KULTURFÖRDERUNG: Der Abgang bleibt rätselhaft

Noch in der Probezeit wirft der Luzerner Kulturförderer das Handtuch. Was zum Bruch führte, bleibt unklar.

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Martin Jann war nur kurze Zeit Luzerner Kulturförderer. (Bild: PD)

Martin Jann war nur kurze Zeit Luzerner Kulturförderer. (Bild: PD)

Ismail Osman

Die Nachricht kam kurz vor den Festtagen und überraschte: Der Leiter der kantonalen Kulturförderung Martin Jann hat gekündigt. Angetreten hat er seine Stelle erst knapp vier Monate zuvor. Was bewegte Jann, noch während seiner Probezeit den Stecker zu ziehen? Über die Gründe für das kurze Intermezzo im Kanton Luzern will Jann heute nicht mehr sprechen. Es sei hierzu alles in der entsprechenden Medienmitteilung gesagt worden, sagt er auf Anfrage. «Gesagt» ist in diesem Fall jedoch ziemlich relativ, denn die Medienmitteilung ist so kurz wie kryptisch: «Unterschiedliche Auffassungen über die Rolle des Kulturbeauftragten, insbesondere die bestehenden Gestaltungsspielräume in der kantonalen Kulturförderung», hätten zur Kündigung geführt heisst es lediglich. Was darunter zu verstehen ist, wollen weder Jann selber, noch seine ehemalige Vorgesetzte erklären.

Kein öffentlicher Kommentar

«Es handelt um Personalangelegenheiten, die wir im Einzelnen nicht öffentlich kommentieren», erklärt Karin Pauleweit die Zurückhaltung in der Kommunikation. Die Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur hatte Jann vergangenen Sommer ins Amt berufen. «Es hat einfach nicht gestimmt – und zwar für beide Seiten», sagt Pauleweit und macht richtigerweise darauf aufmerksam, dass eine Probezeit genau für solche Situationen vorgesehen sei. Dass der vakanten Leitung der Kulturförderung grössere Aufmerksamkeit zufällt, liegt daran, dass es innert kurzer Zeit bereits der zweite schnelle Abgang eines Kulturbeauftragten ist (siehe Kasten).

Luzern-Bezug gewünscht

Weshalb es zwischen Jann und dem Kanton Luzern nicht funktionierte, bleibt somit weiter rätselhaft. Wie aber definiert Pauleweit denn die Rolle des Kulturförderers? «Er oder sie berät und unterstützt die Kulturschaffenden des Kantons, bearbeitet Gesuche und berät den Bildungs- und Kulturdirektor zu kulturpolitischen Fragen.» Auf die Frage hin, was sie von einem Nachfolger oder Nachfolgerin Janns erwartet, sagt sie: «Grosses Fachwissen, berufliche Erfahrung im kulturpolitischen Bereich, Überzeugungskraft, Führungskompetenz und eine gewisse Ausstrahlung, um den Kanton auch gegen aussen repräsentieren zu können.» Das alles gibt freilich auch nicht mehr Aufschluss darüber, weshalb Jann, kaum angekommen, sein Pult schon wieder räumte. Aber es verrät immerhin etwas darüber, was für eine Person gesucht wird. Die Frage drängt sich auf, ob die Idealbesetzung nicht bei einer «einheimischen» Person zu suchen wäre. Eine zwingende Voraussetzung für den Job ist es derzeit jedenfalls nicht. «Natürlich würden wir uns eine Person mit Luzern-Bezug wünschen, zwingend ist das aber nicht. Wir haben die Ausschreibung bewusst offen gestaltet.»

Stellvertreterin im Doppelmandat

Die offizielle Ausschreibung werde in den kommenden Tagen erfolgen, Anfragen habe sie aber bereits erhalten, sagt Pauleweit. Einen Zeithorizont, bis wann die Stelle wieder besetzt ist, könne sie jedoch nicht nennen: «Das hängt stark von der Person ab – allfällige Kündigungsfristen müssen beispielsweise auch berücksichtigt werden.» Bis die Leitung neu vergeben ist, könnte es demnach noch Monate dauern. In der Zwischenzeit nimmt Pauleweit dieses Amt zusätzlich zu ihrer Hauptaufgabe wahr. Geht das? Die Rede ist immerhin von einer 80-Prozent-Stelle, die übernommen werden muss. Und grosse Projekte, wie die Schaffung von Kulturförderfonds auf der Landschaft, die neue Theaterinfrastruktur (NTI) oder die Salle Modulable, stehen an. «Es ist eine Zusatzbelastung, aber dank dem sehr gut eingespielten Team der Kulturförderung ist dies einwandfrei möglich», versichert Pauleweit. Dieses besteht aus fünf Personen mit insgesamt 350 Stellenprozenten. «Auch die diversen Projektgruppen arbeiten wie gehabt weiter», erklärt Pauleweit und fügt an: «Bei gewissen Projekten, wie etwa der NTI leitet Kulturdirektor Reto Wyss auch selbst das Steuergremium.»

Wenn also alles so flüssig läuft sei die Frage gestattet: Brauchts die Stelle überhaupt? «Ja, natürlich, längerfristig braucht es zwingend eine reguläre Leitung der Kulturförderung», beteuert Pauleweit. «Die aktuellen Projekte laufen zwar reibungslos, neue Projekte anzureissen liegt derzeit aber sicherlich nicht drin.»

Schnelle Wechsel

Nachfolge io. Bei der Leitung der Kulturförderung kam es in der jüngsten Vergangenheit zu zwei Wechseln in relativ kurzer Folge. Nachdem Daniel Huber (62) nach über 23 Jahren 2012 seinen Rücktritt bekannt gab, übernahm Nathalie Unternährer (42) per 1. Januar 2013 die Stelle. Aus privaten Gründen gab sie jedoch bereits im April 2014 ihren Rücktritt bekannt. Martin Jann (49) trat per 1. September Unternährers Nachfolge an. Jann war zuvor Geschäftsführer der internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020, früher war er unter anderem bei der ETH und dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband tätig.