KULTUR: Das Auto, das mit Worten fährt

Zwei Künstler bieten kostenlose Fahrten in der Stadt Luzern an und wollen statt Geld einfach ein bisschen quatschen. Über das im Frühjahr durchgeführte Projekt ist ein Dokumentarfilm entstanden. Zudem bieten die Künstler der Stadt an, ihr «Quatschmobil» zu kaufen.

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«Das erste Auto, das mit Worten fährt». Mit diesem Slogan propagierten die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin im Frühjahr das Projekt «Quatschmobil». (Bild: PD)

«Das erste Auto, das mit Worten fährt». Mit diesem Slogan propagierten die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin im Frühjahr das Projekt «Quatschmobil». (Bild: PD)

Wie verändert sich eine Stadt, in der kostenlose Fahrten gegen spezifisches «Quatschen» angeboten werden? Wer macht mit und was für eine Dynamik entwickeln sich? Was geschieht an einem Ort, an dem zufällige Haarschnitte und Pizzen ausgelöst werden? Diesen und anderen Fragen ging das Quatschmobil während drei Tagen im vergangenen März auf seiner Jungfernfahrt nach.  Dabei bezahlten die Fahrgäste anstelle von Geld mit Dialog. Die Bilanz nach 72 Stunden ist laut den Initianten, den Konzeptkünstlern Frank und Patrik Riklin, beeindruckend: 157 Anrufe, 30 Fahrgäste, 227 Kilometer, 1450 Minuten Dialog, 9 Pizzen, 7 Haarschnitte, 4 Schuhreparaturen.

Premiere am Mittwoch auf dem Mühleplatz

Über die dreitägige Kunstaktion wurde eine Filmdokumentation von Videojournalistin Jelena Gernert erstellt, die den Ansatz der künstlerischen Idee, Stimmen der Fahrer, Mitfahrer und der beteiligten Partner zur Vision des Quatschmobils und die mögliche Auswirkung auf die Stadtentwicklung vorstellt. Die Künstler stellen den Film kommenden Mittwoch ab 11 Uhr auf dem Mühlenplatz der Bevölkerung vor.

pd/uus

Quatschmobil bald fix in Luzern?

pd/uus. Die Riklins bieten der Stadt Luzern ein exklusives «Vorfahrrecht» (Vorkaufsrecht) für das alternative Taxiprojekt an. Das heisst, dass die Stadt Luzern bevorzugt würde, wenn sie das «Quatschmobil» weiter führen möchte.

Ziel der Künstler sei es denn auch, einen Partner zur Vertiefung des Projekts zu gewinnen, der sich für die Verankerung stark macht und daran interessiert wäre, herauszufinden, welche nachhaltigen Wirkungen entstehen würden, wenn das Konzept über eine längere Zeit weitergezogen werden könnte.

Laut den Künstlern sollen sich die Kosten zwischen 50‘000 und 70‘000 Franken bewegen. Ob die Stadt auf das Angebot eingehen wird, ist völlig offen. Falls nicht, soll die Idee des Quatschmobils in einer anderen Schweizer Stadt umgesetzt werden.