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Krisengemeinde Wikon: Neues Personal und neue Mentalität

Wikon schrammte knapp an der Aufgabe der Selbstverwaltung vorbei. Die Gemeindepräsidentin verrät die Rezepte für den Wiederaufbau.
Alexander von Däniken
Das Gemeindehaus von Wikon: Hier soll sich einiges ändern. (Bild: Dominik Wunderli, 15. November 2018)

Das Gemeindehaus von Wikon: Hier soll sich einiges ändern. (Bild: Dominik Wunderli, 15. November 2018)

Es ist keine Übertreibung, bei Wikon von einer Problemgemeinde zu sprechen. Das Beratungsunternehmen BDO schrieb in einer Analyse von mangelhafter Führungsverantwortung, fehlendem Know-how auf der Bauverwaltung und zwischenmenschlichen Problemen. Die Analyse hat der Gemeinderat für 20'000 Franken in Auftrag gegeben. Im Gegenzug erhielt er 45 Massnahmen, um die Situation zu verbessern.

Nun erklärt Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (CVP), wie der Gemeinderat aus der Krise kommen will: «Wir haben unsere Verwaltung in vier Bereiche aufgeteilt. Das klingt für viele Gemeinden normal, ist für Wikon aber historisch gesehen neu.» Zweitens hat der Gemeinderat entschieden, die Bauverwaltung in Wikon zu behalten. Zwar habe man mit verschiedenen Nachbargemeinden über ein regionales Bauamt gesprochen, sagt Tschuor. «Aber uns ist wichtig, dass die Einwohner vor Ort eine kompetente Ansprechperson haben.»

Neue Bauchefin vertritt auch Gemeindeschreiberin

Das Ressort Bau und Infrastruktur wird ab 1. September Doris Fischer leiten. Sie wird zugleich Substitutin der neuen Gemeindeschreiberin Martina Winiger. Diese beginnt am 1. Dezember und löst Andreas Kalt ab, der als externer «Troubleshooter», wie es Tschuor nennt, die Stelle ad interim wahrgenommen hat. Auch der Bereich Finanzen und Strukturen wird reorganisiert: Am 1. September übernimmt Silvan Gilgen die Leitung. Tschuor:

«Damit werden in den drei wichtigsten Bereichen die Schlüsselpositionen neu besetzt.»

Alle drei Neuzugänge werden in einem 100-Prozent-Pensum angestellt. Damit wird laut der Gemeindepräsidentin der von der BDO bemängelte Personalbedarf zumindest fürs Erste gedeckt.

Doch neues Personal macht noch keine neue Gemeinde. Das weiss auch der Gemeinderat. «Darum haben wir an den vielen Sitzungen beschlossen, dass die Trennung zwischen strategischer und operativer Arbeit viel klarer sein muss: Der Gemeinderat ist nur noch für strategische Belange zuständig, die Verwaltung für operative.» Das dürfte für die Gemeinderäte Pensumsreduktionen mit sich ziehen – in welcher Höhe, ist noch unklar. Zumindest Michaela Tschuor dürfte erleichtert sein, schliesslich ist sie zu 30 Prozent angestellt, arbeitet aber seit Monaten in einem doppelt so hohen Pensum.

Ausserordentliche Gemeindeversammlung

Die Verwaltung wird also gestärkt, die Aufgaben des Gemeinderats werden abgespeckt. Daraus einen Wechsel des Verwaltungsmodells, etwa Richtung Gemeindeführermodell, zu deuten, wäre falsch: «Das wird nächstes Jahr ein Thema sein. Vorrangig ging es darum, den Fortbestand der Gemeinde zu sichern.» Denn laut Tschuor ist Wikon nur knapp an einer Fremdverwaltung durch den Kanton vorbeigeschrammt. «Nun bin ich aber zuversichtlich, dass wir für die Gemeinderatswahlen im nächsten Jahr Bedingen geschaffen haben, die für interessierte Amtsanwärter auch annehmbar und tragbar sind.»

Die Kosten der ersten Reorganisationsphase sind noch nicht bekannt. «Die Stelleninserate, Rekrutierungsprozesse und das Einrichten der Arbeitsplätze werden das Budget sicher übertreffen», sagt Tschuor. Darum wird auf den 26. September eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen, an der die Stimmbürger über die zusätzlichen Kosten befinden können.

Die Parteien haben laut der Gemeindepräsidentin in bilateralen Gesprächen positiv auf die Pläne reagiert, mahnten aber zur Vorsicht, was die künftigen Verwaltungskosten betrifft.

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