KULTUR: Neubad – Finanzierung harzt

Die Stadt zahlt nichts an den Umbau des Hallenbads Biregg, und die Spenden fliessen nicht wie gewünscht. Muss die Eröffnung des Neubads verschoben werden?

Lena Berger
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Auf der Suche nach Geldgebern: der Vorstand des Netzwerks Neubad.

Auf der Suche nach Geldgebern: der Vorstand des Netzwerks Neubad.

Noch ist die grosse Spendenflut für den Umbau des alten Hallenbads in ein Kulturzentrum ausgeblieben. Über das Crowdfunding – bei dem im Internet kleinere und grössere Beträge von Sympathisanten gesammelt werden – sind seit Mitte März 15 000 Franken in die Kasse des Neubads geflossen. 100 000 Franken binnen 60 Tagen sind das Ziel. «Mit durchschnittlich 1300 Franken pro Tag ist das Projekt anfangs sehr gut angelaufen – inzwischen ist der Spendenfluss aber leider wieder etwas abgeflaut», sagt Adrian Albisser, Vorstandsmitglied des Netzwerks Neubad.

Weitere Spendenaktionen geplant

Für den Entscheid der Stadt, das Projekt finanziell nicht zu unterstützen (Ausgabe vom 30. März), hat Albisser Verständnis. «In Anbetracht der politischen Grosswetterlage war uns klar, dass die Stadt etwa mit der Schliessung der Bibliothek Ruopigen fundamentalere Probleme zu lösen hat.» Das Netzwerk Neubad habe im Übrigen auch kein formelles Gesuch gestellt. «Wir haben bei Verhandlungen lediglich angefragt, ob eine Unterstützung möglich ist.»

Rechtlich wäre eine Unterstützung durch die Stadt jedoch heikel gewesen, weil eine solche vorgängig bei der Ausschreibung der Zwischennutzung ausgeschlossen worden war. «Trotzdem hätte es uns die Finanzierung natürlich sehr erleichtert», sagt Albisser dazu. Aufgeben ist für das Netzwerk Neubad deswegen keine Option – im Gegenteil. «Wir werden den Anteil der Eigenleistung steigern», kündigt Albisser an. So werde im Internet demnächst ein Video mit Statements von Unterstützern aufgeschaltet. Auch die Zusammenarbeit mit einem prominenten Aushängeschild, verstärkte Werbung über soziale Medien und weitere Aktionen seien in Planung. Insgesamt wird der Umbau rund eine halbe Million kosten.

Etappierung möglich

Was aber, wenn das nötige Geld für den Umbau nicht rechtzeitig aufgetrieben werden kann? «Dann wäre eine etappenweise Umsetzung für uns eine Option», erklärt Albisser. Die Inbetriebnahme würde dann schrittweise erfolgen. Ursprünglich war die Eröffnung des Vollbetriebs auf Herbst geplant (Ausgabe vom 23. Januar). «Wir hoffen, dass die 100 Crowdfunding-Spender eine Signalwirkung auf mögliche Investoren haben werden – dass diese sehen, wie viele Privatpersonen das Projekt unterstützen.» Auch habe der Verein Neubad bereits über 300 Mitglieder.

Bern: Neubad muss «Gas geben»

Nächste Woche werden Vertreter aus dem Neubad-Vorstand nach Bern reisen und sich mit Susanne Ammann, Leiterin des Kulturzentrums Progr, zum Austausch treffen. Der Progr ist ebenfalls aus einer Zwischennutzung entstanden. Im ehemaligen Schulhaus sind Künstlerateliers untergebracht, und die zur Bar umgenutzte Turnhalle hat sich zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Stadt entwickelt. «Die Umnutzung und der Betrieb wurden in den Jahren der Zwischennutzung von der Stadt Bern finanziert», so Ammann. Als diese auslief, schlossen sich die Künstler zu einem Kollektiv zusammen und gewannen eine Abstimmung gegen die Firma Allreal. Sie gründeten die Stiftung Progr, erwarben das Gebäude im Baurecht und betreiben es seither als Atelierhaus. «Heute bekommen wir keine Unterstützung der öffentlichen Hand mehr, sondern finanzieren uns über die Mieterträge», so Ammann.

Der Weg dorthin sei aber nicht leicht gewesen. «Vor der Abstimmung für den Erhalt des Progrs sind die Künstler auf die Strasse gegangen und haben in der ganzen Stadt geniale Aktionen durchgeführt. Um auch Leute zu mobilisieren, die nicht aus dem kulturellen Kuchen stammen, muss man über die Szene hinausdenken. Das Netzwerk Neubad muss jetzt richtig Gas geben», sagt Ammann. Sie glaubt, dass es neben dem Crowdfunding weitere Massnahmen brauchen wird, um das Neubad zu finanzieren. «Vielleicht kann man eine grössere Firma von diesem einzigartigen Kultur-Sponsoring überzeugen. Voraussetzung ist, dass aus eigener Kraft zum Beispiel ein Drittel der Gesamtsumme beisammen ist.»

Ein Vorteil sei in Bern sicher gewesen, dass sich der Progr als Kulturzentrum in den Jahren der Zwischennutzung bereits etabliert hatte, als es darum ging, die Gebäude zu übernehmen und den Betrieb privat zu finanzieren. Ammann ist aber überzeugt, dass dies auch beim Neubad gelingen kann. «Die Luzerner sind kulturaffin. Es ist bestimmt möglich, sie für das Projekt zu begeistern.»