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KRIMINALGERICHT: Räuberpaar legt Berufung gegen Urteil ein

Für drei Raubüberfälle sind ein Mann und seine Ehefrau zu Freiheitsstrafen von 13 und 10 Jahren verurteilt worden. Die Verteidigung spricht von einer überrissen hohen Strafe.
Roger Rüegger
Kriminalgericht (Bild: Philipp Schmidli)

Kriminalgericht (Bild: Philipp Schmidli)

Ein Ehepaar ist vom Luzerner Kriminalgericht für Raub, Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruch, Zechprellerei und Widerhandlungen gegen das Waffen­gesetz zu jeweils hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der 45-jährige türkischstämmige Beschuldigte und seine 46-jährige deutsche Ehefrau haben innerhalb von 15 Monaten bei drei Raubüberfällen in den Kantonen Luzern und Zug rund 620 000 Franken erbeutet.

Bei ihren Taten sind die beiden laut der Staatsanwaltschaft Luzern «unnötig brutal vorgegangen», als sie ihre Opfer in deren Wohnungen, beziehungsweise in einem Geschäft, ausgeraubt haben (wir berichteten am 31. Januar). Der Mann wird vom Kriminalgericht zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und 9 Monaten, seine Frau zu 10 Jahren und 6 Monaten verurteilt.

Die beiden Beschuldigten haben ihre älteren Opfer laut Anklageschrift grausam behandelt, indem sie diese mit Kabelbindern und Klebeband fesselten und knebelten. Zudem sollen sie die wehrlosen Leute teilweise geschlagen und mit dem Tod bedroht haben. Bei den Taten habe das Räuberpaar besondere Gefährlichkeit offenbart, betonte die Staatsanwältin bei der Verhandlung Ende Januar.

Urteil milder als der Strafantrag der Anklage

Für die beschuldigte Frau beantragte die Staatsanwältin bei der Verhandlung eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Für den Mann 18 Jahre. Das Kriminalgericht bleibt mit seinem Urteil also mehr als 4 Jahre unter dem Strafantrag der Anklage. Jedoch fällt die Strafe sehr viel höher aus, als der Antrag der Verteidigung. Denn diese stufte die Taten des Ehepaares als weit weniger gravierend ein als die Staatsanwältin. Der Verteidiger des Beschuldigten beantragte eine Strafe von fünf Jahren. Und die Verteidigerin der Beschuldigten hielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten für ihre Mandantin für angemessen. An der Verhandlung bezeichnete der Verteidiger des Mannes den Strafantrag der Anklage als «absurd hoch».

So war es zu erwarten, dass die beiden Verteidiger gegen das Urteil der Kriminalrichter Be­rufung anmelden werden. Was dann auch geschah. «Ohne die Taten meines Mandanten beschönigen zu wollen – die Urteile sind ausgesprochen überrissen», teilte der Anwalt des Mannes auf Anfrage mit. Einerseits sei es juristisch gesehen nicht korrekt, dass sein Mandant zusätzlich zum Raub auch wegen Freiheitsberaubung verurteilt werde. Dieses Delikt sei für die Ausführung des Raubes so oder so notwendig gewesen und in der Bestrafung für den Raub bereits inkludiert, weshalb sein Mandant dafür nicht noch zusätzlich bestraft werden könne.

Auch dass andererseits strafschärfend ausgeführt werde, sein Mandant sei beim Raub besonders grausam vorgegangen, sei juristisch gesehen nicht korrekt. «Raub hat immer ein gewisses Mass an Brutalität an sich. Die strafrechtlich relevante Schwelle, einen Raub als besonders grausam einzustufen, liegt extrem hoch und ist hier nicht gegeben», beschreibt er seine Einwände. Zudem seien ähnliche Fälle in der Vergangenheit viel milder bestraft worden.

Auch die Verteidigerin der beschuldigten Frau meldet Berufung an: «Die Strafen sind unverhältnismässig hoch. Dass Freiheitsberaubung zusätzlich zum Raub beurteilt wird, hält aus juristischer Sicht nicht stand.» Die Staatsanwaltschaft wird keine Berufung anmelden, da das Gericht den Anträgen der Anklage mehrheitlich gefolgt ist.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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