Kunstmaler Charles Wyrsch hat das Leben und sich selber schonungslos befragt

Der Innerschweizer Kunstmaler Charles Wyrsch würde am Sonntag seinen 100. Geburtstag feiern. Er starb letztes Jahr.

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Charles Wyrsch mit 96 Jahren vor einem Selbstporträt und einem Bild seiner schon verstorbenen Frau Edith.

Charles Wyrsch mit 96 Jahren vor einem Selbstporträt und einem Bild seiner schon verstorbenen Frau Edith.

Bild: Romano Cuonz (5. März 2016)

(bec/are) Charles Wyrsch gilt als unkonventionelle Persönlichkeit der hiesigen Kunstszene und war nach dem Tod von Hans Erni deren Doyen. Sein Werk ist genauso markant, wie es seine Persönlichkeit war. Auch optisch zog er die Aufmerksamkeit auf sich, wenn er sich bei Vernissagen oder andere Kulturanlässen zeigte. Als freundlicher Herrn, meist in Schwarz mit Hut und Gehstock; so kannte man ihn. Und so bleibt er auch dank vielen Selbstporträts in Erinnerung.

Auch Schicksalsschläge prägten sein Leben

1920 geboren, verlor er früh seine Mutter und wuchs bei seinen Grosseltern in Buochs auf. Später besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern, studierte an der Ecole des Beaux-Arts in Genf und ab 1949 in Paris.

Zurück in der Schweiz heiratete er Edith Hug und hatte mit ihr zwei Söhne und eine Tochter. Letztere starb mit drei Jahren bei einem Unfall. Der Schicksalsschlag beeinflusste auch das bekannteste Werk von Charles Wyrsch – die«Kreuzwegstationen» in der Piuskirche Meggen. Zu seinen vielen Ausstellungen gehörten mehrere im Kunstmuseum Luzern oder diejenige im Bellpark zu seinem 90. Geburtstag. Bereits 1980 erhielt Wyrsch den Kunst und Kulturpreis der Stadt Luzern und 1995 den ersten Krienser Kulturpreis. Denn in Kriens lebte und arbeitete er von 1971 bis zu zum Tod.

Charles Wyrsch malte Landschaften, Stillleben, Akte und besonders Selbstporträts. In vielen Zeichnungen und Malereien hat er seinen Kopf abgebildet: frontal mit Hut, Brille und weissem Bart oder seitlich mit bleicher Stirn und dunklen Augenhöhlen. Darin manifestiert sich keinerlei Narzissmus, sondern schonungslose Selbstbefragung. Er stellte sich den existenziellen Fragen, ohne etwa das Leiden auszublenden. Auch die Passion gehörte, neben anderen christlichen Motiven, zu seinen Themen. Obwohl er nicht als Avantgardist galt und darum vielleicht auch unterschätzt wurde, hat er ein bedeutendes, eigenständiges Werk hinterlassen.

Bilder von Charles Wyrsch sind auf verschiedenen Plattformen zu sehen. So unter www.sikart.ch (Suche mit Künstlernamen).

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