Kriminaltouristen räumten gross ab – einer will von Einbrüchen nichts gewusst haben

Ein Liebespaar und ein Jugendlicher werden beschuldigt, zwölf Einbrüche verübt haben. Der Staatsanwalt beantragte am Luzerner Kriminalgericht für die Erwachsenen Freiheitsstrafen bis zu dreieinhalb Jahren. Die Verteidigung hingegen hält Geldstrafen und bedingte Haft für angemessen.

Roger Rüegger
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Ein verliebter vierfacher Familienvater und seine Freundin sollen in der Schweiz Einbruchdiebstähle verübt haben. Die beiden serbischen Staatsbürger sowie der 17-jährige Bruder der Frau wurden am 16. November 2017 in Zusammenhang eines Einbruchs in Malters festgenommen. Die Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht fand am Dienstag ohne die zwei Beschuldigten statt.

Der Staatsanwalt bediente sich bei der Beschreibung der Taten eines Zitats Hemingways, dass nur ein Achtel eines Eisbergs über dem Wasser erkennbar sei. «Die Beschuldigten sind in die Schweiz eingereist, um gewerbs- und bandenmässig Einbrüche zu begehen. Sie sind mit allen Wassern gewaschene Kriminaltouristen, die jegliche Form von legaler Arbeit scheuen.» Er habe einzig Delikte zur Anklage gebracht, bei denen Signale der Smartphones und Spuren an den Tatorten darauf hindeuteten, dass die Beschuldigten vor Ort waren. Etliche andere Einbrüche habe man ihnen nicht eindeutig zuordnen können.

Zwölf Einbrüche in sieben Kantonen

Die 31-jährige Frau und ihr damaliger Geliebter werden beschuldigt, zwischen 24. August (Giswil) bis 16. November 2017 (Malters) zwölf Einbruchdiebstähle in den Kantonen Luzern, Obwalden, Schwyz, Aargau, Bern, St.Gallen und Graubünden verübt zu haben. Insgesamt wurden 83'000 Franken Bargeld, 170 Uhren sowie Schmuck erbeutet. Bis auf das Delikt in Malters, welches sie auch nur zum Teil zugegeben hatte, stritt die zweifache Mutter alles ab. «Die Taten zeugen von hoher krimineller Energie. Die Frau ist einschlägig vorbestraft, doch sie gab sich als Unschuldslamm. Bei Befragungen waren immer die anderen Täter. Das Verschulden wiegt schwer», so der Staatsanwalt. Sein Antrag: Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. «Es spricht nichts zu ihren Gunsten, sie verhielt sich aggressiv und löste sogar einen Brandalarm aus.»

Der 36-jährige Beschuldigte war laut Anklage ebenfalls nicht kooperativ. Auch er gab nur ein Teilgeständnis für die Tat in Malters ab, wo Wertsachen und Geld im Wert von 17'000 Franken entwendet wurden. Der Staatsanwalt forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren. Der Verteidiger zeichnete das Bild des Blindverliebten. Der Mann habe geglaubt, die Beschuldigte sei die Liebe seines Lebens. Er sei in die Schweiz gereist, um mit ihr eine schöne Zeit zu verbringen.

Bei einigen Taten, die ihm zur Last gelegt werden, habe er sich nicht in der Schweiz aufgehalten, sondern in Deutschland, wo seine Frau und die Kinder leben. Warum wurden in der Nähe von mehreren Tatorten Signale seines Smartphones geortet? Der Verteidiger: «Er liess sein Handy bei seiner Geliebten in der Schweiz.» Es sei üblich, dass man Familie und Freunde mit seinem Smartphone telefonieren lasse.

«Der Beschuldigte ist ein offener, ehrlicher und fröhlicher Mensch»

Seinem Mandanten mache es zu schaffen, dass die Anklage Fälle konstruiere und ihn beschuldige. «Bis zur Tat in Malters wusste er nichts von Einbrüchen in den Gebäuden, die sie besuchten. Er wartete stets im Auto. Erst als die Frau und ihr Bruder ihn aufforderten, beim Hinaustragen des Tresors zu helfen, bemerkte er, was vorging. Er ist ein offener, ehrlicher und fröhlicher Mensch.» Der Verteidiger wollte für einfache Gehilfenschaft eine Strafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Franken.

Der Verteidiger der Frau stellte in Frage, ob der Eisberg nicht eher eine Scholle sei. Er forderte eine bedingte Strafe für zwei Taten, bei denen sie beteiligt gewesen sei: «Das Deliktsgut und die Einbruchswerkzeuge, die in ihrem Auto und in einer angemieteten Wohnung in Luzern gefunden wurden, beweisen nicht, dass sie die Einbrüche verübte.» Sie komme aus schwierigen Verhältnissen, brauche Geld für die Kinder und für Medikamente ihrer Mutter. Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.