Luzerner Kriminalgericht verurteilt Taxifahrer für den Spezialservice mit Kokain zu 45 Monaten

Ein 59-jähriger Schweizer verkaufte laut Anklage Kokain an mehrere Abnehmer. Das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts ist höher als der Antrag der Staatsanwaltschaft.

Roger Rüegger
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An seiner Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht vom 16. Oktober wollte der 59-jährige Schweizer auf keinen Fall dabei sein. Der Richter wollte den Beschuldigten, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet, ans Gericht zuführen lassen. Dieser wehrte sich gegen den Transport jedoch mit Händen und Füssen, sodass der Mann nicht anwesend war.

Der Staatsanwalt warf dem bis zu seiner Festnahme als Taxifahrer beschäftigten Beschuldigten vor, im Zeitraum vom Januar 2016 bis Juni 2019 eine grosse Menge Kokain an verschiedene Abnehmer verkauft zu haben. Er beantragte für diesen Sonderservice eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten. Das Urteil des Kriminalgerichts, das im Dispositiv vorliegt, geht über das beantragte Strafmass hinaus. Eine Haftstrafe von 45 Monaten, unter Anrechnung von 479 Tagen bereits erstandenem Freiheitsentzug, wird dem Mann aus einer Luzerner Landgemeinde auferlegt.

«Mein Mandant würde auch fünf Jahre akzeptieren»

Der Beschuldigte dürfte sich mit dieser Strafe abfinden. Bei der Verhandlung führte sein Verteidiger aus, dass er sich mit seinem Mandanten telefonisch abgesprochen habe. Ein Freispruch werde nicht angestrebt, nur eine angemessene Strafe. Ein Strafmass nannte der Verteidiger. «Mein Mandant würde auch fünf Jahre akzeptieren.» Er sei schon am richtigen Ort, habe ihm der Taxifahrer anvertraut. In Freiheit würden nur Schulden und Probleme auf ihn warten. Allerdings ist der Verteidiger nicht einverstanden mit der Menge Kokain, welche der Staatsanwalt dem Beschuldigten anlastet.

In der Anklageschrift sind detaillierte Verkäufe an vier Männer aufgelistet. Auch gegen diese hat die Staatsanwaltschaft ermittelt. Sie haben alle ihre Strafbefehle anerkannt. Anhand deren Aussagen hat der Staatsanwalt den Handel von einer Menge Kokain zwischen 3675 Gramm und 7105 Gramm im Wert von 367'500 Franken bis 710'500 Franken errechnet. Den Gewinn beziffert die Anklage auf 73'500 Franken. Der Beschuldigte habe mit dem Drogenverkauf fast so viel verdient wie durch geregelte Arbeit.

Eine Menge Kokain von weit mehr als sieben Kilogramm

Auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten befanden sich laut Anklage 1179 Kontakte. Er soll mit mindestens 25 bis 30 Leuten Kontakt gehabt haben, denen er ebenfalls Drogen verkauft habe. Es sei unklar, wie lange vor dem Januar 2016 der Beschuldigte bereits Handel betrieben habe und wie viel Kokain er tatsächlich verkauft habe. Es sei davon auszugehen, dass es sich um eine Menge von weit mehr als sieben Kilogramm handeln dürfte.

Der Verteidiger liess dies an der Verhandlung nicht so stehen. «Die sieben Kilogramm sind nicht belegt. Einer der vier Männer sagte aus, er wisse nicht viel über den Taxifahrer. Nur dass dieser Kokain verkauft habe, wahrscheinlich viel. Das reicht nicht. Der Staatsanwalt kann nicht irgendwelche Quantitäten in den Raum stellen.» Auch wenn sich sein Mandant im Gefängnis wohl fühle und selbst wenn er eine hohe Freiheitsstrafe akzeptieren werde. «Die Resozialisierung muss unbedingt im Vordergrund stehen.»

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