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Rettungsaktion für Kunst-Videos im Luzerner Kunstmuseum

Das Kunstmuseum Luzern hat Videokunst aus den 1970er-Jahren digitalisiert – und macht sie nun fürs Publikum sichtbar.
Romano Cuonz
Aktuell im Kunstmuseum: «Vom Band zum Byte. Digitalisierung der Videosammlung». (Bild: Marc Latzel/PD)

Aktuell im Kunstmuseum: «Vom Band zum Byte. Digitalisierung der Videosammlung». (Bild: Marc Latzel/PD)

Ein halbdunkler Raum: darin flimmernde Bildschirme und verblichene Leinwände, ein Wirrwarr von Tönen, und Filme, abgespielt auf zahllosen aus heutiger Sicht völlig antiquierten Geräten. Dies das geisterhaft anmutende Szenario der aktuellen Ausstellung «Vom Band zum Byte» im Luzerner Kunstmuseum. Direktorin Fanni Fetzer dazu: «Mit so viel Geräten und Technik mag die Ausstellung zur Digitalisierung unserer Videosammlung etwas spröde wirken, trotzdem ist sie durchaus vergnüglich.»

Das Bewahren der museumseigenen, reichen Videosammlung aus den 1960er- bis 1980er-Jahren für kommende Generationen sei ein tolles und vor allem auch mehrjähriges Projekt. «Und überdies erlaubt uns diese aufwendige Arbeit auch einmal, die Aufgabe des Konservierens sichtbar zu machen, die sonst für Politik und Publikum kaum unmittelbar erkennbar ist», sagt Fetzer. Das Sammeln und Konservieren aber sei der Grund, warum es Museen überhaupt gebe.

«Mit Abspielgeräten und Kameras für Videoproduktionen kam in den 1960er-Jahren ein vollkommen neues Medium auf», erklärt Eveline Suter. Zusammen mit ihrer Kollegin Alexandra Blättler betreut sie als Kuratorin diese Ausstellung. Eveline Suter erzählt:

«Neugier auf die Technik hat damals viele Künstler dazu animiert, entweder Performances eigens für Video aufzuführen oder aber Werke, dank diesem neuen Medium, min­destens sicht- und haltbar zu machen.»

Auch das Luzerner Kunstmuseum habe solch «neue Kunst» schon ab den 1960er-Jahren angeschafft. Wer sich an den legendären Sammelfleiss des damaligen Direktors Jean-Christophe Ammann erinnert, ist darüber kaum erstaunt.

Allerdings: in der Zwischenzeit hat die rasante technische Entwicklung sowohl Filmformate wie Abspielgeräte veralten lassen. «Damit unsere Kunstwerke weiterhin zugänglich bleiben, müssen wir sie in immer wieder erneuerbare Formen und Formate bringen», schildert Alexandra Blättler den immensen und oft äusserst diffizilen Digitalisierungsprozess, den sie minutiös begleitet hat. Die gegenwärtige Ausstellung mache es sich nun zur Aufgabe, das Resultat der von Fachstellen durchgeführten Digitalisierung sichtbar zu machen. Aber auch die zahlreichen Fragen und Probleme, die sich während des Medientransfers von Alt in Neu ergeben haben, verschweigt die Ausstellung nicht. So stellt sie etwa die Frage: Woran erkennt man, ob ein Film schon kopiert wurde und ob der Ursprung womöglich gar kein Videoband, sondern eine Filmrolle war? Die teils fast skurrile Schau der 1970er-Arbeiten hält Antworten bereit. Und sie thematisiert Digitalisierung. Nicht nur von Kunst, sondern auch unseres Alltags.

Besucherinnen und Besucher begegnen unterschiedlichsten Videokunstwerken. Bei früheren Videoarbeiten waren oft Geräte samt ihren Nachteilen Ausgangspunkt für interessante visuelle Ideen. Ein Beispiel dafür sind Videozeichnungen des Bündners Hannes Vogel zum Thema «Präsenz». Eveline Suter dazu:

«Dieser Künstler nutzt in Kurzfilmen das technisch bedingte Verharren des Bildes, um Raumzeichnungen mit Licht zu schaffen.»

Vogel kommentiert in der Ausstellung seine Arbeit via Kopfhörer gar selber. Auch zu Wort kommt die einzige Frau: die gebürtige St. Gallerin Silvie Defraoui. Ihre raumfüllende Installation «La traversée du siècle» ist nochmals aufgebaut worden. An den Wänden schweben Flaschen mit Papierschiffchen. Gefaltet aus Tagebuchseiten von Christoph Kolumbus. Auf einem Turm, der bis zur Decke reicht, projizieren alte, silbergraue Projektoren Filme des Vollmonds. Ein regelmässiges Blitzen markiert den Leuchtturm.

Einen anderen Zweck verfolgen die nahezu professionell aufgenommenen Filmsequenzen des Appenzeller Künstlers Roman Signer. «Seine meist explosiven Aktionen fanden oftmals ohne Publikum statt. Ihre Bekanntheit verdankten sie den Super-8-Filmen, die der Künstler davon gedreht und später per DVD verbreitet hatte», erklärt Konservatorin Eveline Suter. «Gerade Roman Signer boten Film und Video eine ideale Möglichkeit, seine Werke zu vermitteln und zu bewahren.»

«Vom Band zum Byte». Noch bis zum 24. November. Öffentliche Führungen mittwochs um 18 Uhr, sonntags um 11 Uhr. Infos auf www.kunstmuseumluzern.ch

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