Kulturhaus Südpol: Zum Neustart gibt's viel Geld

Stiftungen greifen tief in die Tasche: Damit soll das Luzerner Kulturzentrum Südpol seine Turbulenzen hinter sich lassen – und in die nationale Liga aufsteigen.

Pirmin Bossart
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Der Südpol soll wieder ruhigeren – und glorreicheren Zeiten entgegen sehen. (Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 12. Oktober 2018)

Der Südpol soll wieder ruhigeren – und glorreicheren Zeiten entgegen sehen. (Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 12. Oktober 2018)

Nach dem schwierigen letzten Jahr, das den Südpol an den Rand des Scheiterns führte (wir berichteten), sind jetzt die Zeichen auf Zukunft gestellt. Ein neues Betriebskonzept wurde erarbeitet. Auch ist die Leistungsvereinbarung mit der Stadt vom Grossen Stadtrat für weitere vier Jahre genehmigt worden. Ein neu besetzter Vorstand ist für die Strategie des Hauses verantwortlich und ein neues künstlerisches Gremium wird das Programm in den verschiedenen Sparten erarbeiten: Mit Vanessa Gerotto (Tanz/Performance) und Fabian Riccio (Musik/Konzerte) haben am 1. Juli die letzten zwei Mitglieder des fünfköpfigen Gremiums ihre Arbeit aufgenommen.

«Die leitenden Personen haben keinen Chef»

Die Führungsriege befindet sich zurzeit in einem Organisationsentwicklungsprozess, damit sie ihre Aufgaben zielgerichtet wahrnehmen kann. Diesen internen Prozess unterstützt die Albert Koechlin Stiftung mit einem Beitrag von 22’500 Franken, wie der Südpol gestern mitteilte. Warum ist dieser Prozess nötig? «Wir haben ein komplett neues Team, das mit einem neuen Modell arbeitet», sagt Vereinspräsident Marc Schwegler. «Die fünf leitenden Personen haben keinen Chef. Aber sie sind verpflichtet, die Programmentscheide im Rahmen der Zielvereinbarungen zu verantworten. Sie müssen selbstorganisiert arbeiten können.» Der Vorstand wolle die leitenden Personen in dieser neuen Phase nicht einfach sich selber überlassen, sondern sie von Anfang an begleiten.

Schwegler begründet die Begleitung auch mit dem konsequent lösungsorientierten Ansatz und der stärkeren Eigenverantwortung, mit welchen der Kulturbetrieb geführt werden soll. «Es gilt, die verschiedensten Ansprüche und Bedürfnisse, die an den Südpol gestellt werden, unter einen Nenner zu bringen. Das bleibt eine Herausforderung.»

100’000 Franken für mehr Gastspiele

Mit der beachtlichen Summe vom 100’000 Franken trägt auch die Ernst Göhner Stiftung aus Zug zur neuen Entwicklung des Südpols bei. Die Gelder werden zur Unterstützung für ein nationales Gastspielprogramm sowie für Vermittlung und Infrastruktur im Bereich Tanz- und Theaterperformance eingesetzt. Gemäss dem Betriebskonzept soll der Südpol über alle Sparten hinweg die lokalen und regionalen Projekte fördern. Doch diese Stücke, Produktionen oder Bands sollen möglichst auch den Weg in andere Städte finden können. Um einen solchen Austausch in Gang zu setzen, muss im Sinne der Gegenseitigkeit auch der Südpol Koproduktionen von anderen Schweizer Häusern zeigen können. «Das heisst, wir müssen ein Gastspielprogramm haben, damit auch wir die Möglichkeit bekommen, unsere Produktionen in anderen Kulturhäusern unterzubringen», erklärt Marc Schwegler den Zusammenhang lokal-national. Anders gesagt:

«Es ist der Versuch, regionale Gruppen und Produktionen in das nationale Netzwerk einzuspeisen.»

Mit den knappen Subventionsgeldern wäre die Gastspielförderung so nicht möglich.

Luzerner sollen sich mehr für modernes Theater interessieren

Mit dem Beitrag der Ernst Göhner Stiftung soll zum andern ein regelmässiges Vermittlungsprogramm lanciert werden. Schwegler: «Für zeitgenössische Produktionen ist der Südpol in der Zentralschweiz ein einzigartiges Haus. Aber noch ist das Publikum zu wenig interessiert, dass es uns die Türen einrennen würde.» Also will man unter anderem mit Workshops und weiteren spezifischen Info-Akzenten versuchen, dem lokalen Publikum den Zugang zu zeitgenössischen Theater- und Tanzprojekte zu erleichtern. Die Leute sollen an Themen, Ästhetik-Vorstellungen und Formate herangeführt und darauf neugierig gemacht werden. «Das ist sicher ein längerfristiger Prozess», ist sich Marc Schwegler allerdings bewusst.

Neuer Vorstand – aber in Unterbesetzung

Der Südpol-Vorstand wurde zwar völlig neu besetzt, doch bereits zeichnet sich eine längere Abwesenheit von zwei Mitgliedern ab: Ursula Hildebrand wird den schon vor ihrer Wahl angekündigten Atelieraufenthalt in Buenos Aires antreten und sechs Monate nicht zur Verfügung stehen. Auch Vizepräsidentin Selina Beghetto wird ab August drei Monate auf Reisen gehen und im Frühling drei Monate einen Atelieraufenthalt in Bukarest absolvieren. Wenn ein Vorstand mit aktiven Kulturschaffenden besetzt sei, müsse man solche Veränderungen in Kauf nehmen, sagt Marc Schwegler, Präsident des Vereins Südpol. «Klar, wir brauchen alle Kräfte. Ideal ist es nicht.» Man prüfe nun Optionen für Vertretungen. (pb)