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KRIENS/LUZERN: Frei laufende Hunde beissen Rehe zu Tode

Auf dem Sonnenberg wurden jüngst fünf Rehe gerissen. Bissanalysen bestätigen: Die Tiere wurden – trotz Leinenpflicht – von frei laufenden Hunden getötet.
Ein Reh in einer Blumenwiese. (Archivbild Stefan Kaiser)

Ein Reh in einer Blumenwiese. (Archivbild Stefan Kaiser)

Erst letzten Samstag bekam Hans Stähelin, Jagdleiter des Reviers Sonnenberg, einen Anruf einer Bäuerin, die beim Mähen einen einzelnen Rehlauf entdeckte. Das Revier Sonnenberg erstreckt sich über Kriens, Littau und entlang dem Gütschwald in der Stadt Luzern über 1042 Hektaren. «Ich machte mich gleich auf den Weg, der Rehschlegel wurde auf der Krienser Seite gefunden», so Stähelin. Zusammen mit seinem Hund Held suchte er nach dem Tier. «Mein Hund fand einige Meter weiter noch Teile des ausgefressenen Kadavers.»

Füchse hatten sich am toten Tier bereits bedient. Doch offensichtlich wurde es von einem Hund gerissen. «Die Bisswunden an Hinterläufen und Kehle wiesen auf einen Hund hin. Solche Kehlenbisse können nur von Hunden stammen und nicht etwa von einem Luchs. Und ein Fuchs hätte das ganze Tier weggezogen», erzählt Stähelin.

Frei laufende Hunde ärgern

Eigentlich erstaunlich, denn Hunde müssen zwischen dem 1. April und dem 31. Juli im Wald und am Waldrand an die Leine genommen werden. Die Leinenpflicht gilt im Kanton Luzern seit 2014 und wurde eingeführt, um das Wild besser zu schützen.

Doch längst nicht alle Hundehalter halten sich daran. «In den letzten zehn Wochen waren es bereits fünf Rehe, die durch Hunde zu Tode kamen», sagt Stähelin. Und er fügt an: «So ein Kehlenbiss ist kein schöner Anblick. Das Tier verendet im Stress. Es ist ein qualvoller Tod, eine Tierquälerei.» Bei solchen Hundattacken auf Rehe hetzen die Hunde das Tier durch den Wald und beissen es in Beine und Hals, bis es tot zusammenbricht. Ein so verendetes Tier kann nur noch «entsorgt» und nicht etwa kulinarisch verarbeitet werden.

«Privater Spielplatz»

Es gibt Hundehalter, die foutieren sich um die Leinenpflicht. «Sie denken, dass der Wald ihr privater Spielplatz sei», so Stähelin. So hätte ihn eine Frau erstaunt gefragt, warum er heute im Wald sei. Normalerweise werde doch am Mittwoch gejagt. Der Jäger schmunzelt: «Mein Vorgänger machte jeweils am Mittwoch einen Jagdtag. Das wusste sie genau und konnte deshalb getrost an den anderen Tagen ihren Vierbeiner frei laufen lassen.» Und wenn dann mal ein Hundehalter auf die Leinenpflicht aufmerksam gemacht werde, hagle es unschöne Worte. Stähelin führt das auf die Jägerkleidung zurück: «Wir in unserem grünen Outfit sind auf den ersten Blick abgestempelt und sind immer die Bösen.»

Jäger als Mörder beschimpft

Seine Jagdkollegen können davon ein Liedchen singen. So sei einer einmal auf dem Sonnenberg unterwegs gewesen und habe eine Hundehalterin auf die Leinenpflicht aufmerksam gemacht. Sie habe ihn nur angeschaut und ihm empfohlen, wieder nach Hause zu gehen, so Stähelin. Der Kollege stammt ursprünglich aus Deutschland. Er fühlte sich durch die verbalen Angriffe diskriminiert. Doch das sei mitunter noch das Harmloseste, was man zu hören bekomme. Auch schon sei die Stimmung sehr aggressiv gewesen, und die Jäger seien als Mörder angeschrien worden, erzählt Stähelin.

Beweisen ist schwierig

Die Jagdgesellschaft im Sonnenberg-Revier besteht aus sechs Pächtern, drei Gastmitgliedern und zwei Jungjägern. Sie machen hin und wieder Kontrollen. Werden jedoch Fehlbare aufgespürt, dann sei es nicht einfach, Beweise für die Hundetäterschaft zu erbringen. «Da müssten wir sie direkt verfolgen, auf frischer Tat ertappen und auch gleich noch filmen», – also ein Ding der Unmöglichkeit – so Stähelin. Und komme es zu einer Anzeige, steht es Aussage gegen Aussage.

Zwar wird von jedem Biss eine DNA-Probe genommen. «Diese wird jedoch nicht sofort ausgewertet. Das macht erst dann Sinn, wenn wir einen konkreten Hund in Verdacht haben. Doch das hatten wir bis anhin noch nicht. Wir wissen auch nicht, ob es sich um einen Hund oder um mehrere Hunde handelt», erklärt der Jagdleiter.

Die meisten verhalten sich korrekt

Stähelin bedauert die Häufung von gerissenen Rehen. Seiner Ansicht nach ist der Wald gross genug für alle Benutzer. Und die meisten Hundehalter würden sich auch korrekt verhalten. Es sei schade, dass vereinzelte aus der Reihe tanzten und so eine ganze Gruppe in Verruf bringen würden.

Meldung an die Polizei

Doch statt den Waldpolizisten zu geben, hofft der Jäger lieber auf die Eigenverantwortung der Hundehalter. Nachdenklich stimmen ihn die Vorfälle trotzdem. «Die Hundehalter, deren Hunde ein Reh gerissen haben, müssten das eigentlich merken. Denn der Hund hat Blutspuren an Fell und Schnauze. In einem Fall hat der Hund auch Fleischfetzen samt Fell gefressen. Das musste der Hund früher oder später wieder rauswürgen. Auch das sollte ein Hundehalter merken.» Angaben über wildernde Hunde sollten der Polizei gemeldet werden, empfiehlt Stähelin.

Sandra Monika Ziegler

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