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KÜNSTLER: Er zeichnet aus der Schulter heraus

Früher arbeitete der Rothenburger Roland Burkart auf dem Bau. Heute macht sich der 35-Jährige als Illustrator einen Namen. Dazwischen liegen ein fataler Sturz, zehn Tage im Koma und ein erfolgreich abgeschlossenes Studium.
Turi Bucher
Roland Burkart, fotografiert in seiner Wohnung in der Stadt Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 6. Oktober 2016)

Roland Burkart, fotografiert in seiner Wohnung in der Stadt Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 6. Oktober 2016)

Roland Burkart, wie lange zeichnen Sie schon?

Eigentlich wie die meisten, schon von klein auf. Und ich habe einfach immer weitergemacht. Schon als Maler habe ich mittags oder nach Feierabend mein Skizzenbuch aus der Tasche geholt und gezeichnet. Von 2003 bis 2005 habe ich zudem Kurse im Aktzeichnen besucht.

Nach Ihrem Unfall konnten Sie den Malerberuf nicht mehr ausüben.

Ich habe mich in der Hochschule für Design und Kunst in Luzern eingeschrieben und mich nach einem einjährigen Vorkurs für die Richtung Illustration Fiction entschieden. Dieses Studium dauerte drei Jahre lang.

Können Sie von Ihrem Unfall erzählen?

Ich bin 2007 in Emmenbrücke bei der Arbeit als Maler von einem Gerüst zehn Meter tief in einen offenen Lichtschacht gefallen. Ich habe keine Erinnerung an den Unfall. Nach dem Sturz lag ich zehn Tage im künstlichen Koma und drei Wochen im Kantonsspital Luzern. Danach war ich zehn Monate lang im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Seit dem Sturz bin ich vom fünften Halswirbel an gelähmt, also von der Brust an abwärts. Das nennt man «komplette Tetraplegie».

Und trotzdem können Sie zeichnen.

Meine Hände sind gelähmt. Ich kann zwar das Handgelenk bewegen, aber die Hand nicht, also zeichne ich aus der Schulter heraus. Vor dem Unfall war ich Rechtshänder, seither bin ich aber Linkshänder. 2011 hat mir ein schwedischer Handchirurg die Daumensehne verkürzt und das Gelenk versteift. So kann ich nun auch selber einen Stift zwischen die Finger nehmen.

Woran arbeiten Sie als Illustrator zurzeit?

Ich arbeite an einem Comic über Tetraplegie. Dieser wird im Verlag Edition Moderne im September 2017 veröffentlicht und wird mehr als 100 Seiten beinhalten. Bis Ende Februar habe ich Zeit, den Comic fertigzustellen. Ich muss also ständig dranbleiben. Ich arbeite teils daheim in Luzern und teils in einem Atelier in Emmenbrücke.

Gibts schon einen Namen für den Comicband?

Ja. Das Buch wird «WirbelSturm» heissen.

Auf Ihrer Homepage ist unter anderem von einer «orangen Phase» die Rede.

In Anlehnung an Picassos blaue Phase. Die orange Phase hat bei mir gerade mal zwei Wochen gedauert.

Sehenswert sind auch Ihre Animationen. Etwa jener Kurzfilm mit dem Titel «Dürüm», in dem sich ein Kebab in einen verbrannten Finger verwandelt. Ich muss allerdings offen gestehen: Ganz kapiert habe ich ihn leider nicht.

Das ist sehr persönlich gefärbt. «Dürüm» beschreibt tatsächlich, wie ich mir mit einem Kebab den Finger verbrannte. Ich habe mir also diesen Kebab gekauft und in die Hand geklemmt. Er war noch sehr heiss. Da ich in den Fingern nichts mehr spüre, habe ich mir doch tatsächlich den Daumen daran verbrannt.

Dann passt die Frage doch noch: Wie kommen Sie eigentlich daheim zurecht?

Ich komme gut zurecht. Klar, einige Sachen mussten angepasst werden. Ein Türrahmen musste verbreitert werden, das Bad musste rausgerissen und die Dusche befahrbar gemacht werden. Beim Hauslift musste das Tableau heruntergesetzt werden, damit ich die Knöpfe drücken kann. In der Wohnung habe ich eine allgemeine Steuerung für alle elektrischen Geräte. Und wenn ich ins Atelier nach Emmenbrücke will, benütze ich den ÖV.

Das Schönste nehmen wir jetzt noch zum Schluss des Interviews. Sie haben mir in Ihrem ersten Mail nämlich mitgeteilt ...

... ja, stimmt, dass ich geheiratet habe.

Erzählen Sie ein bisschen.

Nun, Alexandra und ich haben uns zwei Monate vor meinem Unfall kennen gelernt. Die Beziehung wurde also gleich zu Beginn auf eine harte Probe gestellt. Aber zusammen haben wir es geschafft. Seit fünf Jahren wohnen wir nun zusammen. Das Hochzeitsfest haben wir in Rothenburg und Emmenbrücke gefeiert. Ich kann sagen: Alexandra hat mich über all die Jahre mit einer sehr, sehr positiven Einstellung unterstützt und begleitet.

Hinweis

Die Illustrationen und Animationen des Künstlers können Sie anschauen unter: www.rolandburkart.ch

Interview: Turi Bucher

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