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KRIMINALITÄT: Internet: Täter bleiben im Dunkeln

Wirtschaftsverbrechen beschäftigen die Luzerner Staatsanwaltschaft immer stärker. Gleiches gilt für Delikte im Netz. Doch die Hauptschuldigen sind praktisch nicht zu finden.
Kilian Küttel
Die Luzerner Staatsanwaltschaft rückt die Internetkriminalität in den Fokus. (Bild: Getty)

Die Luzerner Staatsanwaltschaft rückt die Internetkriminalität in den Fokus. (Bild: Getty)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Der chinesische General Sunzi sagte es einmal so: «Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden.» Diese Aussage stammt aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus, gilt aber heute noch. Jedenfalls wenn man sich die Situation der Luzerner Staatsanwaltschaft vor Augen führt. Denn diese kämpft immer öfter gegen einen unbekannten Gegner. Auf einem Feld, das grösste Anonymität bietet: dem Internet.

Am Mittwoch präsentierten Oberstaatsanwalt Daniel Burri, und Guido Emmenegger, Leiter der Zentralen Dienste, die Jahreszahlen der Luzerner Staatsanwaltschaft (siehe Kasten). Unabhängig von der Statistik zeigt sich: Bei den Strafverfolgungsbehörden sind Fälle von Internetkriminalität stärker im Fokus. Zwar ist der Begriff Niederlage zu hoch gegriffen, dennoch macht den Luzerner Strafverfolgungsbehörden eine neue Deliktsart besonders zu schaffen: das sogenannte Love Scamming. «Dabei versuchen Täter über das Internet eine Liebesbeziehung zu ihrem Opfer aufzubauen», erklärte gestern Oberstaatsanwalt Burri. Mit dem Ziel, dass das Opfer seine neue Liebe finanziell unterstützt. Burri nannte einen Fall aus Luzern, bei dem eine Person einem vermeintlichen Verehrer mehrere Hunderttausend Franken überwiesen hat.

Behörden sind im Darknet aufgeschmissen

Die Luzerner Staatsanwaltschaft beschäftigt zwar zwei Spezialisten für Cyberkriminalität, doch die Täter sind praktisch nicht ausfindig zu machen. Das Problem: Häufig schalten sie Strohmänner ein, über deren Konti sie die Transaktionen abwickeln. Burri: «Wir sprechen in diesem Fall von sogenannten Money Mules, also Geldeseln.» Diese stellen ihr Konto für die Überweisung zur Verfügung. Zwar machen sie sich so mitunter der Geldwäscherei schuldig, kassieren gleichzeitig aber eine Provision des richtigen Täters. «Selbst das Verfolgen der Geldspur führt häufig nur zu drittbeteiltigten Personen, die sich im Ausland aufhalten und in der Schweiz nicht zur Rechenschaft gezogen werden können», so Burri.

Ein Ort, an dem Cyberkriminalität immer mehr gedeiht, ist das Darknekt – also der versteckte Teil des Internets. Obwohl «Love Scamming» im normalen Internet stattfindet und das Phänomen Darknet noch nicht stark ausgeprägt ist, stellt es die Strafverfolgungsbehörden landesweit vor Herausforderungen. Otto Hostettler ist Journalist beim «Beobachter» und Autor des Buchs «Darknet, die Schattenwelt des Internets». Während seinen Recherchen kam er zum Schluss, dass die Behörden mitunter aufgeschmissen sind, wenn es um Verbrechen im Darknet geht. Ein Grund sei die föderalistische Struktur der Schweiz: «Die Justiz ist Sache der Kantone. So müht sich jeder Kanton ein bisschen selber ab. Bei Cybercrime-Delikten ist diese föderalistische Struktur aber wenig effizient und nicht mehr zeitgemäss», sagt Hostettler. Internetkriminelle arbeiten weltweit, Länder- oder Kantonsgrenzen gelten wenig. Auf die Situation in Luzern angesprochen, sagt Burri: «Wir sind auch in diesem Bereich nicht untätig.» Bevor die Staatsanwaltschaft intervenieren könne, brauche es aber einen begründeten Vorverdacht, der auf Vorermittlungen der Polizei basiere: «Diese wiederum braucht Zeit und Ressourcen, die wir derzeit nicht haben.»

Konkursreiterei ist auf dem Vormarsch

Nicht nur Internetverbrecher sind auf dem Vormarsch. Gleiches gilt für Wirtschaftskriminelle. Aktuelles Beispiel ist die «Konkursreiterei». Dabei übergeben Unternehmer, die kurz vor dem Konkurs stehen, ihre Firma an einen sogenannten Bestatter. Dieser ändert den Firmennamen, verlegt das Domizil in einen anderen Kanton und erhält einen leeren Betreibungsregisterauszug. Er behält also vorderhand seine Glaubwürdigkeit. Am neuen Ort missbraucht der Täter diese für Leasing-, Bestellungs- oder Sozialversicherungsbetrüge. Burri nannte das Beispiel eines Täters, der im grossen Stil Luxemburgerli bestellte, diese verkaufte, die Ware aber niemals bezahlte. Der wirtschaftliche Schaden eines Vergehens zu Lasten eines betroffenen Unternehmens könne in Millionenhöhe steigen.

Derzeit befasst sich die neue Abteilung für Wirtschaftsdelikte mit zwei solcher Fälle. «Konkursreiterei ist ein schweizweites Phänomen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch wir noch mehr Fälle davon auf dem Tisch haben», so Burri. Deshalb müssten die Behörden über den Kanton hinaus zusammenspannen.

Insgesamt ist Daniel Burri zufrieden mit der Arbeit der Abteilung Wirtschaftsdelikte. Diese hat letztes Jahr von 276 eingegangenen Fällen 140 bearbeitet. Und auch wenn es immer schwieriger werde, die Täter dingfest zu machen, ist Burri überzeugt: «Die neue Abteilung ist enorm wichtig. Wir haben auch einen präventiven Auftrag. Unter den Tätern spricht sich herum, dass wir nicht untätig sind. Das schreckt sie ab.» Sunzi sagte es vor 2500 Jahren übrigens ähnlich: «Denn in hundert Schlachten hundert Siege zu erringen ist nicht der Inbegriff des Könnens. Der Inbegriff des Könnens ist, den Feind ohne Gefecht zu unterwerfen.»

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