Kritik an Sagenmatt-Projekt und Botschaft: Jetzt kontert der Ebikoner Gemeinderat

Bauvorsteher Hans Peter Bienz ist vom «aggressiven Stil» der Gegner der Überbauung überrascht. Er stellt einige ihrer Behauptungen klar und ist überzeugt, dass die Gemeinde bei der Botschaft alles richtig gemacht hat.

Roman Hodel
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Die IG «bauen statt klotzen» lässt kein gutes Haar am Bebauungsplan Sagenmatt, dank welchem auf dem ehemaligen Amag-Areal eine Überbauung mit 241 Wohnungen entstehen soll: «zu hoch und zu wuchtig». Provokative Plakate mit bedrohlichen, schwarzen Wohnklötzen sollen die Ebikoner am 27. September an der Urne zu einem Nein bewegen. Doch damit nicht genug: Der Gemeinderat bevorzuge Grossinvestoren und habe seine Botschaft zur Abstimmung geschönt, in dem er etwa wichtige Infos in der Kurzversion unterschlage. Deswegen ist beim Regierungsrat gar eine Stimmrechtsbeschwerde hängig (wir berichteten).

Ebikons Bauvorsteher Hans Peter Bienz (parteilos) ist überrascht vom «aggressiven Stil» der Gegner, von den «Falschaussagen», die verbreitet werden. «Es stimmt nicht, dass die Grossen in Ebikon eine Sonderbehandlung erfahren», sagt er. Ein Bebauungsplan sei im Unterschied zu regulären Baugesuchen ein öffentlich-rechtliches Planungsinstrument, das mehr Möglichkeiten biete, aber auch mehr Pflichten bedeute. Bienz sagt:

«Diese beiden Dinge werden von den Gegnern vermischt und aus dem Kontext gerissen.»

Dass Verdichtung ohne Bebauungsplan momentan nicht möglich sei, stimme zwar, doch mit der dafür nötigen Revision des Bau- und Zonenreglements gehe es vorwärts: Die öffentliche Auflage sei im nächsten Frühling geplant.

Die Häuser werden maximal 26 Meter hoch

Weil es sich um einen Bebauungsplan handelt, sind laut Bienz grössere Gebäudevolumen möglich als etwa im Masterplan, welcher als orientierendes Planungsinstrument dient. Überhaupt die Höhen: Es ist auch ein Kritikpunkt der Gegner; insbesondere, weil die Angaben in der Kurzversion der Botschaft optisch nicht lesbar sind und die Angabe in Meter über Meer vielen Leuten nicht wirklich weiterhilft. «Die Angabe der Höhenkoten entspricht den gesetzlichen Bestimmungen und der Harmonisierung der Baubegriffe», sagt Bienz und liefert die Höhen nach: Demnach sind die Gebäude im Regelbau (fünf Etagen) zirka 16,5 Meter hoch und bei den Aufbauten (acht Etagen) zirka 26 Meter. Die höchsten Nachbarhäuser messen 22 Meter (wobei hier Aufbauten nicht eingerechnet sind).

Hier eine Ansicht der Siedlung von der Luzernerstrasse her, links die Höhe des Regelgeschosses (fünf Etagen), rechts mit Aufbau (acht Etagen):

Visualisierung: PD

An der Orientierungsversammlung liess Bienz zudem eine Kamera über das ausgestellte Modell der Siedlung fliegen, um anhand von Perspektiven die effektiven Höhenverhältnisse an die Wand zu projizieren. Er sagt: «Das hat für Klärung gesorgt.»

Bienz ist «sehr irritiert», dass die Gegner erst jetzt kurz vor der Abstimmung auftreten: «Es gab beispielsweise 2018 eine öffentliche Mitwirkung zum Richtprojekt – da war von ihnen nichts zu hören.» Zur Stimmrechtsbeschwerde will sich Bienz aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äussern, ergänzt aber:

«Aus unserer Sicht ist mit dem Versand und Inhalt der Botschaft alles korrekt gelaufen. Es ist bedauerlich, dass die Gegner mit diesem Vorgehen zusätzlich Zweifel und Unsicherheiten verbreiten.»

Die Moyreal Immobilien betont derweil, wie gross das Interesse an der Sagenmatt ist: Laut Projektleiter Christian Grewe haben sich bereits 350 Interessenten für die Wohnungen angemeldet: «Vor allem das Interesse an den 67 Eigentumswohnungen ist gross – und zwar von Ebikonern.» Auch den Vorwurf, es seien primär Kleinwohnungen geplant, lässt er nicht gelten: Von den 241 Wohnungen zählten 62 Prozent drei Zimmer und mehr. Punkto Höhe orientiere man sich an den Nachbarhäusern und habe dazu sowohl die Zustimmung von der Gemeinde als auch vom Kanton erhalten.

Hier das Höhenprofil der Siedlung von der Luzernerstrasse her, links und rechts sind Nachbarbauten ersichtlich:

Visualisierung: PD

Und die Gebäudelänge? «Dank der mäanderartigen Form schaffen wir attraktive Aussenräume mit dem renaturierten Bach», so Grewe.

Visualisierung: PD

Überdies habe man die Anwohner 2017 extra zu einem Gespräch eingeladen. «Als Folge davon haben wir etwa die Tiefgaragenzufahrt umplatziert», sagt Grewe und fügt an: «Uns vorzuwerfen, wir würden hier einfach planen, ohne die Leute zu informieren, ist einfach unwahr.»

Fast alle Parteien empfehlen ein Ja

Die FDP empfiehlt den Stimmberechtigten ein Ja. «Verdichten muss man, wenn schon, dann hier im Zentrum. Zudem gibt es viele Eigentumswohnungen, was in Ebikon Mangelware ist», sagt Präsident René Friedrich. Auch die CVP empfiehlt ein Ja, wie Co-Präsident Alex Fischer sagt: «Das Projekt ist insgesamt zu gut, um es abzulehnen – auch wenn wir betreffend Höhe und Gebäudelänge nicht ganz glücklich sind.» Als ebenfalls «zu gross dimensioniert» beurteilt die GLP das Projekt, dennoch hält sie es unter anderem wegen der «qualitätsvollen Bauweise» für unterstützungswürdig und empfiehlt ein «Ja, aber». Ebenfalls ein «Ja, aber» gibt's von der SP. Deren Präsident Thomas Aregger lobt etwa das Mobilitätskonzept, bedauert jedoch, «dass nicht mehr Familienwohnungen realisiert werden». Die SVP hat als einzige Partei Stimmfreigabe beschlossen. (hor)

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