Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

KRIMINALGERICHT LUZERN: Nur rasch überholen wollen: Kein Pardon für jungen Raser

Das Urteil gegen einen jungen Mann, der im letzten Jahr wegen krass überhöhter Geschwindigkeit verzeigt wurde, ist keine Überraschung. Zeigt es doch, wie kompromisslos heute gegen Raser vorgegangen wird. Eine Geldstrafe tut es nicht mehr.
Lena Berger
Justitia hat entschieden: Das Bundesgericht in Lausanne bestätigt das Urteil des Zuger Obergerichts gegen einen notorischen Kinderschänder. (Symbolbild Getty)

Justitia hat entschieden: Das Bundesgericht in Lausanne bestätigt das Urteil des Zuger Obergerichts gegen einen notorischen Kinderschänder. (Symbolbild Getty)

Eine Nacht im September letzten Jahres. Es geht auf Mitternacht zu. Ein junger Mann fährt mit seinem Subaru von Ufhusen in Richtung Huttwil. Nach einem heissen Tag ist es jetzt angenehm kühl. Und doch liegt in der Luft, dass sich der Sommer langsam dem Ende zuneigt. Es sind kaum noch Autos unterwegs.

Der Mann folgt mit seinem Auto der geraden Landstrasse. Die Fahrbahn ist trocken, es hat seit Tagen nicht geregnet. Auf der rechten Seite rauscht ein Bach, auf der linken Seite glänzt das Wiesland im Schein des Mondes, dann folgt der dunkle Wald. Doch der Mann hat keinen Blick für die nächtliche Magie der Landschaft. Er will nur noch nach Hause.

Da taucht vor ihm ein Wagen auf. Langsam schleicht er dahin, er fährt weit weniger als die 80 Kilometer in der Stunde, die eigentlich erlaubt wären. Kurz vor dem Gebiet Haushalden setzt der junge Mann deshalb zum Überholen an. Doch wie er beschleunigt, legt auch der Fahrer des vorderen Wagens einen Zahn zu. Um ihn einzuholen, tritt der Mann noch stärker aufs Gaspedal.

Der Tachometer zeigt mindestens 149 km/h an, als die Radarfalle zuschlägt. Zehn Minuten später wird er von der Polizei in seinem Wohnort festgenommen. Sein Auto wird beschlagnahmt. Die Nacht verbringt er auf dem Polizeiposten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, durch die «besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit» das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingegangen zu sein. Dass er den vorderen Wagen habe überholen wollen, rechtfertige sein Tun keineswegs. «Sein Verhalten war rücksichtslos und unnötig», schreibt die Staatsanwaltschaft in der Anklage.

Vor dem Kriminalgericht tritt der junge Mann, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, schüchtern auf. Die Situation ist ihm sichtlich unangenehm. Mit gesenkten Schultern ­sitzt er vor der Richterin auf der Anklagebank und knetet seine Hände.

Die Fragen der Richterin beantwortet er einsilbig. Während andere Beschuldigte teils vor Gericht in flammende Verteidigungsreden ausbrechen, verliert er nicht mehr Worte als nötig. Auf die Frage, wie er die Sache rückblickend betrachte, sagt er nur: «Dass es nicht schlau war.» Die Lehre, die er daraus gezogen hat, lautet: «Dass man gescheiter wartet, als zu überholen, auch wenn einer viel zu langsam fährt.» Auf das letzte Wort am Schluss der Verhandlung verzichtet er.

Die Gerichtsverhandlung dauert keine halbe Stunde. Das ist dem Umstand geschuldet, dass der junge Mann geständig ist. Er hat keinerlei Vorstrafen und hat bisher auch noch nie gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen. Das Verfahren wird daher abgekürzt, Vertei­digung und Staatsanwaltschaft haben sich vorgängig auf eine Strafe geeinigt. Daher ist auch das Urteil keine Überraschung. Und doch macht es deutlich, wie kompromisslos heute gegen Raser vorgegangen wird. Eine Geldstrafe tut es nicht mehr: Die Richterin verhängt eine bedingte Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren. Dazu kommt eine Busse von 3000 Franken.

Das Auto des jungen Mannes ist eingezogen und verkauft worden. Der Erlös von 12 000 Franken wird genutzt, um die Gerichts- und Verteidigungskosten von fast 6000 Franken zu bezahlen. Da bleibt nicht mehr viel, was der Mann zurückbekommt. Der Fahrausweis bleibt für mindestens zwei Jahre eingezogen. Zur Arbeit geht der Handwerker nun mit dem Velo.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.