erfahrung auch an jüngere Sportler weiter. So hilft sie Trainerin Ruth Näpflin, die mit ihrem 72-jährigen Ehemann «Shihan» Beat (6. Dan) die Karateschule Kriens leitet, seit einiger Zeit beim Training. «Virginia hat einen guten Zugang zu den jüngeren Karatekas. Meistens gelingt es ihr, die Aufmerksamkeit der Kinder besser auf sich zu lenken als die älteren Trainer. Ohne eine starke Persönlichkeit wäre dies unmöglich.»

Die Trainerin informierte nach der WM ihre 40 jugendlichen Karatekas über die Leistung ihrer Kolleginnen und des 31-köpfigen Schweizer Kaders, das zwei Silber- und vier Bronzemedaillen holte: «Seht nur: Wer bei Wettkämpfen teilnimmt, kann Pokale gewinnen. Wer motiviert trainiert, kann viel erreichen.» Die WM-Teilnehmerinnen müssen indes nicht motiviert werden. Ihr Trainingsfleiss zahlt sich verschiedentlich aus. Dank des Erfolgs im Sport haben sie Länder bereist, die sie sonst wohl noch nicht besucht hätten. So nahmen sie in Belgien, Holland und England an Wettkämpfen teil. «Meine Kolleginnen beneiden mich, wenn ich davon erzähle», sagt Virginia. Einen Teil der Kosten übernimmt der Verband IFK Schweiz (International Federation of Karate).

Zweifacher Vizeweltmeister

Auch der Kernser Maverick Egger (15) vom Karate Do Obwalden brachte Edelmetall in die Zentralschweiz. Der Schüler gewann bei den Boys +160 in der Kategorie Klicker Silber – hinter dem Briten Luke Stubbs. Damit hat er nicht gerechnet. «Nie hätte ich gedacht, dass es so gut läuft», sagt Maverick, der Träger des 3. Kyu (Grüngurt) ist. Er habe sich das Ziel gesetzt, die erste Runde zu überstehen. «Als es so gut lief, bin ich fast erschrocken.» Vielleicht etwas zu bescheiden. Denn auch mit der Mannschaft schnitt er ausgezeichnet ab. Mit dem Team Schweiz 1 erreichte er zusammen mit Virginia Ney den Final.

Egger sagte nach dem Wettkampf, dass er nicht nervös gewesen sei. Was ihm Vertrauen gab, war die Teilnahme an einem Kontaktturnier Ende November. Dabei habe er wertvolle Erfahrungen sammeln können, denn er wisse jetzt, dass er auch harte Treffer einstecken könne. Sein Trainer «Shihan» Klaus Ming (6. Dan) sagt über ihn: «Maverick hat dadurch an der WM ruhig und gelassen auftreten können. Es ist ihm alles wie im Training gelungen.» Er habe sich im letzten Jahr physisch und mental ausserordentlich entwickelt. Und er trainiere zusammen mit seinem jüngeren Bruder Elik regelmässig und zielstrebig.

Maverick Egger begann als Siebenjähriger mit Karate. «Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Für diesen Sport braucht es Kondition, Kraft und mentale Stärke. Ich hätte in keiner anderen Sportart so viel Erfolg.» Sein Ziel sei, niemals aufzugeben und immer das Beste zu geben. Gelegenheit, sich an den Engländern, mit denen die Schweizer engen Kontakt pflegen, zu revanchieren, haben sie im Oktober in Irland und im März 2016 beim Pilatuscup in Kriens.

Roger Rüegger