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KRIMINALGERICHT: Sex mit Minderjähriger – 18 Monate Freiheitsstrafe

Ein Jahr lang hatten ein 20-Jähriger und eine 14-Jährige ein sexuelles Verhältnis. Weil die Polizei in einer anderen Angelegenheit bei dem Mann zu Hause auftauchte, kam die verbotene Liebesbeziehung ans Licht – und der Liebhaber in Haft.
Der Eingang zum Luzerner Kriminalgericht. (Symbolbild Pius Amrein (6. November 2014))

Der Eingang zum Luzerner Kriminalgericht. (Symbolbild Pius Amrein (6. November 2014))

Die Delikte des heute 23-jährigen Beschuldigten, der sich am Dienstagmorgen vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten musste, wiegen auf den ersten Blick schwer: Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Erwerb, Besitz und Konsum von Marihuana.

Beim Beweisverfahren eingangs der Verhandlung sagte der Mann, er bereue seine Taten. «Ich stehe zu dem, was ich getan habe. Und ich werde in Zukunft einen Ausweis verlangen, wenn ich mit einer Frau zusammen bin.»

Sein Verschulden war, dass er sich im Juli 2015 auf der Allmend in Luzern in eine 14-Jährige verliebte und mit ihr eine sexuelle Beziehung einging. Wer in der Schweiz mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft.

Widersprüchliche Aussagen

Derzeit befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Massnahmenvollzug in der Justizvollzugsanstalt Solothurn. Bei der Befragung durch die Richter gab er an, am Anfang nicht gewusst zu haben, wie alt das Mädchen sei. Ein Richter machte ihn darauf aufmerksam, dass er bei der Untersuchung angegeben habe, dass ihm ihr Alter sehr wohl bekannt war. In der Anklageschrift steht: «Dem Mann war bewusst, dass ihm aus diesem Grund der sexuelle Kontakt mit ihr verboten war.»

Der Beschuldigte und die Minderjährige führten ab dem 29. Juli 2015 während rund einem Jahr mit Unterbrüchen eine Liebesbeziehung. Während dieser Zeit ist es fast täglich zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten zwischen den Beiden gekommen, wie der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist.

Die Beziehung wurde laut Anklage durch Zufall aufgedeckt, weil am 1. September 2015 die Polizei aufgrund eines anderen Vorfalls beim Beschuldigten vorstellig wurde. Während des Gesprächs kam die junge Frau aus dem Schlafzimmer des Beschuldigten. Anhand der Situation und der Angaben der beiden musste davon ausgegangen werden, dass zwischen dem Paar ein sexuelles Verhältnis besteht. Der Beschuldigte wurde deshalb festgenommen und musste anschliessend zur Verbüssung einer Freiheitsstrafe in einer anderen Angelegenheit, für die der Termin bereits vorgängig feststand, in den Strafvollzug.

Unmittelbar nach seiner Entlassung am 20. September 2015 habe er die sexuellen Kontakte mit der Minderjährigen wieder aufgenommen, obwohl er gewusst habe, dass diesbezüglich ein Strafverfahren gegen ihn laufe. In der Zwischenzeit trennte sich der Beschuldigte, weil er in Thun mit einem anderen Mädchen (ebenfalls noch minderjährig) eine Beziehung eingehen wollte. Doch er fand zu seiner alten jungen Liebe zurück und führte die sexuellen Kontakte weiter – trotz mehrerer Einvernahmen durch die Untersuchungsbehörden.

«Den Tatbestand mehrfach erfüllt»

«Er blieb uneinsichtig, scherte sich nicht um gesetzliche Vorlagen, bis er aufgrund dieser Beziehung in Untersuchungshaft genommen wurde», führte der Staatsanwalt aus. Der Tatbestand der sexuellen Handlung mit Kindern habe der Beschuldigte mehrfach erfüllt.

Beim Strafantrag berücksichtigte die Anklage die Umstände des Beschuldigten. «Er ist mit einem Alkoholentzugssyndrom auf die Welt gekommen. Es fehlte ihm an Bezugspersonen und er leidet unter einer Persönlichkeitsstörung.» Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, davon ein Jahr unbedingt bei einer mittelschwer beeinträchtigten Schuldfähigkeit unter Anrechnung des bereits erstandenen Freiheitsentzuges.

Der Verteidiger machte sich in seinem Plädoyer für den Beschuldigten stark und betonte, eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Franken sei die maximale Strafe. Er beantragte, seinen Mandanten aus der stationären Massnahme in der Vollzugsanstalt zu entlassen.

Das Kriminalgericht tagte ebenfalls am Dienstag. Der Schuldspruch entsprach weder dem Anliegen der Staatsanwaltschaft noch der Verteidigung. Die Richter verurteilten den Beschuldigten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 300 Franken. Insgesamt verbüsste der 23-jährige Mann bis heute mehrere Haftstrafen von 598 Tagen für verschiedene Delikte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann von den Parteien angefochten werden.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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