KRIMINALGERICHT: 15 Monate für Temposünder

Ein junger Handwerker fährt ausserorts mit 172 Kilometern pro Stunde anstatt der erlaubten 80. Seinen Führerschein ist er für lange Zeit los – sein Auto für immer.

Roger Rüegger
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Innenleben eines Radarkastens (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Innenleben eines Radarkastens (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Der Samstagmorgen im März 2013 hat sich tief im Gedächtnis des 28-jährigen Automechanikers aus einer Luzerner Landgemeinde eingebrannt. An diesem Tag hat der Schweizer mit seinem Ford Focus die Höchstgeschwindigkeit auf einer Landstrasse im Luzerner Hinterland um 92 Stundenkilometer überschritten. Erlaubt sind auf diesem Streckenabschnitt 80 Kilometer pro Stunde.

Dafür musste der Handwerker sich gestern vor dem Luzerner Kriminalgericht im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens verantworten. Dem Richter schilderte der Mann, wieso er so schnell gefahren ist. «Ich war an einem Termin, der länger dauerte als geplant. Weil ich noch mit meinem Vater einen Traktor holen musste, wählte ich die Abkürzung über diese Strecke. Ich hoffte, dort Zeit aufzuholen», so seine Erklärung.

«Riesen-Seich»

Seine Rechnung ging nicht auf. Und jene, die ihm das Gericht präsentierte, schon gar nicht. Für den «Riesen-Seich», den er sich nach den Worten des Richters leistete, hat er sich eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten eingehandelt. Die Strafe wird bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren verhängt. Hinzu kommt eine Busse von 1300 Franken. Doch damit nicht genug. Dem Burschen wurde der Führerausweis von der Polizei vorsorglich auf der Stelle abgenommen. Mittlerweile ist er ihn auf unbestimmte Zeit los (siehe Box). Weiter folgte eine Hausdurchsuchung, bei der eine Kaufbestätigung für das Auto sowie eine Rechnung beschlagnahmt wurden. Das Auto wurde sichergestellt und «vorzeitig verwertet», wie es in der Anklageschrift heisst. Das bedeutet, dass es für 20 000 Franken verkauft wurde. Der Erlös wird für Verfahrenskosten und Bussen verwendet. Die restliche Summe wird dem Beschuldigten überwiesen.

Sorge um die Arbeitsstelle

Der Richter wollte wissen, wie der Raser heute über sein Handeln denke: «Ich bereue, dass ich unvernünftig gefahren bin», so der Beschuldigte. Er müsse nun jeden Tag mit dem Velo 20 Kilometer zur Arbeit fahren. Auch seine Einstellung zum Autofahren habe sich verändert. «Die Freude an schönen Autos habe ich verloren.» Schmerzhaft sei, dass ein 50 000 Franken teures Auto weg sei. Seine grösste Sorge war aber, dass er durch den Verlust des Ausweises seine Arbeitsstelle in einer Autogarage verlieren könnte. Diese war unbegründet. Sein Arbeitgeber hat zuhanden der Staatsanwaltschaft ein Schreiben aufgesetzt, das dem Beschuldigten attestiert, ein vernünftiger und vorbildlicher Fahrer und Mitarbeiter zu sein.

Weil er im schweizerischen Strafregister nicht verzeichnet ist, kommt der Automechaniker mit einer verhältnismässig milden Strafe davon. Er habe sich im Untersuchungsverfahren kooperativ gezeigt und sei geständig gewesen, was sich strafmildernd auswirke, heisst es in der Anklageschrift. Der Richter wollte von ihm wissen, ob er ausschliessen könne, dass es je wieder zu solchen Vorfällen kommen könne. Er antwortete: «Es kommt nie mehr vor.»

Zwei Raser-Verhandlungen

Heute werden am Kriminalgericht zwei Fälle von Temposündern behandelt. Ein 43-jähriger Schweizer ist im Juni 2013 in Eschenbach mit einem BMW 80 Stundenkilometer zu schnell gefahren. Erlaubt sind 80. Der Ausweis ist ihm auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Die Freiheitsstrafe lautet 18 Monate bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren und einer Busse von 1500 Franken. Er ist bereits mehrfach wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden.

Der zweite Autofahrer war letzten August in Inwil mit 167 Stundenkilometern statt der erlaubten 80 unterwegs. Er ist mehrfach wegen grober Verkehrsverletzung verzeigt worden, sein Führerausweis wurde ihm wiederholt entzogen. Dem 59-jährigen Aargauer wird eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten bedingt, bei einer Probezeit von 5 Jahren, auferlegt. Die Busse beträgt 2000 Franken. Die Urteile sind rechtskräftig.

Ausweisentzug auf unbestimmte Zeit

Die Vergehen der drei Automobilisten sind ähnlich, das Strafmass aber unterschiedlich. Derjenige, der am schnellsten gefahren ist, wird am wenigsten hart bestraft. Der Grund dafür: Der Mann ist bis dato nicht im Schweizerischen Strafregister verzeichnet. Die Ausweise wurden aber beiden im Kanton Luzern wohnhaften Männern auf unbestimmte Zeit entzogen.

«Die Mindestentzugsdauer beträgt bei ihnen zwei Jahre. Die Wiedererteilung ist abhängig vom Ablauf der zweijährigen Frist und von einem verkehrspsychologischen Gutachten, welches die Fahreignung bejaht», erklärt Peter Kieser, Dienststellenleiter beim Strassenverkehrsamt des Kantons Luzern. Dieses Vorgehen und die verfügte Massnahme würden dem Rasertatbestand gemäss Via sicura entsprechen.