Kriminalgericht

Überfall auf vier Tankstellenshops in Luzern und Emmen – Räuber wird zu drei Jahren und vier Monaten verurteilt

Bewaffnet mit einer CO2-Softair-Pistole hatte ein Italiener vier Tankstellenshops in Luzern und Emmen überfallen. Mit dem Geld finanziere er seine Wohnung, sagte er den Richtern.

Roger Rüegger
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Ein 36-jähriger Italiener hat in den nächsten Jahren reichlich Zeit, sich über seine Vergehen Gedanken zu machen. Er verübte mehrere bewaffnete Raubüberfälle auf Tankstellenshops. Bei einem war er sogar regelmässig Kunde.

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilt den in Luzern geborenen und auch aufgewachsenen Mann nun für mehrfachen Raub, räuberische Erpressung, mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie für das Lenken eines Fahrzeugs ohne Berechtigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Die 31 Tage Untersuchungshaft werden ihm angerechnet. Ausserdem wird er für die Dauer von sechs Jahren des Landes verwiesen.

Bei vier Raubüberfällen 21'000 Franken erbeutet

Der Mann hat laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft in der Zeitspanne vom 9. August 2016 bis 26. März 2017 vier Tankstellenshops in Luzern und Emmen überfallen. Dabei war er jeweils mit einer CO2-Softair-Pistole bewaffnet. Insgesamt hat er bei den vier Überfällen rund 21'000 Franken erbeutet. In drei Fällen war er alleine, bei einer Aktion begleitete ihn ein Mittäter, der ebenfalls eine CO2-Waffe dabei hatte.

Bei der Verhandlung am 11. Dezember gab der Beschuldigte als Beweggrund für die Raubüberfälle an, dass er dringend Geld benötigte. Die Taten habe er verübt, um die Miete für seine Wohnung zu bezahlen. Sein Mitbewohner sei ausgezogen und er habe nicht die Möglichkeit gehabt, allein für die Mietkosten aufzukommen.

Urteil milder als von der Anklage gefordert

Die Luzerner Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zudem zwölf Jahre Landesverweis. Das geforderte Strafmass erschütterte den Mann, der in Italien nach eigenen Aussagen nur noch wenige entfernte Verwandte hat, die er nicht oder nur flüchtig kenne.

«Ein Landesverweis wäre für mich eine Katastrophe», sagte er. Die Staatsanwältin hielt hingegen den Antrag für angemessen. Die kriminelle Energie wertete sie hoch: «Die Taten waren von langer Hand geplant, der Mann ging skrupellos vor und schüchterte die Angestellten mit der Waffe ein.» Die Softair-Pistolen seien nicht von echten Handfeuerwaffen zu unterscheiden und würden vor dem Gesetz auch als Waffe eingestuft. Zudem habe der Beschuldigte die Raubüberfälle erst nach einigem Zögern gestanden.

Der Verteidiger gab der Anklage grossmehrheitlich recht. Eine Freiheitsstrafe von Jahren fand er aber zu hoch, auch wenn sein Mandant den Tatbestand des Raubs erfüllt habe. Als angemessen betrachtete er 30 Monate, sechs davon unbedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Den Landesverweis wollte er auf keinen Fall. Sein Mandant habe keinen Bezug zu Italien. Das Urteil liegt im Dispositiv vor.

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