KULTUR: «Boxkämpfe gibt es bei uns im KKL nicht»

Warum keine Kastel- ruther Spatzen im KKL? Wir konfrontierten Direktor Hans E. Koch und Sales Manager Oliver Vrieze mit der Kritik von Politikern.

Interview Hugo Bischof
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KKL-Direktor Hans E. Koch (rechts) und Oliver Vrize, Leiter Sales & Marketing.

KKL-Direktor Hans E. Koch (rechts) und Oliver Vrize, Leiter Sales & Marketing.

Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) müsse mehr Geld erwirtschaften, forderte SVP-Kantonsrat Guido Müller (Ausgabe vom 5. Mai). Einverstanden?

Hans E. Koch*: Natürlich ist es unser Ziel, einen möglichst hohen Eigenwirtschaftlichkeitsgrad zu erzielen.

Weshalb denn lehnte das KKL einen Auftritt der beliebten volkstümlichen Schlagergruppe Kastelruther Spatzen ab? Das hätte dem KKL doch einen schönen Batzen Geld beschert.

Koch: Das war Ende 2008. Die Gründe für die Absage kenne ich nicht. Ich muss aber betonen: Wir selektionieren im KKL Luzern nicht nach Musikgenres. Auch wenn die klassische Musik unser Kerngeschäft bleibt – bei uns haben Schlager, Volksmusik und Pop genauso Platz.

Aber 2008 hiess es noch, eine vermehrte Ausrichtung auf Schlager und Volksmusik sei nicht geplant. Hat es eine Kehrtwende gegeben?

Koch: Dieses Genre findet im KKL Luzern heute tatsächlich häufiger statt. 2010 hatten wir neun Konzerte im Bereich Schlager und Volksmusik. 2012 waren es sechzehn. Und vor kurzem, am 26. April, hatten wir die Carlo-Brunner-Gala unter anderem mit dem umjubelten Trio Eugster im ausverkauften Konzertsaal.

Oliver Vrieze**: Ebenfalls vor kurzem hatten wir die Lucerne Concert Band mit Pop- und Ländlermusik im KKL. Wir sind offen gegenüber allen musikalischen Stilrichtungen.

Heute hätten die Kastelruther Spatzen also eine Chance, im KKL aufzutreten?

Vrieze: Ja. Es hängt aber immer davon ab, ob etwas bühnentechnisch möglich ist, der Saal passt und verfügbar ist.

Koch: Wir wollen ein breites Publikum ansprechen. Unter anderem ermöglichten wir 2012 die Guugger-Gala im Konzertsaal. Auch den Bereich Kabarett/Comedy/Bühnenveranstaltungen haben wir stark ausgebaut – 2009 waren es 4 Veranstaltungen, 2012 schon 26. Ende 2012 erhielten wir eine Anfrage von Otto Waalkes, Management für einen Auftritt 2013. Ihn hätten wir gerne im KKL Luzern gehabt; an dem von Otto gewünschten Termin war aber leider kein Saal verfügbar.

Vrieze: Unsere Kernkompetenz wird zwar immer die klassische Musik bleiben. Daneben experimentieren wir mit neuen, mutigen Formaten, die auch jüngere Generationen ins KKL bringen. 2012 gabs «Red Bull Flying Bach» im Luzerner Saal mit Breakdancern und Musik von Johann Sebastian Bach. Da sassen neben dem gewohnten klassischen Konzertpublikum auch junge Leute in Baggy-Jeans im Saal, die so mit klassischer Musik begeistert werden konnten.

Gibt es ein Reglement, das festlegt, welche Veranstaltungen im KKL grundsätzlich möglich sind?

Vrieze: Ein festgeschriebenes Reglement gibt es nicht. Aber natürlich muss die Qualität stimmen. Wichtig ist für uns auch Exklusivität. Events, die zuvor anderswo in der Region stattfanden, bringen wir in der Regel nicht auch noch ins KKL.

Gibt es Grenzen? Was ist tabu?

Vrieze: In dem ebenfalls von Jean Nouvel erbauten Konzerthaus Kopenhagen, das in grossen Finanzierungsproblemen steckte, wurde mal ein Boxkampf veranstaltet. Da sagen wir Nein. Boxkämpfe gibts bei uns im KKL Luzern nicht.

Warum nicht – mit einem WM-Fight mit einem der Klitschko-Brüder könnte das KKL doch gut verdienen?

Koch: Sie werden es kaum glauben, aber das Klitschko-Management in der Schweiz suchte letztes Jahr einen Austragungsort für einen WM-Kampf. In diesem Zusammenhang wurden wir tatsächlich auch angefragt – nicht offiziell, nur aus dritter Hand.

Vrieze: Aber nein: Blut und Schweiss im Konzertsaal, das ist undenkbar.

SVP-Kantonsrat Müller fordert auch, das KKL solle weniger Cüpli-Veranstaltungen für Politiker durchführen, dafür mehr ausgebuchte Konzerte, die mehr Geld in die Kasse bringen. Was sagen Sie zu dieser Forderung?

Vrieze: Nicht die Konzerte generieren die meisten Einnahmen. Wirtschaftlich arbeiten wir vor allem dann, wenn wir neben der Raumvermietung zusätzliche Einnahmen generieren, also möglichst viele gastronomische und technische Leistungen verkaufen können. Das ist bei Kongressen, Meetings, Produktpräsentationen und so weiter der Fall. Guido Müllers Aussage «Über rote Teppiche flanierende Politiker und Promis tragen weniger zur Wirtschaftlichkeit bei als ausgebuchte Konzerte für die Allgemeinheit» ist daher eine rein subjektive Einschätzung.

Koch: Die Gastronomie ist für uns der wichtigste Umsatzfaktor. Im Jahr 2012 generierten wir daraus 13,7 Millionen Franken, also rund 45 Prozent des Gesamtumsatzes – Tendenz steigend. Über 6 Millionen nehmen wir allein durch die Veranstaltungsgastronomie ein.

Dennoch: Auch SP-Kantonsrätin Silvana Beeler kritisiert angesichts der Millionenkosten für die bevorstehende KKL-Sanierung: «Die bürgerliche Leitung des KKL hat die Kosten nicht im Griff und produziert Millionenlöcher.» Stimmt dies?

Koch: Fakt ist: Die Management AG, also die betriebliche Organisation des KKL, schreibt seit Jahren erfolgreiche Zahlen, die Umsätze sind laufend gestiegen – ohne «Zustupf» von öffentlichen Geldern. Die jährlich 4,1 Millionen Franken Subventionen der Stadt Luzern fliessen an die Trägerstiftung, die für den langfristigen Werterhalt des KKL zuständig ist. Sie sind zu einem Teil auch eine Abgeltung für die vergünstigen Nutzungsbedingungen des KKL für Luzerner Vereine.

Was tut das KKL, um künftig einen höheren Grad an Eigenwirtschaftlichkeit zu erzielen?

Koch: Kapazitätsmässig sind wir an der oberen Grenze angekommen, alleine im Konzertsaal sind wir zu 94 Prozent ausgelastet. Verbessern können wir uns noch in der Auslastung und damit der Rentabilität des Luzerner Saals sowie des Auditoriums. Potenzial besteht auch im Betrieb der drei Restaurants; da versuchen wir, die Gäste mit neuen, innovativen Angeboten ins Haus zu holen.

Hinweis

*Der 62-jährige Hans E. Koch ist seit März 2011 Direktor des KKL Luzern. ** Der 34-jährige Oliver Vrieze ist seit März 2012 Leiter Sales & Marketing des KKL Luzern.