Kriminalgericht: Wut, Rache und Kränkung veranlassten den «Feuerteufel von Reiden» zu Straftaten

Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte: Der deutsche Wiederholungstäter wird mit 5 Jahren Gefängnis und 12 Jahren Landesverweis bestraft.

Sandra Monika Ziegler
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Ein heute 38-jähriger Ostdeutscher musste sich vor dem Luzerner Kriminalgericht der mehrfachen Brandstiftung und Sachbeschädigung sowie der versuchten schweren Körperverletzung verantworten. Der Beschuldigte, der mit seinen Bränden in und um Reiden zum «Feuerteufel von Reiden» wurde, ist geständig. Bei der Verhaftung im Jahr 2019 gab er die ihm vorgeworfenen Taten zu. Er sitzt seit November 2019 im vorzeitigen Strafvollzug.

Dieses Migrolino-Geschäft zündete der Mann im Jahr 2012 in Reiden an.

Dieses Migrolino-Geschäft zündete der Mann im Jahr 2012 in Reiden an.

Luzerner Polizei

Ihm zur Last gelegt werden unter anderem sechs Brände und eine versuchte Brandstiftung. So fackelte er 2012 in der Luzerner Agglomeration einen Migrolino ab, legte Jahre später Feuer auf Werkarealen und zündete Baumaschinen an. Der Schaden wird auf über eine Million Franken geschätzt. An der Verhandlung zeigt sich ein ruhiger Mann, der die Fragen knapp und praktisch emotionslos beantwortet.

Haarprobe brachte «Feuerpause»

Die Taten, so der Beschuldigte, habe er ausschliesslich unter Alkoholeinfluss begangen. Das sei auch der Grund gewesen, warum zwischen dem Migrolino-Brand und den nächsten Bränden rund fünf Jahre verstrichen. «In dieser Zeit habe ich keinen Alkohol getrunken, darum geschah nichts. Ich wollte meinen Führerschein behalten und musste ja in Abständen eine Haarprobe abgeben, darum hab ich auch nichts mehr getrunken», erklärt er die «Feuerpause». Als er dann aber keine Haarprobe mehr habe abgeben müssen, habe er wieder mit Trinken angefangen und auch weitere Feuer gelegt.

Ein Gutachten attestiert ihm eine starke emotionale instabile Persönlichkeitsstörung und eine starke Alkoholabhängigkeit, trotzdem ist er laut Gutachter «vollumfänglich fähig zur Einsicht in das Unrecht der vorgeworfenen Taten», es lasse sich keine relevante verminderte Schuldfähigkeit daraus ableiten.

Alkohol liess ihn ausrasten

«Und wie sieht es aktuell aus mit dem Alkoholkonsum», wollte die Richterin wissen. «Im Vollzug war es nur die ersten Tage hart, dann ging es», erklärt der Mann. Seine jetzige Abstinenz habe er ohne Medikamente und dank seinem starken Willen geschafft. In der Therapie werde immer wieder darüber gesprochen, das sei wichtig: «Ich muss immer wieder darüber sprechen, damit in meinem Kopf bleibt, dass es ohne Alkohol gehen muss.» Seine Motive waren Wut, Enttäuschung und Rache. Sobald er getrunken hatte, kamen diese Gefühle hoch und er schritt zur Tat.

So auch nach einem alkoholgetränkten Abend mit einem Saufkumpanen. Als dieser sich übergeben musste und der Beschuldigte das verhindern wollte, geriet die Situation ausser Kontrolle; der Beschuldigte verlor seine Beherrschung. Er schlug einer Flasche den Hals ab und griff damit seinen Kumpel an. Selbst als dieser am Boden lag, traktierte er ihn gegen Brust und Kopf mit mehreren Fusstritten. Das Opfer erlitt dabei eine Nasenfraktur und Hämatome im Gesicht, aber keinen bleibenden Schaden.

Jobangebot in Deutschland

Auch eine Raserfahrt im August 2018 verübte er mit über 2,4 Promille. Er raste ausserorts 80 Stundenkilometer über dem Limit und innerorts gar 102 Stundenkilometer zu schnell. Es kam zur Kollision mit zwei Bäumen und einem Beleuchtungskandelaber. Dem Auto wurde die rechte Fahrzeugseite, die Vorderachse und der Motorblock abgerissen. Der Beschuldigte kam mit Prellungen und Schürfungen davon.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, der bereits einschlägig Vorbestrafte muss ins Gefängnis und aus dem Land. Das akzeptiert der Mann. Seine Zukunft sieht er in seiner Heimat Deutschland. Dort habe er bereits ein Jobangebot und zeigt sich zuversichtlich: «Das ist nicht einfach für jemanden, der aus dem Gefängnis kommt.»

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann fünf Jahre Haft und einen Landesverweis von 12 Jahren. Dem folgte das Luzerner Kriminalgericht, das Urteil ist rechtskräftig.