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Theater Bagasch wagt kuriose Zeitreise durch die Jahrtausende

Im neuen Stück des Theater Bagasch überlebt die Ur-Familie Antrobus drei Katastrophen.
Yvonne Imbach
Das Theater Bagasch bei der Generalprobe. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 29. Oktober 2019)

Das Theater Bagasch bei der Generalprobe. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 29. Oktober 2019)

Der Originaltitel von Thornton Wilders Drama «Wir sind noch einmal davongekommen» lautet «The Skin of Our Teeth». Das Stück wurde 1942 uraufgeführt. Wilders Menschheitskomödie war eines der meistgespielten Werke der Nachkriegszeit. Es ist bemerkenswert, wie viel Aktualität auch 77 Jahre später in diesem Stoff zu entdecken ist.

Das Theater Bagasch hat das anspruchsvolle Stück ein Jahr lang erarbeitet und gestern Abend Premiere gefeiert. Unser Besuch tags zuvor an der Generalprobe bewies, dass die zwölf Spielerinnen und Spieler von Regisseur Dieter Ockenfels exzellent vorbereitet wurden und sich bravourös in ihre Figuren hinein gearbeitet haben.

Mr. Antrobus erfindet das Rad und das Alphabet

Die Geschichte dreht sich um die Familie Antrobus. Zwei Kinder, ein Haus und ein Dienstmädchen stehen für den amerikanischen Lebensstil – und zugleich für die ganze Menschheit. Mr. Antrobus erfindet das Rad, das Alphabet sowie das Bierbrauen und lässt sich vom Dienstmädchen Sabina verführen, was seine Frau souverän übersieht. Sie nämlich ist die Ur-Mutter, für das Überleben zuständig. Sie beschützt ihre Familie. Die Protagonisten stammen aus dem Heute.

Doch der Umstand, dass sie sich einen Dinosaurier und ein Mammut als Haustiere halten und sich mit eisigen Temperaturen die Eiszeit im August ankündigt, verleiht dem Stück eine herrlich bizarre Note. Familie Antrobus überlebt aber nicht nur die Eiszeit. Pünktlich zum 5000. Hochzeitstag kommt die Sintflut über die Welt. Unsere Ur-Familie kann sich auf Noahs Arche retten. Die dritte, grosse Katastrophe ist schliesslich der Zweite Weltkrieg. Nach Kriegsende finden sich alle Familienmitglieder mit ihren Verwundungen wieder im alten Zuhause ein.

«Was will uns Wilder sagen?»

Mag sein, dass sich ein Teil der Zuschauer nicht gleich zurechtfindet. Schliesslich greifen die historische und die gegenwärtige Zeit ständig ineinander, was eine gewisse Komik mit sich bringt. Das Schauspiel ist ausserdem in die Rahmenhandlung einer Theaterprobe eingebettet.

«Ich habe mich bei der Lektüre des Stücks oft gefragt, was uns Wilder eigentlich sagen will, und wie ich die Symbolik dahinter zeigen kann», sagt Dieter Ockenfels. «Wilder wollte, dass man herausfinden muss, was er in Parabeln ausdrückt.» Er habe nicht wissen können, wie aktuell seine aufgegriffenen Probleme 80 Jahre später noch sind. «Statt Eiszeit ist es die Klimaerwärmung», führt Ockenfels weiter aus. Der Theaterabend birgt einige Aha-Effekte.

Hinweis Aufführungen: Heute um 20 Uhr. 1. November 15 und 20 Uhr. 2. November 20 Uhr. 3. November 17 Uhr. Theater Pavillon Luzern. Tickets: www.bagasch.ch

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