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KUNST: Heiliger Antonius soll ins Stadthaus

Die Schlusstafel eines wertvollen Bildzyklus hing 35 Jahre in einer privaten Wohnung. Die Besitzerin will sie jetzt der Stadt Luzern verkaufen – doch diese zögert.
Hugo Bischof
Das Meglinger-Bild in der Wohnung von Marie-Madeleine Henseler. Der Ausschnitt unten zeigt Klara von Assisi mit den heilenden Augen. (Bilder Nadia Schärli)

Das Meglinger-Bild in der Wohnung von Marie-Madeleine Henseler. Der Ausschnitt unten zeigt Klara von Assisi mit den heilenden Augen. (Bilder Nadia Schärli)

Der heilige Antonius, eine engagierte Luzerner Kunsthändlerin, der Luzerner Denkmalexperte Ueli Habegger sowie Kaspar Meglinger, Schöpfer der berühmten Totentanzbilder auf der Luzerner Spreuerbrücke: Das sind die Protagonisten einer Geschichte, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann.

Doch beginnen wir von vorn. Da ist dieses wunderbare Öl/Tempera-Gemälde mit der auf einer Wolke sitzenden Muttergottes, umgeben von Heiligen. Seit nunmehr 35 Jahren hängt es im Wohnzimmer eines Privathauses in Sursee, das stilvoll eingerichtet ist – mit sakralen Objekten, antiken Möbeln, alten Bildern. Hausherrin ist Marie-Madeleine Henseler-Wyder. Sie lädt uns mit grosser Freundlichkeit in ihr privates Kunstreich ein.

Künstler malte auch Totentanz

Noch bis vor vier Jahren führte Marie-Madeleine Henseler-Wyder an der Stift­strasse 4 in Luzern ein Antiquitätengeschäft. Ihr Nachfolger hatte weniger Glück und musste das Geschäft schliessen. Heute ist dort ein Hutladen. Sie habe nicht alle Kunstgegenstände, die in ihren Besitz kamen, weiterverkaufen wollen, erzählt sie. Einige Lieblings­stücke habe sie für sich behalten. Darunter eben dieses Gemälde, von dem jetzt die Rede sein soll.

Es handelt sich um die Schlusstafel des Bildzyklus «Antonius, der Eremit», geschaffen von Kaspar Meglinger (1582–1670), der auch die berühmten Totentanzbilder auf der Luzerner Spreuerbrücke malte. Da kommt nun Ueli Hab­egger ins Spiel, bis 2007 Leiter Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern. Er kennt sich mit der Geschichte solcher Kulturgüter wie kein Zweiter aus. Dass es sich hier um ein spezielles Gemälde handelt, war ihm sofort klar, als ihn Marie-Madeleine Henseler-Wyder um Rat bat. Meglinger schuf den Bildzyklus «Antonius, der Eremit» und eine verwandte Bildfolge «Antonius von Padua» in den Jahren 1642/43, also nach dem Spreuerbrücke-Totentanz (1626–37).

Bilder zwischenzeitlich verschollen

Die beiden Zyklen schmückten ursprünglich die beiden Kreuzgänge, die sich südlich an die Franziskanerkirche bis zur Stadtmauer am Hirschengraben anschlossen und Teil des Barfüsser­klosters waren – noch gut sichtbar auf dem Martini-Stadtplan von 1597, aber auch auf dem Von-Schumacher-Plan von 1792. Beim Abbruch der Kreuzgänge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor sich die Spur der Bilder. Wo sie zwischenzeitlich eingelagert wurden, ist nicht ganz klar. 1980 entdeckte ein Mitglied des damaligen Luzerner Bürgerrates im Keller des Pflegeheimes Dreilinden gemäss seinen eigenen Angaben «dunkles, altes Zeug». Dieses entpuppte sich als die lange vermissten Antonius-Bilder. Zehn davon wurden an einer Auktion der Galerie Fischer verkauft.

1995 tauchten die zehn Bilder erneut in einem Fischer-Katalog auf. Habegger, damals städtischer Denkmalpfleger, sah dies. Auf seinen Rat hin kaufte die Stadt Luzern sie vor Auktionsbeginn – dank einer anonymen Geldspende. Heute hängen die zehn Tafeln im zweiten Obergeschoss des Heilig-Geist-Spitals im Stadthaus an der Obergrundstrasse 1.

Beim Bild im Besitz von Henseler-Wyder handelt es sich gemäss Habegger «unzweifelhaft um die Schlusstafel des Bildzyklus ‹Antonius, der Eremit›». Marie-Madeleine Henseler-Wyder erwarb es 1981 von Margaretha Kopp, die ihrerseits am Weinmarkt 17 in Luzern ein Antiquitätengeschäft führte, inzwischen aber verstorben ist. «Frau Kopp verkaufte mir das Antonius-Bild unter der Bedingung, dass ich es nur in gute Hände weiterreichen würde», so Henseler-Wyder heute.

Jetzt ist es so weit. «Das Bild soll in den Besitz der Stadt übergehen und mit dem ursprünglichen Bildzyklus zusammengeführt werden», sagt Marie-Madeleine Henseler-Wyder. Den Preis will sie nicht nennen. Er soll unwesentlich höher sein als der, den sie selber 1981 dafür bezahlte. Man liegt wohl nicht völlig falsch, wenn man von einer tiefen fünfstelligen Summe ausgeht.

Wie finanziert die Stadt den Kauf?

Die Stadtluzerner Denkmalpflegerin Theresia Gürtler Berger bestätigt, dass der Stadt aktuell eine Anfrage für den Kauf eines Bildes vorliege. Dazu seien aber weitere Abklärungen notwendig. Aus Vertraulichkeitsgründen könne sie zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen. «Wir sind am Abklären», sagt auch die städtische Kultur- und Sportchefin Rosie Bitterli. Einen speziellen Fonds, aus dem die Stadt einen solchen Bildkauf finanzieren könne, gebe es nicht. «Wann der letzte derartige Kauf war, ist mir nicht bekannt», sagt Bitterli. «Das kommt sehr selten vor – das ist nicht Hauptaufgabe unserer Stadtverwaltung.»

Hugo Bischof

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