KULTUR: Starakustiker plant die «Salle»

Bei der Theatererneuerung kommt ein grosser Name ins Spiel: Tateo Nakajima. Der Kanadier verschaffte schon vielen Sälen eine Topakustik – und war auch beim KKL involviert.

Hugo Bischof
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Akustiker Tateo Nakajima, der auch bei der Konzeption der Salle Blanche im KKL (im Bild) mitwirkte, soll die Machbarkeitsstudie für die Luzerner Salle Modulable erstellen. (Bild: Roger Grüter / Neue LZ / Archiv)

Akustiker Tateo Nakajima, der auch bei der Konzeption der Salle Blanche im KKL (im Bild) mitwirkte, soll die Machbarkeitsstudie für die Luzerner Salle Modulable erstellen. (Bild: Roger Grüter / Neue LZ / Archiv)

Tateo Nakajima. In Luzern ist dieser Name wohl nur wenigen ein Begriff. Doch wer sich umhört, erkennt rasch: Der japanischstämmige gebürtige Kanadier ist in der Kultur- und Architekturwelt ein ganz Grosser. Er war in den letzten Jahren bei der Planung neuer Konzertsäle vor allem in Sachen Akustik (Gestaltung des Raumklangs) führend. Seine Handschrift tragen etwa die Renovation und Modernisierung der Salle Pleyel in Paris sowie der neue Konzertsaal in Montreal/Kanada.

Tateo Nakajima ist zentrales Mitglied der Firma Arup USA Inc. Diese ist ein vielfältig tätiges Planungs- und Beratungsunternehmen mit 90 Niederlassungen in 39 Ländern auf allen Kontinenten sowie 11 000 Mitarbeitenden. Vor kurzem erhielt Arup den Auftrag, die Machbarkeit der Salle Modulable in Luzern zu beweisen.

Zeit bis Ende 2015

Das seit 2007 geplante Projekt der Salle Modulable soll eine umfassende Erneuerung der Theaterinfrastruktur in Luzern bewirken. Es war jahrelang durch einen juristischen Streit blockiert. Ende 2014 kam es zur Einigung: Nun sollen zumindest 80 Millionen der vom 2010 verstorbenen Mäzen Christof Engelhorn ursprünglich zugesagten 120 Millionen Franken in den Bau der «Salle» fliessen. Bis Ende 2015 hat Arup nun Zeit, die Machbarkeitsstudie zu erarbeiten.

Noch halten sich die Beteiligten bezüglich konkreter Planungsschritte bedeckt. Doch Tatsache ist, dass in diesen Tagen in Luzern bereits diverse intensive Sitzungen zwischen Vertretern der Stiftung Salle Modulable und Experten von Arup stattgefunden haben. Das bestätigte auf Anfrage Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. Auch Tateo Nakajima war bei diesen Planungstreffen dabei. Nakajima selber will im Moment im Hintergrund bleiben und sich nicht dazu äussern.

Geiger und Dirigent

Nakajima genoss in seiner Heimatstadt Toronto/Kanada in jungen Jahren eine Ausbildung als Geiger. Später wurde er Dirigent und leitete Orchester auch in Europa. Unter anderem war er vier Jahre lang Chefdirigent an der Staatsoper in Rumänien. Schon früh interessierte er sich für die Akustik der Säle, in denen er auftrat. Auch heute noch tritt Nakajima gelegentlich als Dirigent auf.

In Luzern war Nakajima massgeblich am Bau des Kultur- und Kongresszentrums (KKL) beteiligt – als rechte Hand des amerikanischen Akustikers Russel Johnson (1923-2007). Johnson war der damals weltweit anerkannteste Akustikexperte – zu seinen bedeutendsten Werken gehören das Jazz at Lincoln Centre in New York und die Symphony Hall in Birmingham/England. Johnson machte auch das KKL in Luzern zu dem, was es heute ist – ein Vorzeigebau in Sachen Raumklang.

Nachfolger von Russel Johnson

Johnson war zu Lebzeiten als «Guru der Akustik» bekannt. KKL-Architekt Jean Nouvel nannte ihn «Wächter des Ohrs» (er selber, Nouvel, sah sich daneben als «Wächter des Auges»). Nach Johnsons Tod 2007 übernahm Nakajima die Co-Leitung der Firma Artec.

Anfang 2013 wurde die Akustik-, Audiovisions- und Theaterberatungsabteilung von Artec mit jener der Firma Arup zusammengelegt. So schliesst sich der Kreis, und Nakajima wird nach seinen Lehrjahren bei Russell Johnson nun erneut in Luzern tätig sein. Er ist heute ein international anerkannter Experte für Planung und Design von Kulturstätten. Bei Artec hat er eine Vielfalt von Theater- und Musiksälen sowie Auditorien in vielen Teilen der Welt kreiert und dabei mit führenden Architekten und Künstlern zusammengearbeitet. Seine akustische Handschrift trägt etwa der 2011 eröffnete neue Konzertsaal in Montreal/Kanada.

Variable Akustik

Dessen Akustik sei ähnlich variabel wie jene im Luzerner KKL, schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) nach der Eröffnung. Anstelle der Echokammern wie in Luzern gibt es in Montreal allerdings neun verstellbare Deckensegel – in Luzern sind es nur deren zwei. Interessant ist: Die Grösse der Bühne und der Orchesterbereich in Montreal sind veränderbar – der Saal hat also etwas von der Flexibilität, die man sich in Luzern dereinst von der Salle Modulable erhofft.

Der Konzertsaal in Montreal bietet 1900 Plätze. Um eine möglichst gute Akustik zu erzielen, waren in Montreal diverse Massnahmen nötig. Weil unter dem Saal eine U-Bahn-Linie verläuft und auch die Lärmimmissionen von den umgebenden Strassen her beträchtlich sind, wurde der Saal mit dicken, schweren Wänden im Gebäude extra isoliert. Um Vibrationen auszugleichen, ruht der Saal zudem auf grossen Gummiblöcken.

«Heiter, friedlich»

Nakajima äussert sich nur selten in der Öffentlichkeit. Im Zusammenhang mit seiner Arbeit an der Salle Pleyel in Paris zitierte ihn die «Tribune de Genève» folgendermassen: «Das Essenzielle bleiben vor allem der Hörkomfort und die Anordnung der Musiker ... Die Zuhörer und die Musiker müssen optimale Hörbedingungen haben – nicht nur technisch, sondern auch psychologisch und affektiv. Sich in einer harmonischen, heiteren und friedlichen Situation zu befinden, erhöht die Aufnahmefähigkeit – diese soll so fein, präzis und verführerisch wie möglich sein.»