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Luzerner Kriminalgericht: Bargast nach Streit mit Türsteher halbseitig gelähmt

Für die Staatsanwältin ist es schwere Körperverletzung, sie will den Sicherheitsmann für drei Jahre im Gefängnis sehen. Der Verteidiger fordert indes einen Freispruch.
Sandra Monika Ziegler

In einer Mainacht 2014 kam es vor der Bar 59 in der Industriestrasse in der Stadt Luzern zu einer Rangelei. Einer der letzten Gäste verliess das Lokal und legte sich lautstark mit dem Türsteher an. Der Gast war stark alkoholisiert und stand unter Drogen. Als er nach einer Flasche griff und gegen den Sicherheitsmann aufzog, setzte sich dieser zur Wehr.

Er habe den Bargast, der an der Verhandlung vom Freitag als Privatkläger auftrat, «am Boden fixiert», sagte der Türsteher vor Gericht und führte die Situation auch gleich vor. Er habe die Hand, in der der Mann das Glas hielt, gepackt, seinen Pfefferspray eingesetzt, dann den Mann auf den Boden gedrückt und die Hände auf dem Rücken fixiert. Dieser blieb liegen und rührte sich nicht mehr. Danach habe er sich einige Meter davon entfernt.

Gast musste notfallmässig operiert werden

Als die Richterin den Türsteher fragte, ob er sich erklären könne, warum sich der Mann nicht mehr bewegte, wusste er keine Antwort. Sie fragte auch, warum er keine Ambulanz gerufen habe. Darauf sagte der Angeklagte, dass die Polizei alarmiert wurde, und diese fünf Minuten später vor Ort gewesen sei. Damit habe sich die Sache für ihn erledigt. Für den Bargast war dies eine dramatische Wende in seinem damals 28-jährigen Leben.

Denn nachdem ihn die Polizei unsanft in den Wagen bugsierte und auf den Posten fuhr, attestierte der Amtsarzt eine halbseitige Lähmung. Der Mann musste notfallmässig operiert werden und wurde ins Paraplegikerzentrum nach Nottwil verlegt. Heute fünfeinhalb Jahre später kann er wieder gehen, ist aber nur noch zu 60 Prozent arbeitsfähig.

Staatsanwaltschaft und Privatkläger sind sich einig: Die halbseitige Lähmung ist «kausal und ursächlich» durch den Türsteher verursacht worden. Der 120-Kilogramm-Mann habe mit zu viel Energie den Bargast «fixiert». Beide plädieren auf eventualvorsätzliche, schwere Körperverletzung und Unterlassen der Nothilfe und fordern drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt.

Dem widerspricht der Verteidiger und fordert einen Freispruch, weil nicht einwandfrei erwiesen sei, wie es zur Verletzung kam. Denn, so der Verteidiger, es könnte auch der «unschöne» Abtransport der Auslöser gewesen sein. Das Urteil ist noch nicht eröffnet und wird schriftlich mitgeteilt.

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