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Kunstausstellung in Entlebuch: Warum der Miststock mehr Wertschätzung verdient hat

Im Businesspark Aentlebuch wird am Samstag eine Ausstellung eröffnet. Das Thema ist unkonventionell und soll die Gäste zum Nachdenken anregen.

Fabienne Mühlemann
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Was haben ein Miststock und eine Kathedrale gemeinsam? Gar nichts, werden sich die meisten denken. Doch es gibt eine Verbindung. Und zwar findet man sie im Businesspark Aentlebuch in der Gemeinde Entlebuch. In einem Raum im sechsten Stock haben sich sieben Künstler zusammengetan und eine Ausstellung zum Thema Miststock auf die Beine gestellt, welche am Samstag, 10. Oktober, eröffnen wird.

Keine Angst: Einen echten, stinkenden Miststock findet sich hier nicht. Das Aushängeschild ist vielmehr die sogenannte Kathedrale, ein quasi quaderförmiges Objekt in der Grösse von 2,4 Meter auf 4 Meter und mit einer Höhe von 2 Metern. Sie hat 150 farbige Fenster – sogenannte Linolschnitte – und wird von innen beleuchtet.

Die Kathedrale steht dominant in der Mitte des Ausstellungsraums.

Die Kathedrale steht dominant in der Mitte des Ausstellungsraums.

Bild: Eveline Beerkircher (Entlebuch, 8. Oktober 2020)

Doch warum eine Kathedrale in einer Miststock-Ausstellung? Joe Koller, Druck-Künstler des Septetts, klärt auf: «Der Miststock ist für viele etwas Stinkendes. Mit der Kathedrale wird er auf eine ästhetische Ebene gehoben.» Doch schlussendlich wollen sie gar nicht zu viel hineininterpretieren, dies soll den Besuchern überlassen werden. «Wir sind sehr gespannt, wie sie darauf reagieren», so Künstler Kurt Erni.

Mist wird unterschiedlich interpretiert

Für das Thema der Ausstellung haben sie sich nach einem Brainstorming entschieden. «Der Miststock ist für die Bauern Gold wert, da er ein guter Dünger ist», sagt Erni. Ausserdem sei es etwas, was im Entlebuch vor vielen Scheunen zu finden sei und deshalb mehr Wertschätzung verdiene. Als das Thema feststand, hatte jeder der sieben Künstler eine eigene Interpretation daraus abgeleitet und Objekte für die Ausstellung entworfen – denn für jeden bedeutet «Mist» etwas anderes. Einzig die Kathedrale, die haben sie alle zusammen gestaltet.

Der Hahn auf dem goldenem Miststock, kreiert von Kurt Erni.
7 Bilder
Blick in den Ausstellungsraum.
Das Innere der Kathedrale. «Kuhhörner» wurden an die Decke gehängt.
Material, das in Kuba ans Meer geschwemmt wurde.
Holzschnitte mit verschiedenen Druckplatten.
Von Kuba inspirierte Gemälde.
Der Güggel unterschiedlich in Szene gesetzt.

Der Hahn auf dem goldenem Miststock, kreiert von Kurt Erni.

Bild: Eveline Beerkircher (Entlebuch, 8. Oktober 2020)

Das sind die sieben Künstler

-Joe Koller: Er hat als Druck-Künstler Farbholzschnitte mit einem Miststock-Muster kreiert, die durch unterschiedliche Farben verschiedene Stimmungen erzeugen.

-Kurt Erni: Er hat aus Armierungseisen Güggel-Skulpturen entworfen und das Tier auch gemalt.

-Nazir Amir: Der Fotograf stammt aus Syrien und hat neben diversen Bildern auch ein Video für die Ausstellung erstellt.

-Johannes Bigler: Der Musiker und Maler wird selbstgemalte Bilder und auch eine CD präsentieren.

-Michelle Felder: Die einzige Frau im Bunde hat eine junge Frau mit dem Strohmotiv fotografiert.

-Ruedi Sorg: Hat seine Bilder der Landschaftsmalerei gewidmet - und Gebäuden eine Miststockgabel verpasst.

-Andy Schnelli: Er hat kubanischen Künstlern die Idee «Miststock» übermittelt und ihre Kunstwerke sowie Abfall aus dem Meer und Schwemmholz aus Kuba mitgebracht.

Die sieben haben allesamt ihr Atelier im Businesspark Aentlebuch, weswegen sie sich vor rund einem Jahr zur Künstlervereinigung «ArtAentlebuch» zusammenschlossen. Ihre gemeinsame Ausstellung sehen sie als Erweiterung des Kunstangebots im Entlebuch. Erni sagt:

«Zwar hat die Kunst im Entlebuch in der Form von Musik eine grosse Bedeutung. Aber der gestalterische Bereich muss noch wachsen.»

Aus diesem Grund haben sie für die Ausstellung auch Schulklassen eingeladen. Mittlerweile hätten sich zehn Klassen angemeldet. Diese dürfen während ihres Besuchs Aufgaben lösen und selber Objekte bemalen oder kopieren. Weiter gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. So begleiten zum Beispiel d'Äntlibuecher Hötteörgeler, ein albanisches Duo, Luca Giacobini als DJ oder Musiker, welche im Raum unterrichtet werden, die Ausstellung musikalisch. «Wegen der Coronapandemie war es schwierig, Chöre oder Bands zu finden, die auftreten möchten. Insbesondere, weil diese nicht häufig proben konnten», erklärt Kurt Erni. «Umso glücklicher sind wir, dass wir trotzdem so ein tolles Rahmenprogramm zusammenstellen konnten.»

Viele Spenden zusammengekommen

Für die Ausstellung selber haben die sieben ein Schutzkonzept erarbeitet. So gilt an der Vernissage Maskenpflicht, im Lift gibt es eine Personenbegrenzung. In der Ausstellung werde man je nach Gästeanzahl individuell handeln. «Da der Raum 400 Quadratmeter gross ist, sollten sich die Leute gut verteilen können», sagt Joe Koller.

Trotz – oder gerade wegen Corona – seien ausserdem viele Spenden von regionalen Akteuren für die Ausstellung zusammengekommen. «Die Rückmeldungen waren unglaublich. Alle fanden es super, was wir auf die Beine gestellt haben», sagt Koller. Mit ihrem eigenen Budget und dem Sponsoring müssen sie nun nichts drauflegen. Und den Raum hat ihnen der Businesspark Aentlebuch seit einem Jahr gratis zur Verfügung gestellt. Kurt Erni sagt: «Der Aufwand, den wir für die Ausstellung geleistet haben, hat sich aus meiner Sicht bereits jetzt schon gelohnt.»

Hinweis: Die Ausstellung läuft vom 10. bis 24. Oktober. Weitere Infos unter www.artaentlebuch.ch.