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KULTUR: Julia Stephan: «Das Theater ist meine grosse Leidenschaft»

Kulturjournalistinnen und Kulturjournalisten sind stille Schaffer. So ist es auch bei Julia Stephan. Die 30-Jährige sitzt oft mit einem riesigen Kopfhörer an ihrem Arbeitsplatz, man getraut sich kaum, sie anzusprechen. Doch wenn sie dann mal spricht, muss man gut zuhören. Erstens, weil sie Spannendes zu erzählen hat, und zweitens, weil sie einen ganz speziellen Dialekt hat.
Interview Turi Bucher
Kulturredaktorin Julia Stephan (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Kulturredaktorin Julia Stephan (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Julia Stephan, erklären Sie zuerst mal Ihren Dialekt.

Julia Stephan: Das ist gar nicht so einfach. Aber ich gebe zu, ich kriege da schon diverse Rückmeldungen. Ich werde beispielsweise gefragt, ob ich aus der Westschweiz komme, oder zuweilen wird gar der Ostblock vermutet.

Und was ist denn nun richtig?

Stephan: Ich bin in Deutschland geboren, in der Nähe von Kaiserslautern. Ich war vier Jahre alt, als mein Vater aus beruflichen Gründen mit der Familie in die Schweiz zog. Dann bin ich im Aargau aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich erinnere mich, dass ich schon zur Kindergartenzeit in den Schweizerdeutsch-Kurs musste. Und obwohl ich bald einmal jedes Wort auf Abruf schweizerdeutsch sprechen konnte, habe ich mich lange Zeit geweigert, auch tatsächlich schweizerdeutsch zu reden.

Wie lange?

Stephan: Ganze zwölf weitere Jahre. Mit 16 habe ich von einem Tag auf den andern entschieden, dass ich jetzt schweizerdeutsch spreche. Meine Kolleginnen vom Gymnasium, die damals im Bus neben mir sassen, haben es gar nicht realisiert.

Wie sind Sie zum Kulturjournalismus gekommen?

Stephan: Den ersten Artikel konnte ich für die «Aargauer Zeitung» schreiben. Nach einem Erasmus-Jahr in Berlin an der Humboldt-Uni stieg ich als Kulturredaktorin bei der «Basler Zeitung» ein. Später kehrte ich dann wieder zur «Aargau­er Zeitung» zurück. Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich nun bei der «Neuen Luzerner Zeitung», wobei ich teils in einer WG in Luzern, teils bei meinem Freund in Zürich wohne.

Welches ist denn Ihr Spezialgebiet in der Kulturredaktion?

Stephan: Das Theater ist meine grosse Leidenschaft. Die Theaterszene in der Zentralschweiz ist lebendiger als im Kanton Aargau und auch im nationalen Vergleich befruchtend. Ich freue mich sehr auf die Saison im Luzerner Stadttheater mit dem neuen Intendanten Benedikt von Peter, dem bekannten Opernregisseur. Durch von Peters Engagement erhoffe ich mir auch, dass Luzern in der Schweizer Theaterszene mehr Relevanz erhält.

Aber es gibt ja nicht nur das Luzerner Stadttheater.

Stephan: Richtig. Wenn ich in meinem Zürcher Kollegenkreis bin, spüre ich manchmal schon eine … sagen wir: leicht arrogante Haltung. Ich mache tatsächlich immer Werbung für die Kultur und die Theaterszene in Luzern. Zum Beispiel in den Freilicht-Theaterprojekten mit vielen Laienschauspielern steckt so viel Enthusiasmus und extrem viel Leidenschaft drin.

Wie hat es bei Ihnen mit dem Theaterjournalismus angefangen?

Stephan: Nach meinem Abschluss des Studiums der Germanistik und Kunstgeschichte habe ich für die Online-Plattform Nachtkritik.de Theaterkritiken geschrieben. Die Plattform heisst «Nachtkritik», weil der jeweilige Journalist oder die jeweilige Journalistin nach der Erstaufführung sozusagen über Nacht die Theaterkritik zum jeweiligen Stück schreibt. Interessierte können also gleich am Morgen nach der Uraufführung die Theaterkritik lesen.

Dafür schreiben Sie für unsere Zeitung jeweils eine Kolumne zum aktuellen «Tatort»-TV-Krimi.

Stephan: Und zwar im Voraus. Das heisst, die Kolumne erscheint in der «Zentralschweiz am Sonntag», bevor am Abend dann der Krimi gesendet wird. Nun, da gabs auch schon die eine oder andere Reklamation, da Leser der Meinung waren, ich hätte ihnen den geliebten «Tatort»-Krimi verdorben, weil ich zu viel verraten haben soll. Und wenn ich sonntags irgendwo eingeladen bin, muss ich immer aufpassen, nicht zu spoilern.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Stephan: Mark Twains Reisebericht «Bummel durch Europa», worin er auch über Luzern schreibt. Und dann lese ich zurzeit auch noch ein Einführungswerk über den tibetischen Buddhismus.

Zurück zum Theater. Ihre Lieblingsregisseure?

Stephan: Zum Beispiel René Pollesch. Er inszeniert oft verspielt, nicht bierernst, sondern ironisch, nicht im klassischen Erzähltheaterstil. Genauso schätze ich es aber, wenn Regisseure ihre literarischen Vorlagen ernst nehmen und behutsam erzählen. Grundsätzlich halte ich es so: Wenn der Funke rüberspringt, kann sich der Sitznachbar die Seele aus dem Leib husten – man hat nur Augen für die Bühne.

Erzählen Sie doch von einem Ihrer eindrücklichsten Erlebnisse als Kulturjournalistin?

Stephan: Ich erinnere mich, wie der tschechische Schriftsteller Pavel Kohout, in der ehemaligen Tschechoslowakei ein Freund von Václav Havel, vom Literaturhaus Zentralschweiz nach Stans eingeladen wurde. Für seinen Auftritt wurde eine grosse Pressekonferenz im Luzerner Hotel Palace anberaumt. Ich hatte da so meine Zweifel, welche Medien das interessieren könnte. Und prompt war ich die einzige Pressevertreterin. Da standen wir also – die Kulturjournalistin und der Intellektuelle. Mit einem Glas Weisswein in der Hand brach Kohout dann das Eis und sagte pointiert in meine Richtung: «Meine Dame, ich bin ganz für Sie da!»

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