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KRIMINALGERICHT: Mutmasslichem Drogenboss drohen 14 Jahre

Ein Albaner soll als Bandenchef mit 22 Kilogramm Kokain gehandelt haben. Komplizen haben ihn erst schwer belastet – um dann urplötzlich ihre Aussagen zurückzuziehen.
Roger Rüegger
Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Roger Rüegger

Der 38-jährige Mann aus Albanien ist im Herbst 2011 in die Schweiz eingereist. Bis August 2012 liess er laut der Luzerner Staatsanwaltschaft rund 22 Kilogramm Kokain in die Schweiz einführen und veräusserte es an diverse Abnehmer. Der Vater von zwei Kindern, die mit der Mutter in Albanien leben, reiste laut eigenen Angaben in die Schweiz, um zu arbeiten. Er habe Schulden in seiner Heimat. Der Mann sagte gestern vor dem Kriminalgericht, dass er Geld von Leuten geliehen habe, die dieses vehement zurückfordern. Er hat mehrere Narben von Schussverletzungen an Bauch und Hinterkopf. Woher diese stammen, kommentiert er nicht. Sie sind aber ein Hinweis dafür, dass er sich in einem Umfeld bewegt, in dem man nicht zimperlich mit Leuten umgeht, die sich etwas zu Schulden kommen lassen.

Mehrere Auslieferungsgesuche

Grund für seine Einreise in die Schweiz könnte auch sein, dass er in Albanien zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde – wegen Waffen- und Sprengstoffdelikten. Ausserdem liegt von Italien ein Auslieferungsantrag vor. Dort wurde er wegen Menschenhandels verurteilt.

Auch in der Schweiz besorgte er sich eine Faustfeuerwaffe. Er habe diese gekauft, weil es eine schöne Waffe sei. Auf sich getragen habe er sie nie. Illegal war es trotzdem. Neben Widerhandlung gegen das Waffengesetz musste er sich vor Gericht wegen Drogenhandels verantworten. In 19 Fällen wirft ihm die Anklage Vergehen mit Kokain vor. In einigen Fällen hat er rund hundert Gramm an verschiedenen Orten – hauptsächlich in Kriens – verkauft. Mehrere Male ging es um eines oder mehrere Kilo, die veräussert, angeliefert – oder für die Zahlungen geleistet wurden.

Mit 50 000 Euro nach Luxemburg

Unter anderem reiste der Beschuldigte mit einem Komplizen in einem Auto mit Schweizer Nummerschildern nach Luxemburg, wo sie zwei Männern 50 000 Euro übergaben. Dafür nahmen sie eine geringe Menge Kokain zur Probe entgegen. Die Anklage geht davon aus, dass das Geld eine Vorauszahlung für eine bevorstehende Lieferung war.

Die Luzerner Untersuchungsbehörden haben den Mann, der sich auf der höchsten Hierarchiestufe eines international tätigen Drogenrings befindet, seit Februar 2012 «intensiv observiert». Ziel der Überwachung waren auch andere mutmassliche Drogenhändler, vorwiegend albanischer Herkunft. Dabei wurden Telefonate abgehört, Audiodateien und Videomaterial erstellt. Anhand diesen konnten etliche Beweise verschiedener Delikte gesammelt werden. In diesem Zusammenhang wurden weitere Landsmänner des Beschuldigten, der sich im Herbst 2012 nach Belgien absetzte, festgenommen. Zwei von ihnen müssen sich demnächst ebenfalls vor dem Kriminalgericht verantworten. Diese und weitere Männer, die in die Kokaingeschäfte involviert waren, belasteten den Beschuldigten bei den Einvernehmungen massiv. Wohl in der Annahme, dass der Mann irgendwo in Europa untergetaucht ist und für die Behörden unauffindbar ist.

Familienmitglieder bedroht

Er wurde jedoch im Januar 2013 in Padua (I) festgenommen und im Februar 2013 an die Luzerner Polizei ausgeliefert. Bald haben sämtliche Leute, die belastende Aussagen gegen ihn tätigten, einen Rückzieher gemacht, indem sie ihre Belastungen dementierten. Offenbar wurden ihre Familienmitglieder von Familienangehörigen des Beschuldigten in Albanien bedroht. Es soll Morde, Mordversuche und Bombenanschläge mit Todesopfern gegeben haben.

Der Beschuldigte sei eine sehr dominante Person, sagt der Staatsanwalt: «Ich habe in den Jahren, in denen ich mich mit Drogenhändlern beschäftigte, nie jemanden erlebt, der derart Respekt geniesst, ja sogar Angst auslöst.» Das zeige sich auch in den Gefängnissen. Der Mann, der sich derzeit im vorzeitigen Strafvollzug befindet, würde jeweils innert kurzer Zeit in der Hierarchie der Insassen ganz nach oben steigen.

Sämtliche Vorwürfe bestritten

Bei den Untersuchungen bestritt der Beschuldigte sämtliche Punkte, die ihm im als Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt wurden. Er hielt vor dem Gericht daran fest. Er beschuldigte dafür den Staatsanwalt. Dieser habe ihn unter Druck gesetzt. «Er wollte mich zu einem Geständnis zwingen. Für Dinge, die ich nicht gemacht habe.» Er forderte eine Gegenüberstellung mit seinen Komplizen: «Wenn mir einer von denen auch nur ein Gramm anlastet, werde ich alles, was mir die Anklage vorwirft, gestehen.» Dies im Wissen, dass keiner von denen gegen ihn aussagen wird. Der Staatsanwalt beantragt eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Anwalt des Beschuldigten plädiert auf Freispruch. «Mein Mandant ist keine Bestie, die man wegsperren muss. Er ist aus Not in die Schweiz gekommen, weil er in Albanien Schulden hatte und diese mit hohen Zinsen zurückzahlen musste.» Bei einigen Vorfällen, die man ihm zur Last lege, sei er nur als Chauffeur dabei gewesen. Er habe nie gewusst, dass Drogen im Spiel waren. «Man will aus einem kleinen Fisch den Pablo Escobar der Schweiz machen.»

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