KRIMINALGERICHT: Kriminaltourist erhält drei Jahre

Weil er keine Arbeit hatte, finanzierte sich ein Albaner sein Leben mit Diebesgut aus Einbrüchen. Heute bereut er seine Taten.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen
Das Gebäude vom Luzerner Kriminalgericht von aussen. (Bild: Pius Amrein Neue LZ)

Das Gebäude vom Luzerner Kriminalgericht von aussen. (Bild: Pius Amrein Neue LZ)

Innerhalb von 18 Monaten ist ein 33-jähriger Albaner an 67 Einbruchdiebstählen in verschiedenen Kantonen beteiligt gewesen. Der Mann hat mehrere Straftaten mit einem Cousin, der sich bereits vorletzte Woche vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten musste, begangen (Ausgabe vom 18. Mai). Teilweise war der Beschuldigte mit anderen Mittätern unterwegs, mehrere Male agierte er alleine.

Über 300 000 Franken erbeutet

Bei den Straftaten wurden Bargeld, Schmuck und anderes Deliktsgut im Wert von 312 800 Franken gestohlen und Sachschaden in Höhe von 175 000 verursacht. Der Mann hat bei der Verhandlung im Kriminalgericht und auch bei den Untersuchungen sämtliche ihm vorgeworfenen Delikte gestanden.

Bei der Befragung sagte der Beschuldigte, er habe einen Fehler gemacht und werde nie mehr straffällig werden. Wenn er seine Strafe verbüsst habe, werde er in Albanien ein Baugeschäft eröffnen, und er wolle eine Familie gründen.

Der Mann reiste zwischen März 2013 und Oktober 2014 mehrmals in die Schweiz ein, mit dem Ziel, sich durch Diebstahl den Lebensunterhalt zu finanzieren. Dabei war er bei drei Deliktserien beteiligt. Im Juli und August 2013 war er im Kanton Wallis mit Komplizen aktiv, im Juli und August 2014 ebenfalls mit Mittätern in den Kantonen Luzern, Aargau, Bern und Schaffhausen, und im September 2014 verübte er im Kanton Baselland allein einige Straftaten.

Internationaler Haftbefehl

Die Taten konnten geklärt werden, weil der Mann Spuren an den Tatorten hinterliess, anderseits, weil er zur Klärung der Taten beigetragen hat, indem er diese gestanden hat. Der Kanton Wallis hat einen internationalen Haftbefehl ausgestellt. Prompt wurde der Mann am 18. Dezember 2014 in Deutschland festgenommen. Am 29. Januar 2015 wurde er an die Schweiz ausgeliefert. Seither befindet er sich in Untersuchungshaft beziehungsweise im vorzeitigen Strafvollzug.

Gegen Komplizen ausgesagt

Der Gerichtspräsident eröffnete das Urteilsdispositiv. Der Beschuldigte sei des mehrfachen bandenmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig. Dafür wurde der Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, wovon 18 Monate unbedingt vollzogen werden. Die Probezeit wurde auf vier Jahre festgelegt. Dem Beschuldigten werden 523 Tage Haft angerechnet, was bedeutet, dass er bald wieder auf freiem Fuss ist. «Auf den ersten Blick erscheint die Strafe recht mild, vor allem aufgrund der zahlreichen Delikte», bemerkte der Gerichtspräsident. Seine Begründung: «Weil der Mann sehr kooperativ war und auch gegen seine Komplizen aussagte, womit er die Untersuchungen sehr erleichterte, ist dies möglich.» Zudem habe er sich im Gefängnis tadellos geführt. Weil beide Parteien auf die Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

Roger Rüegger