Auslastung
«Potenzielle Bewohner verstorben»: Kurzarbeit in neun Luzerner Pflegeheimen

18 Abteilungen aus 9 Alters- und Pflegeheimen haben derzeit im Kanton Luzern Kurzarbeit angemeldet. Vor allem in den Restaurants arbeitet weniger Personal. Der Heimverband Curaviva spürt aber bereits Besserung.

Alexander von Däniken
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Folgenschwere Ansteckungen und rigorose Schutzmassnahmen haben in den letzten Monaten den Alters- und Pflegeheimen im Kanton Luzern zugesetzt. So sagt Nadja Rohrer, die im Vorstand des Heimverbandes Curaviva Luzern für die Kommunikation verantwortlich ist: «Grundsätzlich hat im Jahr 2020 die Bevölkerung eine Übersterblichkeit im fünften Lebensabschnitt aufgrund Corona hinnehmen müssen. Potenzielle Bewohnerinnen und Bewohner sind somit verstorben.» Die Situation in den 70 Pflegeinstitutionen präsentiere sich unterschiedlich. «Gesamthaft gesehen sind aktuell mehr Leerbetten zu verzeichnen als üblich.»

Eine Fachfrau Gesundheit desinfiziert ein Telefon, nachdem ein Bewohner Besuch erhalten hatte.

Eine Fachfrau Gesundheit desinfiziert ein Telefon, nachdem ein Bewohner Besuch erhalten hatte.

Bild: Philipp Schmidli

Das schlägt sich auf die Anmeldungen für Kurzarbeit nieder. Gemäss Franz Baumeler, Mediensprecher von WAS Luzern, haben diesen März 18 Betriebsabteilungen aus 9 unterschiedlichen Alters- und Pflegeheimen Kurzarbeit abgerechnet. Von diesen 18 Abteilungen betrafen 15 die Gastronomie, eine die Réception, eine die Physiotherapie und eine die Pflege. Auf das Personal umgemünzt bedeutet das: Für 255 Angestellte von Alters- und Pflegeheimen wurde im März Kurzarbeit abgerechnet. Davon waren 147 Arbeitnehmende im Gastronomiebereich, 9 an der Réception, 7 in der Physiotherapie und 25 im Pflegebereich tätig. 67 Arbeitnehmende wurden über den Gesamtbetrieb abgerechnet und können nicht eindeutig einem Bereich zugeordnet werden.

Lockerungen bei Besuchsmöglichkeiten, steigende Impfquote

Dazu sagt Nadja Rohrer von Curaviva: «Viele Heime planen die Personaleinsätze aufgrund der Pflegebedürftigkeit und der Auslastung.» Sie ist optimistisch, dass sich die Auslastung bessert. Denn: «Seit rund zwei Monaten erfahren wir Lockerungen bei den Besuchsmöglichkeiten, auch bestehen keine Quarantänevorgaben mehr; weder beim Eintritt noch nach Aufenthalten ausserhalb der Institutionen.» Zudem steige die Impfquote bei der Bevölkerung stetig an. «Alle diese positiven Entwicklungen stärken unsere Zuversicht und die Verminderung der Ängste, in einem Pflegeheim wohnhaft zu werden.»

Die Attraktivität der Alters- und Pflegeheime dürfte auch mit der Impfwilligkeit des Personals zusammenhängen. Das bestätigt Nadja Rohrer: «Der hohe Wunsch nach Sicherheit beeinflusst den Entscheid zum Heimeintritt massgebend.» Eine Mehrheit der Bewohnenden sei geimpft. «Auch bei den Mitarbeitenden steigt die Impfquote stetig.» Die Impfentscheidung liege indes bei jedem Einzelnen. «Als Verband unterstützen wir die Institutionen bei der Aufklärungsarbeit und bei der Abwicklung der Impfungen.»

Ob alle Heime die Zuversicht nach besserer Auslastung teilen, wird sich noch zeigen. Bei WAS Luzern jedenfalls sind für diesen Mai Kurzarbeitsanträge für 25 Betriebsabteilungen aus 9 Heimen bewilligt worden, was 416 Angestellte betrifft. «Dies bedeutet aber nicht, dass all diese auch abgerechnet werden», so Franz Baumeler. Massenentlassungen sind WAS Luzern nicht gemeldet worden. Dass das Personal mehrheitlich gehalten wird, zeigen auch folgende Zahlen: Im März und April waren auf den fünf RAV im Kanton Luzern jeweils 23 Personen arbeitslos gemeldet, die zuvor in einem Pflegeheim gearbeitet hatten. Das ist zwar etwas mehr als in den vergangenen Monaten, aber auch 1 Person weniger als im Juli letzten Jahres. Zum Vergleich: Im März waren 1212 Personen aus Dienstleistungsberufen und dem Verkauf arbeitslos gemeldet.