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KULT: «Ace Cafe» wird eröffnet – mit dem Segen aus London

In den 50er-Jahren hat sich im «Ace Cafe» in London eine Motorrad-Subkultur entwickelt. Ein Luzerner eröffnet einen Ableger des legendären Lokals in Rothenburg.
Dany Kunz, Inhaber des Ace Cafe in Rothenburg. (Bild: Philipp Schmidli)

Dany Kunz, Inhaber des Ace Cafe in Rothenburg. (Bild: Philipp Schmidli)

Roger Rüegger

Vermutlich gibt es nirgendwo so viele Leute mit Brennstoff in den Blutbahnen und einem Motor unter der linken Brust wie in der Zentralschweiz. So liegt es auf der Hand, dass im Kanton Luzern ein «Ace Cafe» eröffnet. Dieses Lokal war in den 50er- und frühen 60er-Jahren in London Treffpunkt für Motorradfahrer und Leute, die Rock ’n’ Roll hören wollten.

Diese Musik wurde von den Radiostationen kaum gespielt. So traf man sich in Lokalen mit Jukeboxes wie dem «Ace Cafe» – und tut dies heute wieder. Die Kultur der «Cafe Racer»-Motorräder hat in jenem Cafe ihren Ursprung. Grund genug für Dany Kunz (31), bei uns ein solches zu eröffnen: «‹Ace Cafe› ist das coolste Gastrokonstrukt der Welt.»

Das erste in Europa

«Ich wusste, dass ich irgendwann selber ein Gastrokonzept umsetze, in dem mein Hobby und die Arbeit ineinander übergreifen. Der Gastrobereich und ausgefallene Fahrzeuge sind meine Passion», sagt der Marketingfachmann aus Pfaffnau. Eines Tages habe er sich gefragt, warum es kein «Ace Cafe» auf dem Festland Europas gebe. Neben London steht eines in Peking, in Finnland gibt es einen «Ace Corner» und bald eröffnet eines in Orlando. That’s it.

Bei unserem Besuch vor zwei Wochen wimmelt es auf der Baustelle von Handwerkern. Zwei Burschen ölen den Parkettboden, der aus einem Ballsaal in Triengen stammt, einige Monteure installieren die Getränkeanlage, und Elektriker befestigen Industrielampen aus den 50er-Jahren. Bis zur Realisierung musste Kunz, der lange als Senior Brandmanager einer Spirituosenmarke in der Firma Diwisa arbeitete, jedoch Geduld und Nerven aufbringen. Denn ein «Ace Cafe» kann man nicht einfach aus dem Boden stampfen. Es braucht eine Lizenz aus London. Als Kunz vor zwei Jahren eine Anfrage bei «Ace Cafe» auf der Insel deponierte, fiel er aus allen Wolken: Aus der Schweiz waren bereits zehn Interessenten vorstellig geworden.

Aber Kunz wollte die Legende unbedingt – und sie sollte in der Zentralschweiz stehen. «Ich legte den Leuten in London einen Businessplan vor und überzeugte sie, dass ich mein Herzblut in das Projekt fliessen lasse.» Im Januar 2014 kam die Zusage. 25 Standorte prüfte Kunz. Im Sonnmatthof wurde er fündig. «Die Adresse ist ideal. Wir haben einen Autobahnanschluss in der Nähe, gute Anbindung an den ÖV, die Stadt ist nahe, und kein Anwohner wird gestört. Zudem stehen Parkplätze für 32 Autos und 200 Motorräder zur Verfügung.» Und der Bau mit einer Fläche von 3500 Quadratmetern sei an diesem Ort finanziell tragbar.

Schwierige Finanzierung

Beim Stichwort Geld kneift Kunz, der an der Berufsschule Sursee Projektmanagement unterrichtet, die Augen zusammen. «Ich zweifelte nie am Vorhaben. Aber ich hatte Angst, dass es mangels Finanzierung nicht funktionieren könnte.» Investoren und Banken seien nicht eben Schlange gestanden. So nahm er Kontakt mit der Wirtschaftsförderung Luzern auf, die vom Kanton den Auftrag hat, Neugründungen zu unterstützen. Für Rouven Willimann, Verantwortlicher für Neuunternehmerförderung, ist das «Ace Cafe» ein perfektes Beispiel. «Wir haben das Dossier von Dany Kunz geprüft. Das Projekt ist sehr professionell, sodass wir den Eindruck haben, dass das Unternehmen überlebensfähig ist.» Durch die Wirtschaftsförderung gelangte das Projekt an die Albert Koechlin Stiftung (AKS), die Jungunternehmen sowie Klein- und Mittelbetriebe, die sich in der Start-up-Phase ihrer Geschäftstätigkeit befinden, unterstützt. Geschäftsführerin Marianne Schnarwiler: «Bei Herrn Kunz hat man schnell gemerkt, dass er genau weiss, wovon er spricht und wo er die finanziellen Mittel einsetzen muss. Er hat einen soliden Businessplan, und er zeigt als Unternehmer eine starke Persönlichkeit.» Die Stiftung gewährte eine Starthilfe in Form eines Darlehens.

Nicht nur für Biker

Das «Ace Cafe» präsentiert sich im Vintage-Industrial-Stil. Die Wand hinter der Bar ist schwarz-weiss kariert, und in einer Ecke ist eine Bühne für Live-Konzerte fix aufgebaut. An der Metalltheke dürften sich manche Benzingespräche ergeben. Was jedoch nicht unbedingt sein muss. Trafen sich früher in London halbstarke Rocker auf frisierten Motorrädern der Marken Norton, BSA oder Triumph, wird das Publikum hier gemischt und bunt daherkommen.

Kunz legt Wert darauf, dass sein Lokal kein Biker-Treffpunkt ist. «Jeder soll sich wohl fühlen. Sicher werden Leute mit Motorrädern und mit aussergewöhnlichen Autos vorfahren, aber nicht nur!» Unterstützt wird Kunz, der eine Triumph Thruxton fährt, von seiner Partnerin Kathrin Seiler. «Sie hält mir den Rücken frei.» Im operativen Bereich agiert Restaurant- und Bar-Manager Kevin Rünzi, und in der Küche schwingt Kevin Michel die Kelle. Insgesamt teilen sich 12 Personen 600 Stellenprozent.

Kunz will Treffen verschiedener Fahrzeuge durchführen. Das können britische Bikes, Harleys oder japanische Maschinen sein. Ebenso sind Töfflitreffen sowie solche von Vespas oder Einachser bis hin zum Oldtimer angedacht. Heute gehts mit der Eröffnungsparty los. In den drei Tagen bis Sonntag erwartet Kunz 3000 Gäste, die auf Maschinen und Rock ’n’ Roll abfahren. Einer von ihnen ist der Moto2-Rennfahrer Tom Lüthi.

Hinweis

www.acecafeluzern.ch/

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