KUNST: Der «Klotz» steht jetzt in Zürich

Verkehrte Welt: Luzern hat entschieden, auf einen Klotz auf der Allmend zu verzichten. Dafür steht in Zürich einer – definitiv.

Alexander von Däniken
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Oben: Der 28 Tonnen schwere Klotz «La silence» des Zürcher Künstlers Ödön Koch im Quartier Witikon in Zürich. (Bild: Sabina Bobst)

Oben: Der 28 Tonnen schwere Klotz «La silence» des Zürcher Künstlers Ödön Koch im Quartier Witikon in Zürich. (Bild: Sabina Bobst)

Was war das für ein Theater damals in Luzern. Ein Rückblick: Im Rahmen des Neubaus der Swissporarena und der Messehallen wurde ein Ideenwettbewerb veranstaltet, um den Vorplatz mit einem Kunstwerk zu verschönern. Anfang Februar 2011 ging der Klotz des Künstlers Felix Kuhn als Sieger hervor. Die Jury lobte in ihrem Bericht den «mutigen, subtil-subversiven Ansatz» des 120 000 Franken teuren und 500 Tonnen schweren Kubus aus Stahl, Glas und Beton.

«Affront» und «Schandfleck»

Doch kurz darauf hagelte es Kritik. Markus Lauber, Geschäftsleiter der Messe Luzern AG, bezeichnete den Klotz als «Affront», er verstelle die Sicht auf das Messegebäude. Auch der FC Luzern störte sich am vorgesehenen Standort. Und die Bevölkerung bezeichnete den Klotz als «Schandfleck». Selbst die Jury war sich ihres überschwänglichen ersten Urteils nicht mehr sicher – und stürzte am 19. Oktober 2011 den Klotz. Begründung: Der Künstler habe sein Werk künstlerisch nicht weiterentwickelt. Am 26. Oktober hat der Stadtrat den Klotz offiziell beerdigt.

Grünes Licht für «Monumentalität»

Anders in Zürich. Im Quartier Witikon steht – mitten auf einer Wiese und mit bester Aussicht auf den Zürichsee – ein 28 Tonnen schwerer Klotz aus Jurakalk. Die Skulptur gilt laut dem Stadtrat in ihrer «hermetischen Monumentalität» als wichtigstes Werk des Zürcher Künstlers Ödön Koch («Tages-Anzeiger» vom Montag). Im November 2010 hatte die Stadt den Klotz für 30 000 Franken erworben – und kürzlich den jetzigen Standort definitiv bewilligt.

Über das Aussehen des «La silence» (Die Stille) genannten Klotzes lässt sich diskutieren (siehe Hauptbild). Wie wohl die Luzerner darüber geurteilt hätten? Einen Hinweis lieferte die erste Reaktion des Luzerner Künstlers Felix Kuhn nach dem abschlägigen Entscheid der Jury und des Stadtrats. «Vielleicht habe ich zu viel Rücksicht genommen und war zu wenig radikal», sagte er damals (Ausgabe vom 28. Oktober 2011). Mangelnde Radikalität ist dem Zürcher Künstler Ödön Koch nicht vorzuwerfen: Sein Klotz ist in der Einfachheit kaum zu überbieten.

Kritik aus Witikon ist übrigens keine bekannt. Und selbst wenn es sie gäbe, dürfte das Koch kalt lassen. Er ist 1977 gestorben.