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Kritiker von Krienser Spitex-Leiter verschicken Flugblatt 48'000 Mal

Hannes Koch steht in der Kritik, nachdem die Spitex die Dienstleistung für einen schwer Pflegebedürftigen gekündigt hat. Jetzt gehen dessen Angehörige gegen den Spitex-CEO vor, der auch Kantonsrat ist: Mit einem Flugblatt fordern sie die Abwahl des Grünen.
Kilian Küttel
Happige Vorwürfe: Mit diesem Flugblatt wollen Angehörige und Mediziner eines ehemaligen Patienten der Spitex Kriens um CEO Hannes Koch dessen Wiederwahl als Kantonsrat verhindern.

Happige Vorwürfe: Mit diesem Flugblatt wollen Angehörige und Mediziner eines ehemaligen Patienten der Spitex Kriens um CEO Hannes Koch dessen Wiederwahl als Kantonsrat verhindern.

Ein gelbes Flugblatt flattert dieser Tage in die Briefkästen der Stimmbürger aus dem Wahlkreis Luzern-Land. Dicke Post ist das – vor allem für einen: «Wählen Sie Hannes Koch, Liste 1, Luzern-Land nicht in den Kantonsrat!», heisst es prominent im Schreiben, das 48'000-mal verschickt worden ist. Eine Aktion mit Vorgeschichte: Die Krienser Spitex um CEO Hannes Koch hat unlängst negative Schlagzeilen gemacht, weil sie die Pflegeleistung für einen Krienser gekündigt hat. Zudem hat sie eine Gefährdungsmeldung bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) geprüft. In den Fokus gerieten die Schwester des schwer Pflegebedürftigen sowie dessen Schwager («Zentralschweiz am Sonntag» vom 10. März). Dabei stellte die Kesb fest, dass vom Ehepaar keine Gefahr ausgehe und empfahl, die Spitex solle die Pflege weiterführen.

Die Eheleute heissen Barbara Schoch und Giles Morf. Nach einem Hirntumor vor 18 Jahren kümmert sich das Ehepaar um den heute 60-Jährigen. Bislang unterstützt von der Spitex, jetzt nicht mehr: «Vor sieben Wochen wurde ich im Stich gelassen, seither kümmere ich mich alleine um meinen Bruder», sagt Barbara Schoch auf Anfrage.

Der Entscheid trifft das Ehepaar offenbar so hart, dass es politisch aktiv wird. Denn das Flugblatt stammt aus der Feder des Ehepaars Schoch/Morf, die am Ende des Schreibens als Verfasser auftreten. Weiter sind der Therapeut, der Osteopath und der Hausarzt von Schochs Bruder aufgeführt. Beim Hausarzt handelt es sich um Peter Mattmann, ehemaliges Mitglied der politischen Bewegung Chance-21. Die Fronten zwischen den Parteien sind verhärtet. Auf der einen Seite die Angehörigen und Mediziner des 60-jährigen Kriensers, auf der anderen Hannes Koch. Dieser musste sich im konkreten Fall Vorwürfe der «Inkompetenz» und «Fahrlässigkeit» gefallen lassen.

Nun kommt also noch eine politische Komponente hinzu. Dass das Flugblatt just einen Tag nach Bekanntwerden des Falls in den Medien verschickt wurde, ist laut Schoch Zufall. Trotzdem drängt sich die Frage auf: Ist es eine Retourkutsche für die Kündigung? Peter Mattmann will davon nichts wissen:

«Das ist kein Rachefeldzug. Mit dem Flugblatt nehmen wir unsere Bürgerpflicht wahr. Ein Mann wie Hannes Koch gehört nicht in den Luzerner Kantonsrat.»

Das unterstreichen die Urheber im Schreiben etliche Male. Aus ihrer Sicht hat sich Koch klar falsch verhalten. Und diesem Unmut machen sich die Beteiligten Luft – in aller Deutlichkeit. Im Flugblatt ist die Rede von einer «unbegründeten und missbräuchlichen Kündigung», von der Anmassung von ungerechtfertigten «medizinischen Entscheidungs- und Verordnungskompetenzen» sowie Unfähigkeit «zur Kommunikation, zur konstruktiven Konfliktlösung und zu einer entsprechenden Teamführung.» Weiter heisst es, Koch habe «die kantonale Gesetzgebung missachtet»: «Es ist ungerecht, Bürger zu zwingen, ihre Rechte über den Richter erkämpfen zu müssen.»

Dass ein Politiker öffentlich kritisiert wird, liegt in der Natur der Sache. Doch selten wird die Kritik so dezidiert geäussert und zielt so sehr auf die Person ab. Auf die Frage, ob die Verfasser mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, antworten Peter Mattmann und Barbara Schoch unisono, man könne sämtliche Anschuldigungen belegen. Mattmann weiter: «In den Kantonsrat gehören die geeigneten Mitglieder, die besten Volksvertreter. Das trifft auf die Person von Hannes Koch schlicht nicht zu. Sein Verhalten ist mit der Ausübung eines politischen Amtes nicht vereinbar.» Und Barbara Schoch fügt an: «Es geht uns nur um ihn, nicht aber um seine Partei. Deshalb haben wir die Grünen auch nicht erwähnt.»

Koch nimmt Stellung – und sagt nicht viel

Hannes Koch (Bild: PD)

Hannes Koch (Bild: PD)

Hannes Koch ist 45 Jahre alt, wohnt in Horw und sitzt seit März 2018 für die Grünen im Kantonsrat. Er hat die Nachfolge von Michael Töngi angetreten, der bekanntermassen politisch in Bern aktiv ist, wo er die Grünen im Nationalrat vertritt. In der «Zentralschweiz am Sonntag» hat noch Spitex-Vizepräsidentin Claudia Rosso Schuler die Kommunikation im Fall übernommen. Am Montag beantwortete Koch die Fragen unserer Zeitung persönlich. Wenn auch nur schriftlich. Und nur rudimentär:

«Ich habe heute Vormittag von der Existenz des Flugblatts erfahren. Ich möchte davon absehen, die Aktion inhaltlich näher zu kommentieren.»

Zu den Vorwürfen der Inkompetenz und Fahrlässigkeiten entgegnet Koch, die Spitex hätte die Pflege des Klienten nach Möglichkeit weiterhin unterstützen wollen: «Leider waren wichtige Voraussetzungen für die tägliche Pflege nicht mehr ausreichend gegeben.» Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes könne er öffentlich keine genaueren Angaben zum konkreten Fall machen. Ebenfalls lässt Koch offen, ob er rechtlich gegen die Urheber des Schreibens vorgeht: «Zum aktuellen Zeitpunkt möchte ich mich dazu nicht äussern.» Konkreter wird dafür der Krienser Sozialvorsteher Lothar Sidler (CVP):

«Der Stadtrat Kriens bedauert dieses Vorgehen und die haltlosen Vorwürfe sehr. Er bedauert auch, dass diese Angelegenheit von den Initianten zu einem Wahlkampfthema gemacht wurde.»

Ob das Ganze Auswirkungen für Koch hat, zeigt sich am 31. März. Dann entscheidet das Stimmvolk über seine Wiederwahl.

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