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KULTUR: Wyss will Aargauer überzeugen

Die FDP des Kantons Aargau hat vor, die Kulturgelder für andere Kantone zu streichen. Auch Luzern wäre betroffen. Regierungsrat Reto Wyss sieht das «vielfältige Kulturangebot» in Gefahr.
Yasmin Kunz
Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss auf dem Pausenplatz der Stadtschule Sempach. (Bild: PD)

Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss auf dem Pausenplatz der Stadtschule Sempach. (Bild: PD)

Aus allen Landesteilen kommen die Gäste nach Luzern ins Kultur- und Kongresszentrum (KKL), ins Luzerner Theater oder an ein Konzert des Sinfonieorchesters. So auch aus dem Kanton Aargau. Durchschnittlich stammen 7,2 Prozent der KKL-Besucher aus dem Nachbarkanton, wie die «Aargauer Zeitung» gestern berichtete.

Luzern erhält 690 000 Franken

Der Kanton Aargau bezahlt für seine Einwohner, die in Luzern eine der oben beschriebenen Institutionen besuchen, eine Abgeltung an den Kanton Luzern. Letztes Jahr waren es rund 690 000 Franken – ähnlich viel wie in den Vorjahren. Noch teurer ist die Kultur für die Aargauer im Kanton Zürich. Pro Jahr werden rund 5,1 Millionen Franken für Besuche im Opernhaus und ähnlichen Institutionen bezahlt.

Insgesamt beläuft sich der Betrag für den Kanton Aargau jährlich auf rund 5,8 Millionen Franken. Zu teuer, findet die Aargauer FDP-Fraktion mit deren Sprecherin, der Grossrätin Jeanine Glarner. In diesen Tagen haben die Freisinnigen beim Parlament einen Vorstoss eingereicht. Dieser verlangt, dass der Kanton Aargau aus dem interkantonalen Kulturlastenausgleich austritt. Ziel: 5,5 Millionen Franken sparen. Gekündigt werden soll die Vereinbarung – der Grosse Rat im Kanton Aargau hat im September 2009 der Vereinbarung mit 103 zu 28 Stimmen deutlich zugestimmt – per Ende 2016. Die Kündigungsfrist beläuft sich auf zwei Jahre. Der Vereinbarung gehören unter anderem auch die Kantone Schwyz und Zug an.

«Nicht angebracht»

Gegenüber der «Aargauer Zeitung» begründet Glarner den gewünschten Austritt so: «In der schwierigen finanzpolitischen Situation ist es nicht angebracht, Millionen für kulturelle Flaggschiffe in Luzern und Zürich auszugeben.» Ohne Steuererhöhung und Sparmassnahmen rechnet die Aargauer Regierung mit einem Defizit von bis zu 200 Millionen Franken im Jahr.

«Vorstoss bildet Diskussionen ab»

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss erklärt, was ein möglicher Austritt für den Kanton Luzern bedeuten würde: «Zum Abkommen des Kulturlastenausgleichs hat es immer auch unterschiedliche Meinungen gegeben. Der Vorstoss im Kanton Aargau bildet diese Diskussionen ab. Wir hoffen aber, dass bei der Abwägung die Vorteile dieser Vereinbarung erneut überzeugen werden.» Für alle Beteiligten sei es sehr wertvoll, dass Kantone mit international herausragenden Kulturinstitutionen von den Nachbarkantonen finanzielle Unterstützung erhalten würden, so der CVP-Magistrat. Wird die Motion vom Aargauer Parlament gutgeheissen, würden die nächsten Schritte zunächst unter den verbleibenden Vereinbarungskantonen diskutiert, sagt der Regierungsrat.

Inwiefern ist der Ausstieg aus der Vereinbarung heikel? Wyss: «Die Zahlungen der Kantone im Kulturlastenausgleich tragen dazu bei, das vielfältige Kulturangebot auch in Zeiten mit hohem Spardruck zu erhalten und eine Erhöhung der Billettpreise zu verhindern.» Wyss würde es sehr bedauern, «wenn im Kanton Luzern – und letztlich schweizweit – gestaffelte Preissysteme für Besuchergruppen aus anderen Kantonen eingeführt werden müssten». Die Motion der Aargauer FDP-Fraktion wird frühstens in drei Monaten vom zuständigen Regierungsrat beantwortet. Dass der Antrag noch dieses Jahr behandelt wird, ist eher unwahrscheinlich, hiess es auf Anfrage.

Theater will keine Preiserhöhung

Eine Preiserhöhung können sich die betroffenen Institutionen nicht vorstellen. Beim Kultur- und Kongresszentrum kann man die Folgen eines möglichen Austritts noch nicht abschätzen. Andreas Roth, Sprecher des KKL, sagt: «Da es sich erst um eine Motion handelt, ist der Ausgang noch völlig offen.» Fest steht: «Eine Preiserhöhung für ausserkantonale Gäste ist für das KKL kein Thema», so Roth. Genau gleich tönt es aus dem Luzerner Theater. Sprecherin Patrizia Hort: «Eine Erhöhung der Eintrittspreise ist nicht im Sinne des Luzerner Theaters.»

Auch der Kanton Aargau erhält aufgrund der Vereinbarung für seine Kultureinrichtungen einen Ausgleich in der Höhe von 840 000 Franken. Der Kanton Luzern gibt gemäss Jahresbericht 2015 für den interkantonalen Kulturlastenausgleich rund 1,5 Millionen Franken aus und erhält 5 Millionen Franken. So zahlt Luzern beispielsweise unter anderem an die Kosten des Opernhauses in Zürich.

Yasmin Kunz

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