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KUNST: In Kriens die Welt entdecken

Das Museum Bellpark wird 25 Jahre alt. Der gute Ruf reicht inzwischen bis an die Biennale in Venedig.
Julia Stephan
Kurator Hilar Stadler im Museum Bellpark in Kriens. (Bild Nadia Schärli)

Kurator Hilar Stadler im Museum Bellpark in Kriens. (Bild Nadia Schärli)

Julia Stephan

Das Museum Bellpark in Kriens entspricht so gar nicht dem Klischee eines Ortsmuseums. Keine in die Jahre gekommene Dauerausstellung, die mit rostigen Sensen oder Ungeheuern aus Stahl an die landwirtschaftliche und industrielle Vergangenheit der Gemeinde erinnert. Stattdessen eine helle, freundliche Villa, gelegen im grünen Lungenflügel von Kriens, dem Bellpark. Vier Dauerausstellungen konzipiert das Haus unter seinem Kurator Hilar Stadler jährlich. Dass der Mann dem Haus seit 20 Jahren die Treue hält, sei, so verrät er uns zum Jubiläum, eigentlich ein «Betriebsgeheimnis.»

Kurator mit gutem Riecher

Dem Haus stehen jährlich rund 500 000 Franken für den Betrieb zur Verfügung, die Gemeinde Kriens ist mit jährlich 300 000 Franken grösste Geldgeberin. Neben Stadlers Aufgabe, im lokalgeschichtlichen Archiv die Entwicklung der Gemeinde mit Fotografien und Plänen zu dokumentieren, erweitert der Kurator seit Jahren eine Sammlung mit Schweizer Zeichnungen. Da die Kunstankäufe nur mit Stiftungsgeldern bewältigt werden können, hat dieser Sammlungsschwerpunkt auch ökonomische Gründe. Dass manche Zeichnungen inzwischen auch an deutsche Museen ausgeliehen werden, bürgt jedoch für den guten Riecher des Kurators, der Zeichnungen nur als Werkgruppen kauft.

Keiner von Stadlers Ausstellungen ist von Dauer. Das macht dieses Haus, das mit 6395 Besuchern im Jahr 2015 eher kleine Brötchen backt und von den Tourismusströmen der Region nicht profitieren kann, zu einem diskursfreudigen und oft unterschätzten Think Tank. Die Ursache für diese Entwicklung liegt in einem Manko. Als sich die Krienser 1991 ihren seit den 1950ern gehegten Traum vom eigenen Ortsmuseum mit der Zustimmung aller Parteien erfüllten und in der ursprünglich im Besitz der Bell-Dynastie befindlichen Villa «Florida» ein Haus eröffneten, das sich neben der Ortsgeschichte gleichermassen mit Kunst und Fotografie beschäftigte, besass Kriens noch gar keine Sammlung, mit der die Gemeinde ihr Museum hätte füllen können. «Und ausgerechnet die grossen Maschinen, die für die industrielle Vergangenheit der Gemeinde hätten bürgen können, hatten in der bürgerlichen Villa keinen Platz», erinnert sich Otto Durrer, Präsident des Trägervereins.

Internationale Ausstrahlung

Architekt Durrer war es auch, der Anfang der 1990er-Jahre den Umbau der Villa in ein Ortsmuseum in die Hände nahm, zusammen mit dem ersten Kurator Markus Britschgi, dem ehemaligen Leiter des Talmuseums Engelberg. Zeitweise war der Bellpark auch Geschäftssitz der Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern (Fotodok). Noch heute verwaltet das Haus die Nachlässe der lokalen Fotografen Emil Kreis (1869–1929) und Otto Pfeifer (1914–1999).

Dieser Mut zur Lücke hat sich heute als Trumpf erwiesen. Dauerausstellungen lassen Kuratoren wenig Spielraum, was Besucherströme rasch versiegen lässt. Startete man 1991 noch traditionell mit Dorfansichten der Gemeinde, ist es heute eine von Stadlers Spezialitäten, Krienser Lokalgeschichte mit der Weltgeschichte auf kluge Weise diskursiv zu verzahnen. «Ich schaue mit der Lupe ganz genau auf eine Stelle von Kriens, und plötzlich wird das Thema auch für Auswärtige interessant», erzählt der in Luzern geborene Kunsthistoriker. Die 2007 im Bellpark gezeigten Fotografien des Schweizer Luftfahrtpioniers Eduard Spelterini (1852–1931) fanden sogar Eingang in die Biennale Venedig.

Stadler hat so illustre Namen wie das Künstlerduo Lutz/Guggisberg nach Kriens gebracht. Doch er stellt nicht nur aus. Kunst ist für ihn auch eine Diskurszuflüsterin. «Unsere Ausstellung ‹Die erste Autobahn der Schweiz› 1998 wäre ohne die Inspiration durch Künstler wie Fischli/Weiss oder das berühmte Highway-Künstlerbuch eines Ed Ruscha nie zu Stande gekommen», sagt Stadler.

In den USA ausgestellt

Mit der Ausstellung «Las Vegas Studio» (2008/09) sei es ganz ähnlich gewesen. Das von Stadler ausgegrabene Archivmaterial über das 1968 von den amerikanischen Architekten Robert Venturi und Denise Scott Brown unternom­mene «Las-Vegas-Projekt» wanderte schliesslich von Kriens bis nach Frankfurt und Chicago in die Graham Foundation. Angeknüpft hatte Stadler auch da vor der eigenen Haustüre: «Es ging mir um die Auseinandersetzung mit einer Agglo-Gemeinde wie Kriens, um diesen urbanen Zustand, in dem die Hierarchisierung fehlt», sagt er. «Die Sicht der Amerikaner half mir zu verstehen, warum wir in Kriens dieses Stadtbild besitzen.» Es ist genau diese vernetzte Denkweise, mit der Stadler eine Gemeinde wie Kriens ganz nah und völlig unerwartet mit der weiten Welt zusammenrücken lässt.

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