Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KRIMINALGERICHT: Darum muss der Messerstecher hinter Gitter

Weil er am Luzerner Fest einen Mann schwer verletzt hat, muss ein Deutscher über vier Jahre ins Gefängnis. Überwachungskameras wurden ihm zum Verhängnis, wie das begründete Urteil zeigt.
Sandra Monika Ziegler
Ein Deutscher griff am Luzerner Fest 2011 eine andere Person mit dem Messer an und verletzte diese schwer. Nun muss der Täter hinter Gitter. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Ein Deutscher griff am Luzerner Fest 2011 eine andere Person mit dem Messer an und verletzte diese schwer. Nun muss der Täter hinter Gitter. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Das Luzerner Fest vom Jahr 2011 bleibt dem Verletzten in schlechter Erinnerung. Bei einer Schlägerei zückte ein Mann ein Messer und verletzte ihn lebensgefährlich mit mehreren Stichen. Der mutmassliche Täter – ein Deutscher mit Migrationshintergrund – wurde vom Luzerner Kriminalgericht im Juli zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt (wir berichteten). Es befand den Mann der eventualvorsätzlichen Tötung und des Raubes für schuldig. Nun liegt das begründete Urteil vor. Dagegen hat der 32-jährige Deutsche Berufung angemeldet.

Die Tat ereignete sich im Rahmen einer Schlägerei auf dem Luzerner Bahnhofplatz. In dieser Juninacht fand auch das Luzerner Fest statt, deshalb waren in den frühen Morgenstunden viele Leute unterwegs. Zeugen sagten aus, es wären an die 30 Personen in die Schlägerei verwickelt gewesen. Darunter auch der Beschuldigte und der Verletzte. Der Beschuldigte gab bei diversen Einvernahmen an, dass er nicht der Täter sei, dass es sich um eine Verwechslung handle und dass er sich «plötzlich und unverschuldet» inmitten einer Schlägerei befunden habe. Zudem sei er in der besagten Nacht alleine mit seiner Freundin unterwegs gewesen.

Videoaufnahmen belasten mutmasslichen Täter

Dem widerspricht das Kriminalgericht anhand der ausgewerteten Videoaufnahmen vom Bahnhofplatz und der Bilder der visuellen Dokumentation. Darauf sei zu sehen, wie der Beschuldigte ohne Anlass sich zielgerichtet auf die Schlägerei zubewegt. Und dass er sowie seine Freundin Bekannte auf dem Bahnhofplatz begrüsst hätten.

Auch die Aussagen der Hauptzeugen widersprechen der Version des Angeklagten. Sie konnten klare Angaben über das Signalement des Messerstechers machen und erkannten ihn bei einer Fotowahlkonfrontation wieder. Dabei wurden sechs Fotos von typähnlichen Männern inklusive des mutmasslichen Täters vorgelegt. Ebenso erkannten sie ihn bei der Konfrontations­einvernahme als den «Mann mit dem Messer». Alle Hauptzeugen erwähnten auch den «deutschen Akzent». Dies, so das Gericht, sei ein weiteres belastendes Indiz, da der Beschuldigte in Deutschland aufgewachsen ist und Hochdeutsch spricht.

Das Kriminalgericht geht deshalb davon aus, dass der Beschuldigte der Mann mit dem Messer war und während der Auseinandersetzung damit herumfuchtelte. Weitere Zeugenbefragungen ergaben, dass das Opfer und der mutmassliche Täter vor der Schlägerei heftig diskutierten. Der Wortwechsel sei in der Folge in Tätlichkeiten ausgeartet, bei denen dem Opfer sechsfach «unkontrolliert und kraftvoll» in den Rückenbereich gestochen wurde. Der Beschuldigte gab jedoch an, dass er keine Messerstecherei wahrgenommen habe. Auch könne er sich die Blutspuren des Opfers auf seinem Hemd nicht erklären.

Der Urteilsbegründung ist zu entnehmen, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht stringent sind. Zwar fehle ein «direkter Nachweis zur Täterschaft», so das Urteil. Doch die zahlreichen Indizien lassen auf den «rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter» schliessen. Daher sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Opfer mit sechs Messerstichen lebensgefährlich verletzt habe. Das Gericht geht von einer versuchten eventualvorsätzlichen Tötung aus. Das verwendete Messer hatte eine Klinge von mindestens 10 Zentimetern und sei damit «durchaus geeignet, den Tod des Betroffenen zu bewirken». Durch den grossen Blutverlust, den das Opfer erlitt, attestierten die Ärzte Lebensgefahr. Dass das Opfer überlebte, habe nur mit der nahe gelegenen Permanence und der dadurch sofortigen ärztlichen Versorgung zu tun, begründet das Kriminalgericht. Das Opfer kann seinen ursprüng­lichen Beruf nicht mehr ausüben und musste sich umschulen. Die Verteidigung plädierte im Falle einer Verurteilung auf einfache Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand.

Beschuldigter zieht Urteil weiter

Der Deutsche wurde auch für den Überfall auf die Denner-Filiale in Emmenbrücke, den er mit zwei Mittätern im Dezember 2011 verübt haben soll, schuldig gesprochen. Dabei wurde die Ange- stellte mit Messern bedroht und an einen Bürostuhl ge- fesselt. Die Beute betrug knapp 40 000 Franken. Seine Verteidigung legte gegen das Urteil Berufung ein. Der Fall muss nun vom Kantonsgericht neu beurteilt werden.

Sandra Monika Ziegler

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.