KUNST: Galerie Fischer legt den Hammer beiseite

Das Luzerner Auktionshaus Fischer will vorläufig keine Versteigerungen mehr durchführen. Grund: Die Nachfrage ist stark gesunken.

Stefan Dähler
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Kuno Fischer (vorne rechts) während einer Auktion von Kunstgegenständen. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Kuno Fischer (vorne rechts) während einer Auktion von Kunstgegenständen. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Sie ist eines der führenden Kunstauktionshäuser in Europa und laut eigenen Angaben das älteste der Schweiz – die Galerie Fischer. Regelmässig organisierte das Familienunternehmen mit Sitz an der Luzerner Haldenstrasse aufsehenerregende Versteigerungen. Erst vor einem Monat kamen in der Messe Luzern Oldtimer unter den Hammer (Ausgabe vom 29. Mai). Letztes Jahr wurde bei einer Auktion die Skulptur «Föhn» von Hans Erni für 58 000 Franken verkauft – der höchste je erzielte Preis für ein Werk Ernis (Ausgabe vom 19. Juni 2015).

Dieses Jahr wird die Galerie Fischer jedoch keine Versteigerungen mehr durchführen. In fernerer Zukunft seien zwar wieder welche möglich. Grundsätzlich werde sich das Unternehmen aber auf andere Geschäftsfelder konzentrieren. Das geht aus einem Schreiben des Geschäftsführers Kuno Fischer an seine Kunden hervor. «Wir fokussieren nun vor allem auf Private Deals», führt dieser auf Anfrage unserer Zeitung aus. Das heisst, man vermittelt zwischen Privaten, die Werke verkaufen wollen, und interessierten Käufern oder Museen. Meist handelt es sich bei den Werken um Gemälde. Für die Vermittlung erhält die Firma – wie bei einer Auktion – eine Kommission.

Verlagerung in grosse Städte

Die sogenannten Private Deals seien kein neues Geschäftsfeld. Man war in diesem Gebiet immer schon aktiv. Private Verkäufe hätten in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. «Viele Kunden scheuen die grosse Aufmerksamkeit, die eine Auktion generiert», sagt Fischer. Zwar habe man bei Versteigerungen für «wichtige Objekte» immer höhere Preise erzielen können. «Für kunstgewerbliche Werke, Möbel, Stiche, Teppiche, Ikonen, Schmuck oder Werke weniger bekannter Künstler hat die Nachfrage jedoch stark nachgelassen.» Die Organisation einer Auktion sei stets mit grossem Aufwand verbunden. Dies vertrage sich jedoch nicht mit der Konzentration auf die Private Deals. «Da sich der Kunstmarkt in grosse Zentren wie New York, Hongkong, London und Paris verlagert hat, muss man viel unterwegs sein.» Zudem sei es bei den Private Deals wichtig, sich noch ausführlicher mit einem Kunstobjekt zu beschäftigen, damit der Verkäufer einen guten Preis erhält und der Käufer möglichst viel über das Werk weiss. «So hat man nicht mehr die Zeit, Auktionen vorzubereiten.»

Dass Fischer in Zukunft wieder Versteigerungen organisiert, sei aber dennoch möglich. «Wir werden uns dabei aber vor allem auf die bildende Kunst und hochpreisige Objekte konzentrieren.» Ob es nochmals eine Oldtimer-Versteigerung geben wird, lässt Fischer offen.

Vier Stellen fallen weg

Durch die Konzentration auf die Private Deals gehen bei der Galerie Fischer vier Stellen verloren, zwei davon Teilzeitstellen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen zehn Personen, die aber teils in sehr kleinen Pensen angestellt sind. Gewinn- und Umsatzzahlen gibt Fischer keine bekannt. Den Auktionsraum könne man weiterhin nutzen. «Dort können wir Bilder, die wir vermitteln wollen, präsentieren. Die Fläche ist aber auch als Arbeitsraum nutzbar.» Dass dort in Zukunft vereinzelt auch wieder Auktionen stattfinden, sei nicht auszuschliessen. «Wir müssen aber offen sein. Man muss Auktionen dort durchführen, wo man die besten Resultate erzielt.» Je nachdem könne dies auch Zürich, Genf oder eine Stadt im Ausland sein, allenfalls in Kooperation mit anderen Unternehmen. Ein Wegzug aus Luzern sei aber kein Thema, betont Fischer.

«Wir erzielen hohe Preise»

Wie sieht es bei anderen Schweizer Kunstauktionshäusern aus? «Die Auktionen laufen gut, wir erzielen hohe Preise», sagt Cyril Koller, Geschäftsführer von Koller Auktionen Zürich. «Das Problem ist eher, gute Objekte zu finden.» Dies habe verschiedene Gründe. So seien die Verkäufer zurückhaltender geworden, zudem sei die Konkurrenz gross. Letzteres bestätigt Jules Lang, Co-Geschäftsführer des Auktionshauses Zofingen.

Weiter habe sich der Markt in den letzten Jahren verändert: «Der Kunde erwartet viel mehr Serviceleistungen», sagt Lang. Er bestätigt Kuno Fischers Erfahrungen: «Die Sammler wollen weniger Objekte, dafür haben sie einen höheren Qualitätsanspruch.»

Stefan Dähler