KURS FÜR ERWACHSENE: Ältere Modelle basteln sich neue Modelle

Es ist kalt, dunkel und still da draussen. Doch im Le Théâtre in Kriens brennt noch Licht. Und es ist geschäftig. 20 Leute haben sich hier eingefunden, um einen echten Luzerner Fasnachtsgrind zu basteln.

Drucken
Teilen
Spontaner Entschluss: Franziska und Jörg Enzmann. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Spontaner Entschluss: Franziska und Jörg Enzmann. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Es wird einem sonst sofort und vehement der Fachbegriff eingebläut. Verantwortlich für die Bastelstunde für Erwachsene ist das Maskenkomitee, eine Untergruppe des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK). Es ist das erste Mal, dass ein solcher Kurs für Erwachsene angeboten wird. Normalerweise arbeitet das Maskenkomitee mit Schulkindern und Jugendlichen. «Der Gedanke, einen solchen Anlass für Erwachsene zu machen, war schon lange da», sagt Andreas Härry, Pressechef des LFK. Nun habe man eine Gruppe kompetenter Fachleute zusammengebracht, welche diesen Kurs leiten. Darunter Urs Krähenbühl. Der Luzerner Künstler ist auch für die Gestaltung der Luzerner, Krienser und Emmer Fasnachtsplaketten verantwortlich. «Mich erstaunt die Kreativität der Teilnehmer», sagt Krähenbühl. «Die Leute sind mit Freude dabei und lernen extrem schnell.» Tatsächlich machen die Bastelnden nicht den Eindruck hilfloser Novizen.

Drei Kursabende
Locker, aber fokussiert wird geplaudert und grundiert. Der Dienstag ist der letzte von drei Kursabenden. «Drei Abende sind sehr knapp, um einen guten Grind zu basteln», sagt Kursleiter Basil Koch. Unter Kochs Führung steckte man sich für jeden Abend ein Ziel. Am ersten Abend wurden Tonmodelle erstellt und gekleistert. Am zweiten Abend wurden sie dem eigenen Kopf angepasst und individualisiert. Am letzten Abend gilt es, dem Werk noch Farbe zu geben und es mit Haaren, Hüten oder Stumpen auszustatten. Es ist kurz vor neun, als Kursleiter Koch die Gruppe um sich bittet. Alles wird abgelegt, es bildet sich ein geordneter Halbkreis um den Meister. Koch erklärt das Schattieren. Weniger ist mehr, empfiehlt er und demonstriert dies. Ein Aha-Erlebnis.

Die Grinde
Sofort wird das eben Gesehene am eigenen Objekt umgesetzt. Diese beginnen nun auch, konkrete Gestalt anzunehmen. Da ist das Schweinchen mit den langen Wimpern von Mark Imgrüt aus Horw. «Ich fragte zu Hause, was ich basteln soll», sagt Imgrüt. «Meine Tochter verlangte ein Säuli.» Das Ehepaar Franziska und Jörg Enzmann bastelt an blauen, Gorilla-ähnlichen Gestalten. «Wir haben ein Inserat gelesen und uns spontan entschlossen mitzumachen», sagt Jörg Enzmann. Auch ein gut gelaunter Peter Sauber lächelt da, mit Zigarre im Mund und einem kahlen Schädel. «Ich habe schon lange auf einen solchen Kurs gewartet», sagt Bruno Haas, Schöpfer des Grindes. «Als ich davon erfahren habe, meldete ich mich sofort an.»

LFK-Präsident Marco Imhof ist sich sicher: Nächstes Jahr werden es doppelt so viele Teilnehmer sein. Eine Frage konnte an diesem Abend aber weder Imhof noch sonst jemand der Organisatoren oder Teilnehmer beantworten: Wieso gibt es diesen Kurs erst jetzt?

Ismail Osman